Jan 20

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“Burnout in Thailand? Unm√∂glich!”

… das w√ľrden wohl die meisten von uns denken.
Doch die Syptome von “Burnout” m√ľssen nicht immer nur in hohem beruflichem Druck ihren Ursprung, sondern k√∂nnen auch ganz andere Ursachen haben.

Grunds√§tzlich existieren 3 Gruppen von Menschen, die sich sogar bei der¬† Auswanderung in ein sonniges, asiatisches Tropenland anf√§llig daf√ľr sind, eine Burnout-Symptomatik zu entwickeln:

Zum einen gibt es Ausl√§nder, die versuchen, im Ausland ihren Lebenserwerb zu bestreiten und bei in- oder ausl√§ndischen Firmen angestellt sind. H√§ufig m√ľssen sie von Beginn an mit hohem Druck und gro√üen Erwartungen am Arbeitsplatz fertig werden, sind aber auf die kulturellen Unterschiede, mit denen sie im Ausland umzugehen haben, weitgehend unvorbereitet und hatten diese untersch√§tzt. Viele sind √ľberrascht und letztlich √ľberfordert von der Herausforderung, das “alte” Leben aufzugeben, und nahezu zeitgleich ein neues Zuhause zu finden, es einzurichten und sich darin heimisch zu f√ľhlen, sich an einen komplett neuen Kollegenkreis und ihre Arbeitshaltung zu gew√∂hnen, sich in der neuen Umgebung zu orientieren und gleichzeitig all die Erwartungen zu erf√ľllen, die sie an sich selbst stellen.

Dann gibt es die Ausl√§nder, die im Ausland selbst√§ndig arbeiten m√∂chten. Diese “Expat-Unternehmer” sind nahezu ganz auf sich allein gestellt, und gehen von der Annahme aus, dass ihre Erfahrungen als Touristen sie gen√ľgend auf das neue Traumprojekt vorbereitet haben sollten. Doch schon nach kurzer Zeit haben sie mit zahlreichen H√ľrden unterschiedlichster Art zu k√§mpfen. Vieles funktioniert nicht so, wie es daheim mit demselben Aufwand an Einsatz und Geld geklappt h√§tte. Die Summe der vielen kleinen √Ąrgernisse schliesslich raubt vielen nicht nur sukzessive die Freude an ihrem Traum z.B. vom “eigenen Restaurant in Asien”, sondern f√ľhrt zu regelrechter Frustration und einem Gef√ľhl, vielleicht niemals an einen Punkt zu gelangen, an dem alles so l√§uft wie erhofft. Und ich habe noch nicht mal die gerade in Schwellenl√§ndern und Entwicklungsl√§ndern omnipr√§senten Themen “B√ľrokratie” und Korruption angeschnitten..!

Einige mag es vielleicht √ľberraschen, dass sogar der Ruhestand in gemeinhin als “Traumdestinationen” empfundenen L√§ndern wie jenen S√ľdostasiens oder S√ľdamerikas zu “Burnout” f√ľhren kann.
Die vielen Ver√§nderungen, die eine Auswanderung mit sich bringt, habe ich bereits erw√§hnt – aber sogar, wenn am Beginn eigentlich alles gut lief, kann nach einiger Zeit die Freude verflachen und von einzelnen Schwierigkeiten und √Ąrgernissen, sozialer Isolation oder sozialen Konflikten ausgeh√∂hlt werden. Zus√§tzlich leiden viele westliche Auswanderer an einem Mangel an Herausforderung und Kommunikation: sie sind “bored out” von der t√§glichen Routine, die sich nach einiger Zeit einstellt und bei der sich dann mitunter der Tag nur mehr um die “H√∂hepunkte” Essen oder Trinken dreht. Sogar jemanden zu finden, mit dem man sich wohl f√ľhlt und sich gut austauschen kann, kann schwierig sein. Doch ‘Boreout’ kann zu √§hnlichen k√∂rperlichen Symptomen wie Burnout f√ľhren und uns l√§ngerfristig genauso krank und depressiv machen. Insofern ist es wichtig, die eigenen Gef√ľhle ernst zu nehmen und entsprechend aktiv zu werden, bevor man von der eigenen Negativit√§t wie gel√§hmt ist.

In einem Folge-Eintrag werde ich typische Burnout- und Boreout-Symptome beschreiben und Strategien, wie mit diesen umgegangen werden kann.

(Dieser Kurzartikel ist die “Blog-Version” einer w√∂chentlichen Zeitungsartikel-Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befa√üt und in verschiedenen Medien Thailands ver√∂ffentlicht wird, 2012; Bildquelle: blog.madisonwhoswho.com)

Jan 20

Auch nach so vielen Jahren in meinem Beruf kann es mich immer noch begeistern, wenn Leute sich entschlie√üen, mit Hilfe von Beratung oder Therapie ihr Leben zu verbessern. Bei Kindern und Jugendlichen ist der Grund daf√ľr offensichtlich: sie haben ihr ganzes Leben noch vor sich, und wenn sie da anf√§ngliche Hindernisse erfolgreich √ľberwinden k√∂nnen, ist es gro√üartig. Die andere Altersgruppe sind jene Personen, die ihre Lebensmitte √ľberschritten haben. Warum? “√Ąltere” Menschen sind in unserer Gesellschaft mit dem Vorurteil konfrontiert, sich nicht mehr √§ndern zu k√∂nnen. Der Prozess des √Ąlterwerdens generell wird von vielen abgewertet, die die Einstellung haben, dass 30 zu werden schon schlimm genug ist, aber das Leben ab einem Alter von 40-50 Jahren nur mehr schlechter werden kann.

Doch tats√§chlich ist nicht viel dran an diesem Klischeebild, und √ľberraschenderweise ist der tropische Teil Asiens eine gute Region, sich davon zu √ľberzeugen. W√§hrend die Mehrheit der hier lebenden Auswanderer entweder am Rande eines durch einen Auslandseinsatz bedingten Burnouts steht, am sog. “Expat-Syndrom” leidet oder andererseits einem hedonistischen Lebensstil fr√∂nt, den sie sich nicht durch gesellschaftliche oder sonstige Regeln einschr√§nken lassen m√∂chte, kann man immer mehr Menschen finden, die f√ľr ihr Alter gro√üartig aussehen und auf verschiedenste Art und Weise alles N√∂tige daf√ľr tun, um nicht nur ein noch m√∂glichst langes und gesundes, sondern auch ein m√∂glichst gl√ľckliches Auswanderer-Leben f√ľhren zu k√∂nnen. Fairerweise muss gesagt werden, dass einer solchen Haltung nicht selten Schockereignisse wie Herzinfarkte, sexuelle Funktionsst√∂rungen oder andere Krankheiten vorausgingen. Manchmal folgte sie jedoch auch auch aus der Erkenntnis, dass sich unser K√∂rper und unsere Psyche nun einmal nicht austricksen lassen: wenn unser K√∂rper krank zu werden und uns dadurch dauerhafte “Z√ľgel” zu verpassen droht oder unsere Psyche unsere Lebensfreude chronisch einschr√§nkt, bleibt letztendlich nur die Option, die Abw√§rtsspirale m√∂glichst umgehend zu unterbrechen: zun√§chst einmal das Problem zu erkennen und zu akzeptieren (idealerweise h√§ufig mittels “Kickstart” durch √§rztliche oder therapeutische Hilfe), und dann unseren Lebensstil m√∂glichst umgehend radikal zu √§ndern.

So traf ich Menschen, die dem Rauchen, Trinken oder anderen Formen des Substanzmi√übrauchs aufh√∂rten, Menschen, die ihren K√∂rper auch nach Jahrzehnten des √úbergewichts wieder in Form brachten, 70 Jahre alte M√§nner, die wieder zu verloren geglaubten sexuellen Freuden fanden, und √§ltere Paare, die offenbar erst auswandern mussten, um herauszufinden, dass sie mit ein wenig Unterst√ľtzung ihre Ehe reparieren konnten.

F√ľr manche kommen solche Umkehrschw√ľnge zu sp√§t – f√ľr andere aber sind sie die ersten Schritte zu einem neuen Leben. Ich m√∂chte diesen kleinen Artikel mit einem sch√∂nen Zitat der Schriftstellerin Helen H. Santmyer (1895-1986) beschlie√üen:

“Zeit – unsere Jugend – sie ist nie wirklich zu Ende, nicht wahr? All das findet in unseren K√∂pfen statt.”

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2012; Image src:expatzaustralia.com)

Aug 05

Es kann ganz sch√∂n hart sein, ein Kind oder Teenager in Asien zu sein! Auf den ersten Blick k√∂nnte man sich ja fragen, ob √ľberhaupt eine bessere Umgebung denkbar w√§re, um nat√ľrlich und unbeschwert aufzuwachsen. Doch tats√§chlich beobachten viele ausgewanderte Eltern an ihren Kindern Anzeichen von etwas, das man bem√ľht zur√ľckhaltend “Anpassungsprobleme” nennen k√∂nnte. Aber warum ist das so?

Die schwierigste Herausforderung f√ľr die Kinder von Auswanderern nach Asien ist es, ihre Freunde und ihr gewohntes Umfeld zur√ľcklassen zu m√ľssen und in ein fremdes Land “transferiert” zu werden, das sich zun√§chst einmal ungewohnt, ja feindlich anf√ľhlen kann. Sie verstehen die Landessprache nicht, f√ľhlen sich unwohl, da die Menschen anders als gewohnt aussehen, ja sogar das ungewohnte Klima und Essen kann sie belasten. H√§ufig sind es tats√§chlich gerade die “kleinen” Dinge: Faktoren, die uns Erwachsenen gar nicht auffallen, die es Kindern und Jugendlichen schwer machen, sich zurechtzufinden.

J√ľngere Kinder tun sich mit den Ver√§nderungen noch am leichtesten – es f√§llt ihnen leichter, eine neue Sprache zu erlerenen und sie erhalten in den meisten Regionen Asiens viel positive Zuwendung und Neugier, f√ľhlen sich also insgesamt “willkommener”. Ab etwa 7 Lebensjahren aber k√§mpfen Teens eher mit der Ver√§nderung, die ihnen ihre Eltern “angetan” haben, wobei ihnen diese Abwehrhaltung die Anpassung noch weiter erschwert.
Denn kulturelle Unterschiede werden von bereits etwas √§lteren Kindern oder Teenagern besonders stark empfunden. Wenn wir uns versuchen vorzustellen, dass eine der gr√∂√üten Herausforderungen f√ľr Kinder in der Entwicklung von Selbstvertrauen nicht nur bezogen auf sich selbst, sondern auch auf ihren Umgang mit anderen liegt, mag es uns leichter fallen zu verstehen, warum es f√ľr Kinder regelrecht einer traumatischen Erfahrung √§hneln kann, wenn sie aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen werden und lernen m√ľssen, mit zum Teil h√∂chst unterschiedlichen ‘sozialen Regeln’ umzugehen und Kontakte mit Menschen herzustellen, die sie weder sprachlich, noch von ihrem gelegentlichen Verhalten her verstehen.

Kinder und Jugendliche, die mit solchen Irritationen und Herausforderungen konfrontiert sind, reagieren h√§ufig mit Protest oder gar Aggression, mit R√ľckzug, schulischem R√ľckfall oder sie entwickeln psychosomatische St√∂rungen. Da die Eltern als Verantwortliche f√ľr all diese Ver√§nderungen wahrgenommen werden, ist es in der Regel weise, die Krise nicht unter allen Umst√§nden alleine bew√§ltigen zu wollen, sondern einen Freund/eine Freundin von daheim oder einen Berater vor Ort zu involvieren, der beim erforderlichen Anpassungsprozess unterst√ľtzt. Dies kann ein bi√üchen Zeit ben√∂tigen, doch √ľblicherweise ist es auf diese Weise selbst den “schwierigsten” Jugendlichen m√∂glich, sich Schritt f√ľr Schritt zu √∂ffnen und wieder zu einer konstruktiveren Einstellung ihrer neuen Lebenssituation gegen√ľber zu finden.

In einem Folgeartikel werde ich mich mit den Herausforderungen befassen, mit denen bereits in Asien geborene Expat-Kinder konfrontiert sind.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image:Janine Wiedel Photolibrary / Alamy)

Mar 13

Jeder von uns kennt mindestens einen von ihnen: unzufriedene Expats. Tja, vielleicht muss der eine oder andere Leser nur in den Spiegel blicken.

H√§ufige Beschwerden √ľber “die Thais” und die kleineren und gr√∂√üeren √Ąrgernisse des t√§glichen Lebens in Thailand, Klagen √ľber andere Expats oder st√§ndig um Krankheit kreisende Gedanken, ein Gef√ľhl von Einsamkeit, Langeweile oder latenter √Ąrger: all diese Symptome sind ganz typisch bei Menschen, die sogenannten kulturellen Stress erleben.

In den sp√§ten 1960er Jahren beschrieb der amerikanische Anthropologe Kalervo Oberg das, was er als “Kulturschock” bezeichnete: hier folgt auf die sogenannte “Flitterwochen-Phase” (Idealisierung des Gastlandes und Freude √ľber die Auswanderung dorthin) die “Krisen-Phase” (emotionaler Stress und steigende Frustration, h√§ufig gepaart mit k√∂rperlichen Erkrankungen, √úbergewicht, reduziertem Immunsystem und Verdauungsproblemen), sp√§ter abgel√∂st von der “Erholungs-Phase” (Kennenlernen des Gastlandes, Erlernen der Sprache, das Verst√§ndnis kultureller Unterschiede) und schlie√ülich der “Anpassungs-Phase” (Integration kultureller Unterschiede und Anpassung an das Gastland).

Allerdings haben einige Leute Schwierigkeiten, die Erholungs- und Anpassungs-Phase zu erreichen oder schwanken st√§ndig mit R√ľckf√§llen in Phasen starken kulturellen Stresses, selbst nach vielen in der Fremdkultur verbrachten Monaten oder sogar Jahren. Sie leiden unter dem, was Experten als “Expat-Syndrom” bezeichnen. Der Grund f√ľr derartige Schwierigkeiten ist ein Mangel an Anpassungs- und/oder Kommunikationsf√§higkeit, ein Mangel an Informationen √ľber den ad√§quaten Umgang mit kulturellem Stress, und schlie√ülich k√∂nnen einige Expats einfach nicht akzeptieren, dass sich bestimmte Aspekte der anderen Kultur vermutlich nie √§ndern werden. Dies aber bedeutet, dass sie st√§ndig unter emotionalem Stress stehen – eine ernsthafte Belastung f√ľr den gesamten K√∂rper, die fr√ľher oder sp√§ter zur k√∂rperlichen Krankheiten f√ľhren kann. Psychologen beobachten sogar, dass viele Symptome von kulturellem Stress den Symptomen der posttraumatischen Belastungsst√∂rung √§hneln.

Nat√ľrlich kann eine Beratung helfen, den kulturellen Anpassungsprozess zu f√∂rdern, doch es gibt auch Einrichtungen wie die Expat-Clubs, die eine sehr wertvolle Ressource an Erfahrungen darstellen, ebenso wie eine lange Liste an B√ľchern, die sich mit kulturellen Unterschieden befassen und es erleichtern, unsere Gef√ľhle zu verstehen und unsere Situation zu verbessern. G√∂nnen Sie sich etwas und n√ľtzen Sie diese Mittel, wenn Sie es einrichten k√∂nnen – denn schlie√ülich kam jeder von uns ja urspr√ľnglich hierher, um ein gl√ľcklicheres Leben zu leben, oder nicht?

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:gadling.com)

Mar 12

Als ich das erste Mal nach Thailand kam, fragte ich mich angesichts der doch eigentlich gesunden Thai-K√ľche: warum sind hier so viele Menschen – insbesondere Expats – √ľbergewichtig?

Ein Blick in die Stra√üen gen√ľgt: mindestens jeder dritte westliche Ausl√§nder ist fettleibig. Das ist eine enorme Quote, vergleichbar nur mit den “dicksten” Bundesstaaten der USA, und sie ist mitverantwortlich f√ľr viele der gesundheitlichen Probleme, die manche Expats schon nach wenigen Jahren in ihrer neuen Heimat haben.

Doch ab wann beginnt “√úbergewicht” tats√§chlich? Das ist einfach: um Ihren sogenannten “Body Mass Index” (BMI) zu berechnen, dividieren Sie schlicht Ihr K√∂rpergewicht (in kg) durch Ihre K√∂rpergr√∂√üe zum Quadrat. Bei einer K√∂rpergr√∂√üe von 1.72m und einem Gewicht von 75kg w√§re die Formel: [75 √∑ (1,72 m)¬≤ = BMI 25,4]. √úbergewicht besteht ab einem BMI von 25,0, krankhaftes √úbergewicht (Adipositas) ab 30,0. Experten betrachten Werte ab 27,5 als erh√∂htes Risiko f√ľr Erkrankungen des Kreislaufsystems, bestimmte Krebsformen, Diabetes Typ 2 und Gelenkbeschwerden.

Doch was macht manche von uns so anf√§llig daf√ľr, in Thailand derart rasch zuzunehmen? Alkohol w√§re eine Erkl√§rung, Fette eine andere. Nat√ľrlich trinken viele zu viel und untersch√§tzen (oder verdr√§ngen), dass alkoholische Getr√§nke regelrechte Kalorienbomben sind. Daneben kochen heutzutage viele Thai-K√ľchen zu fett, seit einigen Jahren h√§ufig auch zu s√ľ√ü und salzig: diese Speisen sind dann nicht mehr wohlschmeckend und gesund, sondern im besten Falle nur mehr wohlschmeckend… Doch warum essen und trinken wir tendenziell zu viel?

Eine der Erkl√§rungen liegt in der Funktion des Essens und Trinkens als Kompensationsm√∂glichkeit f√ľr Alltagsfrust und Langeweile: berufst√§tige Expats stehen beruflich oft unter au√üergew√∂hnlich intensivem Stress – Pensionisten dagegen haben h√§ufig kaum Aufgaben. Die Freizeit vertreiben sie sich dann mit Essen oder einem Gl√§schen zwischendurch, ja f√ľr manche stellt ein Buffet-Besuch sogar den H√∂hepunkt der Woche dar. In meiner Eigenschaft als Sexualtherapeut muss ich gerade auch die altersbedingten hormonellen und psychischen Ver√§nderungen erw√§hnen, die gerade viele √§ltere M√§nner an sich erleben: war es in j√ľngeren Lebensjahren ein t√§gliches Ziel, Sex zu haben und den K√∂rper zu trainieren, stellt f√ľr so manchen √§lteren Mann das Mittag- oder Abendessen den Inbegriff sinnlichen Genusses dar … leider zum Leidwesen des K√∂rpers, und nicht selten auch der Psyche. Denn √úbergewicht erh√∂ht die Neigung zu Depression, was eine Teufelsspirale in Gang setzen kann, die uns dann zu noch mehr Essen treibt. Die Schwierigkeit beim Zur√ľckfinden zu ausgewogener Ern√§hrung ist, dass beim zu-viel-Essen h√§ufig regelrechte Sucht-Dynamiken bestehen. Dies ist mit ein Grund, warum jede seri√∂se Abnehmklinik Beratung und Psychotherapie als integralen Bestandteil des Gesundungskonzepts anbietet. Man kann ja vieles alleine schaffen – aber manches geht mit Unterst√ľtzung von au√üen einfach deutlich leichter und schneller.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:theage.com.au)

Jan 26

Migration kann indirekt krank machen. Das in etwa ist die Schlu√üfolgerung von Andrea Topitz, der Leiterin der Abteilung f√ľr Transkulturelle Psychiatrie und migrationsbedingte psychische St√∂rungen am AKH.

Besonders h√§ufig sei sie in ihrer T√§tigkeit mit PatientInnen konfrontiert, die entweder der Landessprache nicht m√§chtig sind – und daher ihre Probleme nur unzureichend oder gar nicht beschreiben k√∂nnen. Und gerade bei ungekl√§rtem Asylstatus verf√ľgen sie h√§ufig auch √ľber keine Versicherung, was dann nicht nur f√ľr die Patienten selbst problematisch und riskant ist, sondern auch f√ľr die medizinischen Einrichtungen ein gro√ües Problem darstellt. Gar nicht selten kommt es zu beidem: sehr geringe prachliche Ausdrucksm√∂glichkeiten der Patienten UND keine Versicherung.

Wie ich auch im Zuge meiner eigenen bikulturellen Arbeit immer wieder feststelle, ist der Einsatz von Kindern, Verwandten und Bekannten der Patienten und Klienten als “Gratis-Dolmetsch” nicht generell anzuraten: besonders wenn es auch um psychische Probleme geht, besteht dabei das Risiko einer Rollenumkehr oder einem Verlust von Intimit√§t und Integrit√§t.

Hinzu kommen kulturspezifische Faktoren in Behandlung und Beratung: “Psychosomatik gibt es in jedem Kulturkreis, aber der Umgang damit variiert”, schildert Topitz. So neigen etwa s√ľdosteurop√§ische Frauen dazu, Schmerzen viel dramatischer und massiver zu schildern als √Ėsterreicherinnen: “Die Patientinnen dr√ľcken ihre Schmerzen anders aus, diffuser und weniger differenziert, es tut alles weh und st√§ndig, und auch die Affektlabilit√§t ist gesteigert, die Frauen weinen und klagen viel”, erz√§hlt Topitz. Die Schmerzen k√∂nnen dann ein Ausdruck f√ľr die prek√§re Gesamtsituation sein, denn es ist leichter, √ľber k√∂rperliche Beschwerden eine Anlaufstelle und eine Ansprechperson zu finden. Der eine oder andere Arzt versorge dann die Patienten ohne Rezept mit Medikamenten, aber solche Ma√ünahmen k√∂nnen nur Tropfen auf den hei√üen Stein sein.

Die Patientengruppe der Migranten zeichne sich dar√ľber hinaus durch einen √ľberm√§√üigen und wahllosen Umgang mit Medikamenten aus. Das kann unter anderem daran liegen, dass √Ąrzte normalerweise nicht die M√∂glichkeit haben, sprachunkundigen Patienten gen√ľgend Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen und diese mit Tabletten “abfertigen.”

Manche Klienten der transkulturellen Ambulanz stehen unter hohem Druck, weil ihr Aufenthaltsstatus nicht gekl√§rt ist und sie st√§ndig von einer Abschiebung bedroht sind (Fellner: bzw. eine R√ľckkehr in das Heimatland aus anderen, etwa finanziellen Gr√ľnden unm√∂glich erscheint). Solche Umst√§nde generieren einen Teufelskreis von Angst, R√ľckzug und Schmerzen, aus dem die Patienten selbst mit Medikation und Betreuung kaum herausfinden k√∂nnen.

(Quellen: Der Standard v. 25.01.2011, Fellner, “Wenn zwei Welten aufeinander treffen – Bikulturelle Partnerschaft” (2011); Image src:womenhealthzone.com)

Aug 10

“Erwin? Den habe ich auch schon l√§ngere Zeit nicht mehr gesehen!”

Wenn sich das anf√§ngliche Hochgef√ľhl √ľber das Leben im Ausland gelegt hat, warten verst√∂rende Kultureigenheiten, Desillusionierungen, Sprachbarrieren, ein fehlendes Unterst√ľtzungssystem und damit h√§ufig auch ein Gef√ľhl der Einsamkeit auf Expats. Auch jene Ausgewanderten, die mit den Herausforderungen der Lebensumstellung relativ gut fertigwerden, vermissen h√§ufig einen vertrauten und ausreichend gro√üen Freundeskreis. Viele haben zwar Freizeitbekanntschaften und Hobbypartner, aber niemanden, den sie als wirklich guten Freund, gute Freundin bezeichnen k√∂nnten. So kann sogar das Leben in Thailand, Gran Canaria oder Neuseeland zu einer phasenweise deprimierenden, weil einsamen Erfahrung werden.

J√ľngere Menschen tun sich mit dieser Herausforderung normalerweise am leichtesten: ihnen f√§llt es zumeist noch leichter, die neue Sprache zu erlernen, Kontakte zu Einheimischen zu kn√ľpfen und sich in die Umgebung zu integrieren. √Ąltere Menschen dagegen neigen eher dazu, sich zur√ľckzuziehen. H√§ufig reduzieren sich im Verlauf der Jahre sogar ihre Kontakte zu jenen Menschen, mit denen sie in der neuen Stadt recht gut auskamen. Sie verlassen ihre Wohnung nur mehr, um einzukaufen oder das w√∂chentliche Expat-Treffen zu besuchen. Irgendwann f√ľhlt sich das dann wom√∂glich auch zu anstrengend an. So kommt es, dass wir in regelm√§√üigen Abst√§nden in der Zeitung davon lesen m√ľssen, dass Menschen – ob krankheitsbedingt oder gar durch die eigene Hand – vereinsamt starben. Aus meiner Sicht das schlimmste Lebensende angesichts der Tr√§ume, die viele Expats mit ihrer Auswanderung verbanden.

Sieht man sich Einsamkeit, Gef√ľhlen von Depression oder Angstzust√§nden gegen√ľber, sollte man aktiv bleiben und nicht vergessen: gut Ding braucht Weile. Pflegen Sie Ihre Kontakte, behalten Sie aber auch Ihre Freunde und Bekannten im Auge: wie geht es eigentlich denen aktuell?

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image source:echinacities.com)

ÔĽŅ25.06.19