Mar 13

Jeder von uns kennt mindestens einen von ihnen: unzufriedene Expats. Tja, vielleicht muss der eine oder andere Leser nur in den Spiegel blicken.

Häufige Beschwerden über “die Thais” und die kleineren und größeren Ärgernisse des täglichen Lebens in Thailand, Klagen über andere Expats oder ständig um Krankheit kreisende Gedanken, ein Gefühl von Einsamkeit, Langeweile oder latenter Ärger: all diese Symptome sind ganz typisch bei Menschen, die sogenannten kulturellen Stress erleben.

In den späten 1960er Jahren beschrieb der amerikanische Anthropologe Kalervo Oberg das, was er als “Kulturschock” bezeichnete: hier folgt auf die sogenannte “Flitterwochen-Phase” (Idealisierung des Gastlandes und Freude über die Auswanderung dorthin) die “Krisen-Phase” (emotionaler Stress und steigende Frustration, häufig gepaart mit körperlichen Erkrankungen, Übergewicht, reduziertem Immunsystem und Verdauungsproblemen), später abgelöst von der “Erholungs-Phase” (Kennenlernen des Gastlandes, Erlernen der Sprache, das Verständnis kultureller Unterschiede) und schließlich der “Anpassungs-Phase” (Integration kultureller Unterschiede und Anpassung an das Gastland).

Allerdings haben einige Leute Schwierigkeiten, die Erholungs- und Anpassungs-Phase zu erreichen oder schwanken ständig mit Rückfällen in Phasen starken kulturellen Stresses, selbst nach vielen in der Fremdkultur verbrachten Monaten oder sogar Jahren. Sie leiden unter dem, was Experten als “Expat-Syndrom” bezeichnen. Der Grund für derartige Schwierigkeiten ist ein Mangel an Anpassungs- und/oder Kommunikationsfähigkeit, ein Mangel an Informationen über den adäquaten Umgang mit kulturellem Stress, und schließlich können einige Expats einfach nicht akzeptieren, dass sich bestimmte Aspekte der anderen Kultur vermutlich nie ändern werden. Dies aber bedeutet, dass sie ständig unter emotionalem Stress stehen – eine ernsthafte Belastung für den gesamten Körper, die früher oder später zur körperlichen Krankheiten führen kann. Psychologen beobachten sogar, dass viele Symptome von kulturellem Stress den Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung ähneln.

Natürlich kann eine Beratung helfen, den kulturellen Anpassungsprozess zu fördern, doch es gibt auch Einrichtungen wie die Expat-Clubs, die eine sehr wertvolle Ressource an Erfahrungen darstellen, ebenso wie eine lange Liste an Büchern, die sich mit kulturellen Unterschieden befassen und es erleichtern, unsere Gefühle zu verstehen und unsere Situation zu verbessern. Gönnen Sie sich etwas und nützen Sie diese Mittel, wenn Sie es einrichten können – denn schließlich kam jeder von uns ja ursprünglich hierher, um ein glücklicheres Leben zu leben, oder nicht?

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:gadling.com)

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25.06.19