Sep 10
Testosteron-Spiegel erhöhen

Testosteron-Mangel hat eine Vielzahl potenzieller Auswirkungen – auf Psyche und Körper. (img:Getty)

Die Andropause ist eine meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr bei Männern einsetzende hormonelle Veränderung, welche durch einen reduzierten Testosteron-Spiegel ausgelöst wird.

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon und wird in den Hoden gebildet. Es wirkt auf alle Körperzellen und ist nicht nur für die Geschlechtsentwicklung zuständig, sondern auch für den bei Männern spezifischen Haut-, Knochen- und Muskelaufbau. Ebenso wichtig ist es für die Produktion der roten Blutkörperchen, welche den Körper mit Sauerstoff versorgen. Dem Testosteron fällt auch die keineswegs unbedeutende Aufgabe zu, für seelische Ausgeglichenheit und sexuelle Lust zu sorgen. Ab der Lebensmitte jedoch lässt die Produktion dieses Hormons sukzessive nach und der Testosteronspiegel sinkt ab. Diese Verminderung beschert vielen Männern Beschwerden: “die Fitness ist kraftlos und die Lenden sind saftlos”… Die so genannte Andropause tritt ein: depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Abnahme der Konzentration und der Vitalität.

Zu den möglichen Symptomen der eintretenden Andropause gehören:

  • Stimmungsschwankungen wie Angst, Reizbarkeit, Aggression
  • Neigung zu Depression
  • Erhöhtes Gewicht und Körperfett, wachsender Bauchumfang
  • Schlechter werdendes Kurzzeitgedächtnis
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne
  • Schlafprobleme und/oder stärkere Müdigkeit als früher
  • Reduzierter Wunsch nach Intimität und niedrigerer Sexualtrieb
  • oder rationaler Wunsch nach Sex, aber Gefühl von Lustlosigkeit
  • Erektile Dysfunktion
  • Weniger häufige und intensive Ejakulation
  • Osteoporose
  • reduziertes Selbstwertgefühl
  • Hitzewallungen und Nachtschweiß
  • weniger Energie und Ausdauer, langsamere Regeneration nach körperlicher Anstrengung

Es existieren jedoch in Fachkreisen beträchtliche Auffassungsunterschiede darüber,  welche der genannten Symptome tatsächlich auf eine sog. “männliche Menopause” bzw. Andropause hinweisen und letztlich auf Testosteron-Mangel zurückzuführen sind. Für jedes der Symptome könnten genauso gut andere Ursachen vorliegen – selbst dann, wenn tatsächlich ein reduzierter Testosteron-Spiegel diagnostiziert würde. In gewissem Sinne stellen so genannte “Testosteron-Ersatz-Therapien” also einen “Schuß ins Blaue” dar.

Testosteronersatz-Therapie – ja oder nein?

Von manchen Ärzten und Kliniken werden heute Männern ohne viel Zögern Ersatztherapien zur Erhöhung des Testosteron-Spiegels angeboten – häufig speziell mit dem Ziel, um die Lust auf das Liebesleben wieder zurückzuerobern. Sogar bei drohenden Herz-/Kreislaufkrankheiten wird dieses Hormon gelegentlich präventiv eingesetzt, da Untersuchungen zeigten, dass Testosteron auch einen Schutzeffekt für Arterien und Venen hat, wodurch sich diese Art von Therapie (meist in Form von Tabletten, Gel, Pflaster oder Nasenspray) Patienten gegenüber gut “argumentieren” läßt. Wichtig ist dabei jedoch zu wissen: eine Hormonersatztherapie nützt nichts, wenn man gleichzeitig Raubbau mit seiner Gesundheit und seinen Ressourcen betreibt. Es ist bemerkenswert, aber vielleicht nicht ganz zufällig, dass viele Männer, die bereit sind, Hormonersatztherapien an sich durchführen zu lassen (oder diesbezüglich gar Selbstmedikation betreiben), häufig auch leichtfertiger als andere zu anderen “Konditionsbooster-Arzneimitteln” greifen.

Im Idealfall nehmen bei einer künstlichen Testosteron-Gabe Muskelmasse, Knochendichte, Libido und Leistungsfähigkeit zu. Unter gewissen Bedingungen kann die “Extra-Dosis” Testosteron jedoch auch die Entwicklung eines bereits bestehenden Prostatakrebs beschleunigen. Eine Vorsorgekontrolle (PSA-Kontrolle) ist deshalb unbedingt anzuraten.

Doch es gibt auch bewährte Gesundheitstipps für Männer, welche – im Unterschied zu künstlichen Zuführung von Testosteron – zuverlässig keine Gesundheitsrisiken bergen und ebenfalls bestens geeignet sind, den Testosteron-Spiegel anzuheben:

  • Entwicklung von mehr Selbst-Disziplin für einen gesunden Lebensstil – etwas, das vielen Männer zeitlebens nicht erworben haben
  • Auf ausgewogene Ernährung achten (vitaminreich: mehr Obst und Gemüse; fettarm: fettige, ölige Speisen und raffinierte Kohlenhydrate können zu Übergewicht führen, Adipositas jedoch scheint die Produktion von Testosteron zu beeinflussen). Fastenkuren erhöhen verschiedenen kleinen Studien zufolge auch den Testosteron-Spiegel, vermutlich durch die dabei stattfindende Entschlackung und Entgiftung. Eier sind der wichtigste Cholesterin-Lieferant, welches wiederum ein wichtiger Baustein für die Testosteron-Produktion darstellt. Zucker senkt dagegen sukzessive den Testosteron-Spiegel im Blut: also lieber Früchte, die wenig Fruchtzucker enthalten, essen wie z.B. Granatäpfel, Zitrusfrüchte, Mangosteen, Datteln, Kokosnüsse, Avokados oder Weintrauben. Softdrinks, Limonaden, Mehlspeisen und Süßigkeiten aller Art sind möglichst radikal zu vermeiden.
  • Relevante Nahrungsbestandteile: Vitamin A und D sowie Zink (siehe auch weiter unten).
  • Östrogene vermeiden: diese weiblichen Hormone kommen zunehmend in Nahrungsmitteln vor, speziell der Weichmacher Bisphenol-A auch in vielen Alltagsprodukten, v.a. solchen aus Plastik: man sollte deshalb Getränke aus Plastikflaschen oder in Plastik verpackte Nahrungsmittel möglichst umgehen.
  • weniger Stress: Stress erzeugt Cortisol, und dieses wirkt sich negativ auf den Testosteron-Spiegel aus.
  • der Taillenumfang sollte weniger als 100 cm betragen (siehe BMI-Test)
  • genügend Schlaf – mindestens 7-8 Stunden pro Tag. Testosteron wird während der REM-Phasen produziert, insofern sollten genügend davon stattfinden können.
  • Achten Sie auf eine gesunde und möglichst wenig belastete Psyche und holen Sie sich ggf. Unterstützung durch Psychotherapie oder Coaching: Optimismus und ein ausgeglichener Seelenzustand helfen, Stress zu vermindern. Wenn Männer dagegen (womöglich sogar chronisch) belastet sind, produzieren die endokrinen Drüsen signifikant weniger männliche Geschlechtshormone.
  • Rauchen und trinken Sie weniger. Die Leber baut normalerweise überschüssiges Östrogen ab – ist sie aber mit dem Abbau vom Alkohol beschäftigt, kann sie das nicht.
  • natürliche Mittel – Hafer und Ginseng haben eine testosteronähnliche Wirkung, Bockshornkleesamen-Extrakt aktiviert den Testosteron-Umsatz und eine Extraportion Zink hilft dem Testosteron ebenfalls auf die Sprünge: Hummer, Austern und Garnelen; Sojabohnen, Weizenkleie und Kürbiskerne. Casanova ass bekanntlich 40 Austern pro Tag!
  • Bewegung kurbelt die Testosteronausschüttung ebenfalls stark an: beste Ergebnisse bietet diesbezüglich ein hochintensives Krafttraining (man muss wirklich schwitzen und dabei – im Rahmen der gesundheitlichen Verträglichkeit – knapp über seine Grenzen gehen!) mit Serien von 10-15 Wiederholungen, gespickt mit Pausen von 60-90 Sekunden (Pausen von 15-30 Sek. dagegen stimulieren vor allem die Ausschüttung von Wachstumshormon).
  • Pornografie: wenig oder gar nicht. Suchtähnliche Effekte von zu viel Pornografie-Konsum haben eine negative Auswirkung auf die Libido und die Testosteron-Produktion.
  • guter Sex: intensive Erregung und Spiele der Lust heben unseren Hormonspiegel über einen Zeitraum von bis zu zwei Tagen an und wirken so auf natürliche Weise Mangelerscheinungen entgegen. Selbst erotische Fantasien kurbeln kurzfristig die Testosteronproduktion an. Der Zustand der Verliebtheit reduziert den Testosteron-Spiegel bei Männern, bei Frauen hebt er ihn an.

Gerade Männer können ihre Hormonwerte durch ihren Lebensstil noch stärker beeinflussen als Frauen, weil sich ihre Hormonsituation mit dem Alter nicht so abrupt und radikal verändert.

Im Bereich “Selbsttests” auf meiner Website finden Sie einen Selbsttest auf Testosteron-Mangel, der Ihnen bei einer ersten Selbsteinschätzung weiterhelfen kann. Im Zweifelsfall ist eine fachärztliche Untersuchung mit Blutbefund anzuraten.

Jun 13

Negative Erfahrungen in und Trennungen von Liebesbeziehungen setzen jungen Männern emotional offenbar weit heftiger zu als gleichaltrigen Frauen. Eine Studie, welche von Soziologen der amerikanischen Wake Forest Universität im “Journal of Health and Social Behavior” veröffentlicht wurde, widerlegt das Vorurteil, Frauen reagierten auf Krisen in der Partnerschaft besonders empfindlich.

Mehr als 1.000 Teilnehmer im Alter von 18 bis 23 Jahren wurden zu ihren Partnerschaften und erfolgten Trennungen befragt. Den Ergebnissen zufolge verbergen viele junge Männer zwar nach außen hin ihre Gefühle unter einer rauen Maske – unter der stoischen Oberfläche aber brodelt es häufig. “Überraschenderweise reagieren junge Männer stärker auf die Qualität laufender Beziehungen”, so die Studienleiterin R. Simon.

Kriselt es in der Partnerschaft, so reagieren die Geschlechter unterschiedlich: “Frauen drücken emotionale Belastung eher in Form von Depression aus, während Männer eher zu Alkohol- und Drogenproblemen neigen”. Die größere Empfindsamkeit junger Männer erklärt die Forscherin damit, dass romantische Beziehungen für sie oft die einzige Quelle von Intimität seien. Frauen pflegten dagegen generell engere Beziehungen zu Familie und Freundinnen. Zudem kratze eine kriselnde Partnerschaft möglicherweise besonders stark an Identität und Selbstwertgefühl junger Männer.

Dies gilt allerdings nur für bestehende Beziehungen. Ein Singledasein birgt dagegen für junge Frauen mehr Schrecken als für gleichaltrige Männer. Sie können zwar besser mit dem Auf und Ab einer Partnerschaft umgehen, leiden aber unter deren Ende besonders stark.

(Quellen: R.W.Simon, A.E. Barrett, “Nonmarital Romantic Relationships and Mental Health in Early Adulthood” in: Journal of Health and Social Behavior, Vol. 51, No. 2, 168-182 (2010) DOI: 10.1177/0022146510372343; Der Standard; Photo source: mentalhealthy.co.uk)

Apr 30

Das Ergebnis einer Studie von britischen und niederländischen Psychologen im Jahre 2009 sorgte für hitzige Diskussionen. Eine Umfrage unter 1.500 chinesischen Frauen sollte einen Zusammenhang zwischen dem Reichtum eines Mannes und der Zahl der Orgasmen gebe, die eine Frau erlebt, nachgewiesen haben: je reicher der Partner, desto mehr weibliche Orgasmen.
Die Psychologen schlossen daraus auf einen evolutionspsychologischen Zusammenhang, nach dem Frauen von reicheren Männern stärker erotisch angezogen werden.

T. Hothorn und E. Herberich vom Institut für Statistik der LMU werteten die zugrundeliegenden Daten jedoch nochmals aus und fanden dabei heraus, dass offensichtlich ein falsches Statistikmodell zur Anwendung gekommen war. Mit einem anderen statistischen Modell dagegen zeigte sich, dass die Orgasmushäufigkeit der Frauen vielmehr am stärksten mit ihrem Bildungsniveau, aber auch mit ihrem Gesundheitszustand und dem Alter zusammenhängt. Jüngere und gesündere Frauen berichteten über häufigere sexuelle Höhepunkte als ältere und wenig gesunde. “Das Einkommen des Partners erwies sich dagegen als eher unbedeutende Variable in diesem Zusammenhang”, so die Wissenschaftler. Vereinfacht ließe sich also sagen: “je klüger die Frau..”

Zusammen mit den Psychologen der ersten Studie haben die Statistiker nun die neuen Ergebnisse in der Zeitschrift “Evolution and Human Behavior” veröffentlicht. Und sie weisen daraufhin, dass die Richtigstellung nur deswegen möglich war, weil die Daten öffentlich zugänglich waren: “Anders hätten wir ihre Schlussfolgerungen nicht überprüfen können”, sagt Hothorn. “Es sollte daher wissenschaftlicher Standard werden, sowohl die Originaldaten als auch die statistischen Analysemethoden zusammen mit den Ergebnissen zu veröffentlichen. Auf diese Art wäre der Weg, auf dem Schlussfolgerungen gezogen werden, für jedermann nachvollziehbar.”

(Quellen: tp, Evolution and Human Behavior; Photo src:sexsecrets.files.wordpress.com)

Apr 19

Schon Babies verhalten sich ganz und gar nicht ‘genderneutral’, wie eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie zweier Psychologinnen der City University London zeigt. Hierbei wurden 83 Mädchen und Buben im Alter zwischen neun und 36 Monaten mit verschiedenen Spielsachen (darunter als typisches Buben-Spielzeug geltende Dinge wie Auto, Bagger, Ball oder blauer Teddy, ebenso wie rosa Teddy, Puppe, ein Küchenset etc. als klassische Mädchen-Spielzeugstücke) konfrontiert, wobei die Präferenzen der Kinder registriert wurden. Die Spielsachen wurden nach einer Befragung von Erwachsenen nach “typischen” Buben- und “typischen” Mädchen-Spielgegenständen für die Auswahl vorbereitet.

Die Kinder zeigten hierbei eine deutliche Präferenz für Spielzeug, das stereotyp repräsentativ für ihr Geschlecht war. Bei den Jüngsten (9-14 Monate) spielten die Mädchen signifikant länger mit der Puppe als die Buben. Die Buben wiederum vergnügten sich markant länger mit Ball und Auto als die Mädchen. “Es war offensichtlich, dass sogar die jüngsten Kinder schnurstracks auf die gender-typischen Spielzeuge und Farben zugingen”, so die Psychologinnen. Beide zeigten sich erstaunt, dass die Unterschiede bereits so früh auftraten, und verwiesen auf ähnliche Ergebnisse bei Affen – möglicherweise gebe es neben Erklärungen über “frühe Sozialisierung” doch auch einen biologischen Unterschied für die Auswahl von Spielzeug.

Doch so einfach wollen sich Proponenten der Sozialisationstheorien nicht geschlagen geben: Der Einfluss der Sozialisation dürfe niemals unterschätzt werden, so etwa Walter Gilliam, Direktor des Edward Zigler Zentrums zu kindlicher Entwicklung und Sozialpolitik an der Universität Yale. Studien zeigten beispielsweise, dass Eltern und andere Bezugspersonen bereits ab dem Moment der Geburt unterschiedlich mit weiblichen und männlichen Babies umgehen. Väter wurden etwa dabei beobachtet, dass sie männliche Babies öfter zu aktiven Spielen ermutigen, indem sie sie kitzeln oder liebevoll anstubsen, während weibliche Babies von Vätern fester gehalten werden. Eltern wurden zudem dabei beobachtet, dass sie mit weiblichem Nachwuchs mehr redeten als mit männlichem.

(Quellen: Medicinenet.com: Even 9-Month-Olds Choose ‘Gender-Specific’ Toy / APA / Standard; Photo:AutoGuide)

Apr 16

Wissenschaftler haben erstmals nachgewiesen, dass hormonbedingte Stoffwechselstörungen bei Männern zu einem früheren Tod führen.

Wissenschafter des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, der Kardiologie und der Community Medicine der Universität Greifswald sowie der Universität Erlangen-Nürnberg konnten kürzlich einen direkten Zusammenhang zwischen dem Sexualhormon Testosteron und dem Sterblichkeitsrisiko belegen. Von ca. 2000 untersuchten Männern verstarben jene signifikant häufiger an Herz-Kreislauferkrankungen, die zur Zeit der Erstuntersuchung niedriger Testosteronspiegel aufwiesen. In begleitenden Analysen der Daten der Studie konnten die Wissenschaftler belegen, dass eine erniedrigte Testosteronkonzentration häufig mit Fettleibigkeit, Fettstoffwechselstörungen und einer Leberverfettung verknüpft sind. Niedrige Testosteronspiegel führen zu einer vermehrten Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen und erhöhten Gesundheitskosten im ambulanten Bereich. Zudem zeigte sich, dass ein niedriger Testosteronspiegel für die Entstehung von Bluthochdruck und Diabetes mit verantwortlich ist. “Diese hormonbedingten Stoffwechselstörungen sind bei Männern zu einem frühen Tod verknüpft”, betonte einer der Untersuchungsleiter. Das habe die Auswertung der Verlaufsbeobachtung von bereits verstorbenen Teilnehmern der Studie ergeben.

Testosteron ist als wichtigstes männliches Sexualhormon für viele körperliche und psychische Vorgänge beim Mann verantwortlich. Die Testosteronkonzentration sinkt mit zunehmendem Alter des Mannes kontinuierlich – bei 15 bis 20 Prozent der untersuchten Männer über dem 50. Lebensjahr wurde im Rahmen der Studie eine erniedrigte Testosteronkonzentration nachgewiesen. “In Zukunft wird die hormonelle Vorsorge beim reifen Mann genauso selbstverständlich werden wie bei der Frau”, sind die Studienautoren überzeugt.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der letzten Ausgabe des medizinischen Fachmagazins “European Heart Journal” veröffentlicht, nach diesen Ergebnissen sind weitere Forschungen in Zusammenarbeit von Andrologen, Kardiologen, Gynäkologen und Psychiatern geplant.

Zum Selbst-Check: Testosteron-Selbsttest auf dieser Website

(Quelle: “Low serum testosterone levels are associated with increased risk of mortality in a population-based cohort of men aged 20–79” in: European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehq009)

Apr 03

Interessante Zusammenhänge zwischen Selbstwertgefühl und spezifischen Faktoren der individuellen Lebenssituation ermittelte eine kürzlich abgeschlossene Studie der American Psychological Association (APA) an ca. 4000 zwischen 25 und 104 Jahre alten US-AmerikanerInnen, die zwischen 1986 und 2002 wiederholt befragt wurden.

Demnach ist die Selbstsicherheit unter Jugendlichen am niedrigsten (vermutlich, da während den jüngeren Lebensjahren die Persönlichkeit noch instabiler ist als bei Erwachsenen – man ist sich gewissermaßen ‘seiner selbst noch nicht ganz sicher’), steigt dann aber im Lebensverlauf an und erreicht ihren Höhepunkt um die 60 Jahre. Danach führen dann vermutlich der Ruhestand und ein schlechter werdender Gesundheitszustand zu einem Abfall der Selbstsicherheit. Frauen waren generell unsicherer als Männer, hier wurde erst in einem Altersbereich zwischen 80 und 90 Jahren ein ungefährer Gleichstand erreicht.

Menschen in einer glücklichen Liebesbeziehung, solche mit besserer Ausbildung, höherem Einkommen, besserer Gesundheit und solche, die arbeiteten, verfügten ebenfalls über höhere Grade von Selbstsicherheit, speziell im Verlauf des Älter-werdens (mit der Ausnahme des Beziehungsstatus, ab ca. 60 Jahren war ein glückliches Beziehungsleben nicht mehr von signifikanter Relevanz für das Selbstwertgefühl). Die ethnische Zugehörigkeit schien nicht relevant zu sein, erst in hohem Alter (ab ca. 80 Jahren) war das Selbstwertgefühl bei Weissen höher als bei Schwarzen. Im Zuge der Alterung zeigten sich dagegen der Gesundheitszustand sowie die Vermögenssituation als wesentlichste Koordinaten eines gut bleibenden Selbstwertgefühls. Die Wissenschafter erklärten diese Zusammenhänge mit der Vermutung, daß beide Faktoren ein größeres Gefühl von Unabhängigkeit, aber auch, für ihre Umwelt Sinnvolles tun zu können, ermöglichen.

Da das Selbstwertgefühl seinerseits ein wichtiger Faktor für einen besseren Gesundheitszustand, geringere Anfälligkeit für kriminelles Verhalten, geringere Depressionsanfälligkeit und generell mehr Lebenserfolg und -zufriedenheit darstellt, ist ein besseres Verständnis der unterschiedlichen Ursachen für Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit im Verlauf der Lebensspanne sehr wichtig.

(Quelle: Self-esteem development from young adulthood to old age: A cohort-sequential longitudinal study, APA online, 20100310; Photo src:erikbakke.com)

Feb 27

Psychische und physische Gewalt in Partnerschaften nimmt in den meisten westlichen Industrieländern zu, wobei in wissenschaftlichen Kreisen Unsicherheit darüber besteht, ob diese Zuwächse nicht auch damit ganz wesentlich zusammenhängen, daß die diesbezügliche Tabusierung in der Gesellschaft abnimmt, vorkommende Gewalt also nicht mehr totgeschwiegen wird.
Doch auch die reinen Fakten sind schockierend genug: so sind alleine im Jahre 2008 in Frankreich 147 Frauen durch häusliche Gewalt ums Leben gekommen. Unter der Annahme, daß körperlicher Gewalt psychische Gewalt vorausgeht, die Möglichkeit der Bestrafung dieser also vielleicht auch physische Gewalt verhindern könne, wurde im französischen Parlament diese Woche nun “psychische Gewalt in Paarbeziehungen” als Straftat eingeführt. Unter den Unterstützern fanden sich nicht nur die Abgeordneten der Regierungspartei UMP, sondern auch die Sozialisten. Für psychische Gewalt sind demnach zukünftig Strafen bis zu 3 Jahren Gefängnis und Geldstrafen bis zu € 75.000,- vorgesehen, sowie die erzwungene Trennung des Paares und die Intensivierung der Überwachung durch elektronische Fußfesseln für die TäterInnen.

Was die praktische Exekutierbarkeit des neuen Gesetzes angeht, dürften sich in vielen Einzelfällen jedoch Probleme auftun: etwa, wie psychische Gewalt vor Gericht zu beweisen sei, wie sie sich überhaupt genau definiert und von Beleidigungen, Demütigungen, verletzenden Verhaltensweisen etc. unterscheidet, die bei Streitigkeiten in der Ehe oder in Partnerschaften ja fast immer geschehen. Im Diskurs rund um das Gesetz wurde denn auch von KritikerInnen des Entwurfs angeführt, daß namhafte französische Schriftsteller, Maler usw. heute angesichts dessen, was über ihre Beziehungsvergangenheit bekannt wäre, wohl langjährige Gefängnisinsassen wären. Männerorganisationen dagegen dürften die neuen Regelungen freuen, wird doch von diesen oft die psychische Gewalt von Frauen in Partnerschaften bemängelt, gegen die jedoch keinerlei rechtliche Handhabe bestünde.

Anmerkung R.L.Fellner:
Kulturkritisch könnte man anmerken, daß die seit einigen Jahren beobachtbaren Bestrebungen vieler westlicher Staaten, selbst die Emotionen ihrer BürgerInnen zu kontrollieren und die Überschreitung von -im Grunde recht eng gesetzten- künstlichen Grenzen sogleich als krankhaft oder strafbar zu definieren, bedenklich stimmen; speziell dann, wenn in der Bevölkerung ein Gefühl aufkommen sollte, daß gewohnheitsmäßig mit zweierlei Maß gemessen wird (z.B. Bonizahlungen an Finanzmanager bei gleichzeitiger Massenenteignung kleiner Kapitalanleger, straflos bleibende Waffenschiebereien von Politikerinnen-Ehegatten, Freunderlwirtschaft zwischen Wirtschaftselite und Politik, ohne Konsequenzen bleibender Machtmißbrauch von Politikern etc.). So könnte etwa der in Großbritannien kürzlich ebenfalls in der Gesetzgebung verankerte Begriff des sog. ‘Antisozialen Verhaltens’ (Antisocial Behaviour, ASBO) alleine was die dortigen Verfehlungen einzelner PolitikerInnen während der letzten 10 Jahre betrifft, durchaus auch für diese angewendet werden – wird es aber nicht.

(Quelle: Franz. Staatsekretariat für Familie und Solidarität; Photo:Wikimedia)

Feb 18

Interessante Zahlen veröffentlichte kürzlich das englische Innenministerium: einer Gewaltstatistik zufolge leiden junge Männer ebenso sehr wie Frauen unter “Mißhandlungen” ihren jeweiligen Partner – zumindest, wenn man emotionale Gewalt wie z.B. Mobbing oder ständiges Tyrannisieren auch als Mißhandlung (engl. “abuse”) wertet.

Vermutlich, weil Männer am Beginn einer Partnerschaft noch unsicherer sind, findet sich in der jüngeren Altersgruppe von 20-24 Jahren sogar einen Überhang an weiblicher Gewalt (6,4% gegenüber 5,4% männl.), in höheren Altersstufen gleichen sich beide Werte aneinander an, für 2007/2008 gaben 2,2% der Frauen jeden Alters an, von ihrem Partner leichte oder schwere körperliche Gewalt erlitten haben, bei den Männern waren es mit 2,0% nicht viel weniger. Frauen werden der Studie zufolge allerdings allgemein eher misshandelt und auch eher und wiederholt Opfer starker körperlicher Gewalt. Ein Bericht über Gewalt gegen Männer des Deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahre 2004 sowie eine vom kriminologischen Forschungsinstitut in Niedersachsen erstellte Studie kamen zu ähnlichen Ergebnissen für Deutschland; in beiden wurde angemerkt, daß die Datenlage kaum gesicherte Erkenntnisse hergibt mit dem Verweis, daß “häusliche Gewalt”, die von Partnerinnen verübt wird, oft noch ein Tabu ist.

Umstrittenes, vom österr. Frauenministerium 2008 finanziertes Plakat, das Väter als potenzielle Gewalttäter stilisiert

Allgemein scheint es einen zunehmenden Bewußtwerdungsprozess bezüglich des Themas weiblicher Gewalt (u.a. auch häuslicher Gewalt) zu geben. Von männerspezifischen Hilfsorganisationen wird z.B. schon seit längerer Zeit bemängelt, daß es zwar z.B. in England und Wales insgesamt beinahe 500 Frauenhäuser gibt, in die sich Frauen bei häuslichen Problemen flüchten und Beratung einholen können, jedoch nur 7 einschlägige Einrichtungen für Männer. Auch seien Organisationen und Forschungen, die sich mit frauenspezifischen Anliegen befassen, mit erheblichen finanziellen und medialen Mitteln ausgestattet, während männerspezifische häufig von Jahr zu Jahr um das finanzielle Überleben kämpfen. Die Scham vieler Männer, bei häuslicher Gewalt Hilfe zu holen, unterstreicht dabei das öffentliche Bild (aber auch die Statistiken vieler allgemeiner Beratungsstellen), daß in der Regel Männer die Täter, und Frauen die Opfer psychischer und körperlicher Gewalt sind.

Weiterführende Links und Artikel:

aktuelle Statistiken über häusliche Gewalt in England von Mankind.org.uk

BmF-Studie 2004 (PDF)

Assaults By Women On Their Male Partners or Spouses – Bibliografie von ca. 250 Studien und anderen wissenschaftlichen Texten zum Thema

British Crime Survey England und der betr. Artikel auf BBC Online (2008) mit einigen themenverwandt verlinkten Magazinbeiträgen

Häusliche Gewalt ist weiblich – Artikel im Novo-Magazin 03/2000, der körperliche Gewalt in Beziehungen sogar als mehrheitlich von Frauen ausgehend sieht

Mann als Opfer – ‘pressure group’-Website mit verlinkten Artikeln und Informationen

01.09.19