Jan 11

Tribut f√ľr die Todesopfer w√§hrend der Attacke auf “Charlie Hebdo” am Place de la R√©publique (Paris). Bild: Aurelien Meunier/Getty

Der Schock √ľber das Attentat in Paris sitzt tief – und trifft auf ein bereits seit Jahren tief sitzendes, aber immer noch weiter wachsendes Mi√ütrauen gegen√ľber der islamischen Religion selbst ebenso wie ihren Anh√§ngern. Schon 2012 etwa waren einer Emnid-Umfrage zufolge 53% von befragten nichtmuslimischen Deutschen der Meinung, der Islam sei sehr oder eher bedrohlich – 2014 waren es bereits 57%. Dass der Islam nicht in die westliche Welt passe, sagten letztes Jahr bereits 61%, 2012 waren es noch 52%. Auch als invasiv wird der Islam erlebt: laut einer Umfrage des Linzer Market-Instituts empfinden die H√§lfte der √Ėsterreicher den Islam als Gefahr f√ľr die √∂sterreichische Kultur, 45% meinen, dass der Islam schon jetzt zu viel Einfluss in √Ėsterreich habe.

Eine der Ursachen f√ľr diese Entwicklung k√∂nnte im wachsenden Anteil der muslimischen Bev√∂lkerung an der europ√§ischen Bev√∂lkerung und einem damit verbundenen, subjektiven Gef√ľhl von “Unterwanderung” liegen. Aus soziologischen Untersuchungen wei√ü man, das hief√ľr bei vielen Menschen schon scheinbar banale Gr√ľnde wie in kulturellen Unterschieden oder religi√∂sen Vorschriften begr√ľndete √Ąu√üerlichkeiten ausreichen (etwa die Art der Kleidung, man erinnere sich an die teils sogar gerichtlich ausgetragenen Konflikte z.B. rund um das Tragen von Niqabs/Hijabs/Burkas). Doch auch mangelnde Integration eingewanderter Muslime (z.B. schon auf grundlegendsten Ebenen wie z.B. des Erlernens der jeweiligen Landessprachen), insbesondere aber wohl die massive Expansion des sog. “Islamischen Staates” in Syrien und dem Irak verbunden mit per Bild- und Videoclips verbreiteten grausamen Massakern und Exekutionen durch die salafistischen Islamisten, all dies verst√§rkt das Gef√ľhl von “unheimlichen”, “gef√§hrlichen” Muslimen.

Bemerkenswert ist hinsichtlich der Statistik, dass Menschen, die keinen Kontakt mit Muslimen haben, diese mit 66% deutlich h√§ufiger als bedrohlich empfinden als jene mit Kontakten (43%). 71% der Menschen ohne Kontakte halten den Islam f√ľr nicht in die westliche Welt passend, bei den anderen sind es 42%; 29% ohne Kontakte wollen Muslime nicht mehr ins Land lassen, bei den anderen sind es 15%. Dennoch verbleibt auch bei Menschen, die Muslime kennen, ein relativ hoher Anteil von Ablehnung, wohl aufgrund des Umstandes, dass pers√∂nlich Bekannte nicht zuallererst √ľber ihren religi√∂sen Glauben wahrgenommen werden. Sind Vorurteile aber erst einmal verankert, dann haben positive Attribute es schwer, sich durchzusetzen. Aber wie kann man als Atheist, Christ oder als Angeh√∂riger anderer religi√∂ser Richtungen den Islam √ľberhaupt korrekt einsch√§tzen? Selbst unter den Muslimen gibt es solche, die die Position vertreten, der Koran als Grundpfeiler dieser Religion w√§re “wortw√∂rtlich zu nehmen”, w√§hrend andere auf die sog. Suren verweisen, welche gewisserma√üen “Aktualisierungen” der urspr√ľnglichen Schriften darstellen. Zudem wird in einer klassischen Koran-Interpretation aus dem 8. oder 9. Jahrhundert jeder Koranvers mit mehreren Interpretationen und sodann “..aber Gott wei√ü es besser.” abgeschlossen, also ausgedr√ľckt, dass man als Mensch die m√∂gliche Bedeutung des Verses wom√∂glich gar nicht verstehen k√∂nne. Aufgrund dieser Unklarheit ist es m√∂glich, dass einzelne Vertreter des Islam Lehrmeinungen anf√ľhren, denen zufolge etwa “Ungl√§ubige zu vernichten seien”, andere jedoch diese Interpretation entschieden ablehnen.

Wir als Angeh√∂rige eines stark christlich gepr√§gten Kulturkreises werden hierbei durchaus an die Schwierigkeit der Interpretation “hiesiger” heiliger Schriften erinnert. So ist ja beispielsweise auch in der Bibel nachzulesen, dass ein Kind get√∂tet werden soll, wenn es seine Eltern schimpft, oder dass Sex w√§hrend der Menstruation mit dem Tode zu bestrafen ist (Levitikus, Kapitel 20). Doch auch wenn es in unserer sogenannten “aufgekl√§rten Gesellschaft” immer noch viele strenggl√§ubige Christen gibt: nicht einmal die extremsten unter ihnen w√ľrden tats√§chlich solchen T√∂tungsaufrufen folgen (hoffe ich doch). Das ist beim Islam aufgrund seiner Verwurzelung in zum Teil auch heute noch sehr archaisch gepr√§gten Gesellschaften und seines impliziten Anspruches, auch politischen Einfluss auszu√ľben (Scharia), zumindest in Teilbereichen anders – aus diesen Gr√ľnden kann jedoch auch nicht, wie manche Islamtheoretiker argumentieren, einfach generalisierend behauptet werden, “der Islam an sich” sei eine friedliche, gewaltlose Religion – ebenso wie auch in der christlichen Religionsgeschichte sind auch in jener des des Islam Gewaltakte explizit religi√∂s begr√ľndet worden.

Photo src: AlJazeera.com

Ich m√∂chte mich hier jedoch nicht als Religionskenner oder Kulturhistoriker ausgeben – der bin ich nicht. Aus psychologischer Sicht und als jemand, der sich recht eingehend mit der Dynamik von Gewalt, Traumata etc. befa√üt hat, bef√ľrchte ich allerdings, dass eine weitere Ausweitung des Drucks gegen Muslime in unserer Gesellschaft keineswegs die gew√ľnschten Effekte haben, sondern nur zu einer noch st√§rkeren Isolierung der orthodox Gl√§ubigen f√ľhren d√ľrfte. Alle historischen Erfahrungen mit der Repression von Bev√∂lkerungsgruppen weisen in genau diese Richtung. Versteht man den Jihadismus als “Bewegung der [√∂konomischen, politischen] Verlierer”, kann man eigentlich gar nicht anders, als sich zu fragen, wie diesen Menschen wieder eine positive Perspektive erm√∂glicht werden kann. In Europa w√§re es essenziell, die Integration jenes Teiles unserer Gesellschaft, der der islamischen Richtung angeh√∂rt (und zu dem √ľbrigens auch “originale” Mitteleurop√§er z√§hlen!), wo immer es relevant sein k√∂nnte, voranzutreiben. Sicherlich gibt es auch Bereiche, in denen den Betreffenden Integration durchaus auch abverlangt werden kann. Ebenso wie sog. “Sekten” haben sich auch Religionen ultimativ der Staatsautorit√§t zu unterwerfen, unsere Gesellschaft und ihre Individuen sind vor Schaden zu bewahren. Diese Einstellung findet sich √ľbrigens auch in den muslimischen L√§ndern selbst, wo sich selbstverst√§ndlich auch Touristen oder westliche Expats weitestgehend in die jeweiligen landes- und kulturspezifischen Regeln und Normen einzuf√ľgen haben.

Hinsichtlich gef√ľrchteter Attent√§ter m√∂chte ich auf die Arbeiten von Arno Gruen verweisen, der nachwies, wie Gewaltneigungen in sozialen Systemen wie etwa den Familien weitergegeben werden. Zum einen k√∂nnen Gewalterfahrungen und Repression offenbar selbst bei sp√§ter gegen die Gewaltsysteme Revoltierenden zu neuen Formen der Gewaltaus√ľbung f√ľhren. Die Unterdr√ľckten bleiben – gerade auch bei Hassgef√ľhlen den Beherrschenden gegen√ľber – mit diesen identifiziert, haben aber den Kontakt zu ihren Gef√ľhlen und zu ihrer Kernidentit√§t verloren. Derartig emotional gest√∂rte Menschen agieren h√§ufig mit Gewalt gegen das, was sie (zumindest subjektiv) als gewaltt√§tig erlebt haben.

Immerhin aber haben sie tats√§chlich, real oder subjektiv erlebt, Gewalt erfahren. Attent√§ter sind jedoch keineswegs immer nur “Betroffene”. Von Soziopathen etwa wei√ü man, dass sie h√§ufig unbewu√üt nach M√∂glichkeiten suchen, den enormen emotionalen Druck, unter dem sie stehen, durch Zerst√∂rung zu entladen. Eine solches legitimierende Ideologie entwickelt dann f√ľr sie in weiterer Folge ganz von selbst Faszination, ist aber gewisserma√üen nur ein Vehikel f√ľr die eigentlich gesuchte Gewalterfahrung. So liegt etwa bei den f√ľr viele erstaunlich hoch wirkenden Zahlen westlicher Ausl√§nder, welche in den fernen Osten “pilgern” (pun intended), um dort am Krieg teilzunehmen und “Ungl√§ubige zu vernichten”, aus psychologischer Sicht die Vermutung nahe, dass sich ihnen der radikale Islamismus schlicht als M√∂glichkeit anbot, anderen Menschen Schmerz zuzuf√ľgen oder sich gar in der archaischen Erfahrung, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen, vor einer Kamera oder zumindest ebenso radikalen “Glaubensbr√ľdern” zu inszenieren und selbst zu erleben – und zwar ohne Konsequenzen bef√ľrchten zu m√ľssen. Der Islam wird damit f√ľr derartige, in ihrer Pers√∂nlichkeit und Humanit√§t schwerst gest√∂rte Menschen zu einer Projektionsfl√§che und von ihnen instrumentalisiert, um sich auszuagieren.

Von derartigen Entwicklungen und Instrumentalisierungen werden sich sowohl verantwortungsvolle westliche Politiker, als auch islamische Theoretiker und Prediger explizit abgrenzen m√ľssen: erstere, indem sie der Bev√∂lkerung gegen√ľber differenzieren – weder als Relativierer auftreten, noch im Teich der beunruhigten Teile der Bev√∂lkerung nach billigen (langfristig aber teuer zu bezahlenden) W√§hlerstimmen fischen. Islamische Schl√ľsselpers√∂nlichkeiten wiederum m√ľ√üten klar kommunizieren, dass in ihren Reihen kein Platz f√ľr Gewaltt√§ter ist. Und zwar nach innen ebenso wie nach au√üen.

Der “Shift” unserer Gesellschaft in Richtung zunehmender religi√∂ser Pluralit√§t und kultureller Vielfalt bringt erh√∂hten Dialogbedarf mit sich. Wollen wir den inneren Zusammenhalt und die Integrit√§t unserer kulturellen Werte gerade in jenen Zeiten st√§rken, in denen einfache Wahrheiten und Zuschreibungen nicht mehr greifen und einzelne Gruppierungen gezielt destruktive Absichten verfolgen, ben√∂tigt es umso mehr Anstrengungen, diese Kluften zu schlie√üen und durch gezielten Dialog zu √ľberbr√ľcken.

Quellen:

 

Apr 10

In meiner Praxis habe ich sehr h√§ufig mit KlientInnen zu tun, die in irgendeiner Weise darunter leiden, nicht den geeigneten Partner oder die geeignete Partnerin zu finden. Dies hat nat√ľrlich fast immer psychische Gr√ľnde – auf die eine oder andere Weise sabotierten sie sich selbst, sie leiden an Formen sozialer √Ąngste oder (meiner Erfahrung nach der h√§ufigste Grund) an zu geringem Selbstwertgef√ľhl.

Image source: imhomir.com

Die Probleme rund um Partnersuche, Attraktivit√§t und sexuelle Anziehungskraft befl√ľgeln Forscher und K√ľnstler schon seit Menschengedenken. Unter diesem – eher ironisch gemeinten – Blogtitel m√∂chte ich die Ergebnisse einschl√§giger Studien und Forschungsergebnisse zusammenfassen – diese Sammlung wird laufend erweitert und aktualisiert.

Doch Achtung: Garantie f√ľr Plausibilit√§t oder gar Erfolg √ľbernehme ich keine! ūüėČ

Attraktivität und Partnerwahl

  • “Attraktive K√∂rper und Gesichter sind symmetrisch” – bei der Partnerwahl springen wir auf √§sthetische Eindr√ľcke an, die indizieren, dass es um die Gesundheit und Fitness, also auch um Reproduktionsf√§higkeit, gut bestellt ist (Quelle)
  • Menschen mit symmetrischem K√∂rperbau kommen beim Tanzen besser an und haben bei der Partnerwahl die Nase vorn.” (Quelle)
  • Frauen ohne Idealma√üe sind st√§rker, robuster und krisenresistenter” – im Westen gelten Frauen mit einer gr√∂√üeren Waist-Hip-Ratio (Taille-H√ľft-Verh√§ltnis) als 0,7 als weniger attraktiv als in anderen Weltregionen, sind f√ľr Krisenzeiten aber besser ger√ľstet (Quellen: [1],[2],[3])
  • √Ėstrogen macht Frauengesichter attraktiver.” – w√§hrend der fruchtbaren Tage wirken die Gesichter von Frauen offenbar attraktiver (Link)
  • Testosteron macht M√§nnergesichter attraktiver.” – hohe Testosteronwerte in Kombination mit wenig Stresshormonen st√§rken die Abwehrkr√§fte und lassen das Gesicht eines Mannes in den Augen von Frauen attraktiv erscheinen (Link zu Markus J. Rantala et.al., “Evidence for the stress-linked immunocompetence handicap hypothesis in humans”)
  • Frauen werden eher gew√§hlt, wenn sie sch√∂n sind, M√§nner eher, wenn sie dominant wirken“- dies bezieht sich auf politische Wahlen ..aber vielleicht nicht nur, wenn man die weiter unten angef√ľhrten Forschungsergebnisse liest (Quelle)
  • Sch√∂nheit verunsichert.” – dies, und da√ü es attraktive Frauen und M√§nner bei der Partnersuche schwerer haben als durchschnittlich attraktive Personen, w√§re eine m√∂gliche Schlu√üfolgerung aus dem sog. “Gehwegexperiment” von James Dubbs u. Neil Stokes (“Beauty is Power: The Use of Space on the Sidewalk”, 1975): auf einem Gehweg √§nderten Fu√üg√§nger ihre Gehrichtung, um mehr von M√§nnern als Frauen auszuweichen, mehr von 2 als von 1 Person, und weiter von einer h√ľbschen als von einer unattraktiven Frau. Ihre Theorie war, da√ü Attraktivit√§t, Gruppengr√∂√üe und Geschlecht Aspekte von Macht sind, die territorialen Anspruch und damit das genannte Ausweichverhalten begr√ľndeten (Quelle).
  • Von der Attraktivit√§t der Kleidung wird auf andere Attraktivit√§ts-Attribute geschlossen.” – attraktiv gekleidete Testpersonen wurden kompetenter und sozialer eingesch√§tzt als nicht attraktiv gekleidete, und, wie die Forscher vermuteten, wohl auch als physisch attraktiver (Quelle).
  • Gro√üe M√§nner kommen sexuell und sozial besser weg.” – M√§nner haben mit starken, attraktiven und reichen Konkurrenten ihre gr√∂√üten Schwierigkeiten, mit zunehmender K√∂rpergr√∂√üe scheint die Beeindruckung von Konkurrenten abzunehmen. Kleine M√§nner sind tendenziell am eifers√ľchtigsten. Bei Frauen hingegen sind die kleinen und die gro√üen eifers√ľchtiger als die durchschnittlich gro√üen. Allerdings werden die durchschnittlich gro√üen Frauen am ehesten von gro√üen und sozial dominanten Konkurrentinnen beeindruckt (Link)
  • Frauen ziehen √§ltere M√§nner und diese j√ľngere Frauen vor.” – Eine Erkl√§rungsm√∂glichkeit f√ľr die biologischen Ursachen dieses Ph√§nomens lieferte eine Studie, die herausfand, da√ü¬† Frauen mit einem vier Jahre √§lteren Partner und M√§nner mit einer sechs Jahre j√ľngeren Partnerin den gr√∂√üten Reproduktionserfolg haben (Quelle)
  • Der Mensch verlor vielleicht seine K√∂rperbehaarung, da dies sexy auf das andere Geschlecht wirkte.” – eine Hoffnung f√ľr Glatzentr√§ger? (Quelle)
  • Ergebnisse einer √∂konometrischen Analyse von Online-Dating-Verhalten: M√§nner, die angaben, sie seien auf der Suche nach einer langfristigen Beziehung, schnitten sehr viel besser ab als jene, die lediglich auf eine Aff√§re aus waren. F√ľr M√§nner ist das Aussehen der Frauen von herausragender Bedeutung, f√ľr Frauen das Einkommen eines Mannes von gr√∂√üter Wichtigkeit: je reicher der Mann ist, desto mehr Mails erh√§lt er. Die Attraktivit√§t einer Frau w√§chst f√ľr M√§nner zwar auch mit dem Einkommen, aber nur bis zu einer bestimmten H√∂he. [..] M√§nner f√ľhlen sich angezogen von Studentinnen, K√ľnstlerinnen, Musikerinnen, Tier√§rztinnen, und Ber√ľhmtheiten, sie meiden Sekret√§rinnen, Rentnerinnen sowie Frauen, die beim Milit√§r oder der Polizei arbeiten. Frauen bevorzugen Soldaten, Polizisten und Feuerwehrm√§nner, au√üerdem Rechtsanw√§lte und Finanzexperten in leitender Position. Frauen meiden Arbeiter, Schauspieler, Studenten [..]. Die Analyse der Daten von etwa 30.000 Nutzern ergab weiterhin, dass M√§nner vor allem erhebliche Nachteile haben, wenn sie klein sind. F√ľr Frauen hingegen ist √úbergewicht t√∂dlich. Deswegen wird in diesen Bereichen offenbar h√§ufig auch etwas nachgeholfen: der interessierte Online-Dater ist z.B. etwas gr√∂√üer als der Durchschnittsmann und die typische Online-Daterin 10 kg leichter als ihre reale Kollegin. Im Buch “Freakonomics“, in dem die Ergebnisse komplett nachzulesen sind, beschrieben die Autoren ihre durch mathematische Methoden gewonnenen Erkenntnisse so: “In der Welt des Online-Dating ist ein Kopf voller blonder Haare f√ľr eine Frau ungef√§hr so viel wert wie ein College-Abschluss.
  • In Partnerb√∂rsen, speziell solchen in Dating-Apps, waren als Ersteindruck Fotos, die eine offene, gestreckte K√∂rperposition zeigten, am erfolgreichsten – und zwar sowohl bei M√§nnern als auch bei Frauen (Quelle).
  • “”Fiese” M√§nner bekommen die meisten und sch√∂nsten Frauen ab” – in den meisten einschl√§gigen Studien zu diesem Thema wiesen die betreffenden M√§nner eine (auch unterschiedlich ausgepr√§gte) Kombination aus¬†Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus auf (Quellen: [1], [2], [3])
  • M√§nner sollten nicht “hingerissen” wirken: Ungewissheit √ľber die Gef√ľhle des Gegen√ľbers erh√∂ht dessen Attraktivit√§t (Quelle: E. Whitchurch et.al in: “Uncertainty Can Increase Romantic Attraction”, Psychological Science, 01/2011).


Sexualität

  • “Schon die blo√üe Anwesenheit einer Frau erh√∂ht den Testosteronspiegel” – unabh√§ngig vom Aussehen einer im gleichen Raum befindlichen Frau steigt der Testosteronspiegel von M√§nnern innerhalb von 300 Sekunden um 8% an ([1],[2])
  • Die H√§ufigkeit weiblicher Orgasmen steigt mit dem Einkommen ihrer Partner” – Sex mit wohlhabenden oder m√§chtigen M√§nnern wird von Frauen wom√∂glich als besser erlebt, weil sie sich damit einen Zugang zu Reichtum und Macht verschaffen und diesen erhalten wollen (Quellen: [1], [2], [3])
    Nachtrag 04/2010: Hierzu existiert allerdings nun eine andere Ergebnisse zeigende Gegenstudie.
  • Je attraktiver sich Frauen finden, desto h√∂here Anspr√ľche stellen sie an ihren Sexualpartner” – bei M√§nnern gibt es diese Korrelation nicht, was hei√üen k√∂nnte, da√ü sie weniger w√§hlerisch oder auch weniger geneigt sind, dauerhafte Beziehungen zur Reproduktion einzugehen (Quellen: [1], [2])
  • (indirekter) “Zusammenhang zwischen Stimme und sexueller Aktivit√§t” – Probanden mit als attraktiv empfundener Stimme hatten an ihren beiden H√§nden ungef√§hr gleich lange Finger (Hinweis auf Zusammenhang mit Attraktivit√§t durch Symmetrie, siehe oben), eher in j√ľngerem Alter Geschlechtsverkehr, mehr Sexualpartner und mehr au√üerpartnerschaftliche Aff√§ren (Quellen: [1], [2])
  • Frauen reagieren unterschiedlich auf m√§nnlichen Schwei√ügeruch.” – ihr Hirn kann normalen von unter sexueller Erregung entstandenen Schwei√ügeruch von M√§nnern unterscheiden (Quelle)
  • Frauentr√§nen wirken “abt√∂rnend” auf M√§nner, sie reduzieren den Testosteronspiegel. Quelle: Shani Gelstein et.al, “Human tears contain a chemosignal” in: Science 01/2011, DOI: 10.1126/science.1198331)
  • Z√§hlt “die Gr√∂√üe”? Ja.” – Befragungen, denen zufolge die Penisgr√∂√üe f√ľr Frauen keine Rolle spiele, waren angeblich h√§ufig “zu direkt”; beurteilen Frauen dagegen ohne Wissen um den eigentlichen Inhalt der Befragung Computer-generierte Gestalten, bei denen sich u.a. die Penisgr√∂√üen unterscheiden, werden jene mit gr√∂√üerem Penis als mehr attraktiv eingestuft (Quellen: [1], [2])

Familie / Kinder / Fertilität (Fruchtbarkeit)

  • Korrelation zwischen Wohlstand und Reproduktionserfolg“: bei reichen britischen M√§nnern wurde in einer Studie h√∂herer Reproduktionserfolg nachgewiesen, bei Frauen sinkt mit zunehmender Bildung und zunehmenden Einkommen die Zahl der Kinder (Quelle)

Dieser Artikel wird laufend erweitert und mit neuen Forschungsergebnissen ergänzt (Erstveröffentlichung: 01/2009; zuletzt aktualisiert: 04/2016)

Weiterer Artikel zum Thema “Partnersuche”:
Partnersuche ‚Äď wie der Ausbruch aus dem Teufelskreis gelingen kann

Jan 15

Ein Test, der auf Kriterien und Anzeichen f√ľr die folgenden Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen pr√ľft, wurde von mir nun auch auf meiner deutschsprachigen Website online gestellt:

  • Psychopathie / Antisoziale Pers√∂nlichkeitsst√∂rung
  • Narzissistische Pers√∂nlichkeitsst√∂rung
  • Histrionische Pers√∂nlichkeitsst√∂rung

Sogar bei manchen Fachleuten besteht Verwirrung √ľber die genauen Unterschiede und Bedeutungen zwischen Psychopathie (“antisozialer Pers√∂nlichkeitsst√∂rung”), Soziopathie, Narzissmus und histrionischer Pers√∂nlichkeitsst√∂rung – und mehr noch gerade bei jenen Personen, die Probleme in ihren Beziehungen zu anderen wahrnehmen und Orientierung ben√∂tigen w√ľrden, um dem Ursprung dieser Probleme auf den Grund zu gehen. Dieser Selbsttest versucht dabei zu helfen, indem auf typische Symptome und Wesensz√ľge jeder einzelne der genannten St√∂rungen gepr√ľft und dann eine separate Auswertung zur Verf√ľgung gestellt wird.

http://www.psychotherapiepraxis.at/surveys/test_psychopathie.phtml

Um so zuverl√§ssige Resultate zu erm√∂glichen wie m√∂glich, kombiniert dieser Selbsttest Screening-Methoden, die auf der Hare Psychopathie-Checkliste (welche in der klinischen Forschung und Praxis angewendet wird, um Psychopathie festzustellen) mit klinischen Markern f√ľr narzisstische Pers√∂nlichkeiten und histrionische Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen, basierend auf den Diagnoseschemata DSM-IV and ICD-10. Der Test hat daher ein vergleichsweise hohes Potential, verl√§√üliche Resultate sogar √ľber das Internet zu erzielen. Es mu√ü jedoch korrekterweise darauf hingewiesen werden, dass die Qualit√§t der Testergebnisse geringer ausfallen kann, wenn die Fragen unehrlich beantwortet werden oder die betreffende Person unter verzerrter Wahrnehmung leidet – gerade diese beiden Pers√∂nlichkeitsfaktoren jedoch sind potenzielle Z√ľge von Menschen mit diversen Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen. Im Unterschied zu den meisten anderen Tests auf meiner Website kann es also sinnvoll sein, sich die Antworten genau zu √ľberlegen und sie ggf. sogar im Beisein des Partners oder eines nahestehenden Vertrauten durchzuf√ľhren.

(Image source: 2.bp.blogspot.com)

Nov 06

Hatten Sie k√ľrzlich mit jemandem Kontakt, der v√∂llig die Kontrolle √ľber sich verlor?

Bei Kindern und Jugendlichen werden Verhaltensmuster, die die sozialen Normen oder die Grenzen der anderen verletzen, als “Verhaltensst√∂rungen” bezeichnet. Ich halte diese Begriffswahl an sich f√ľr problematisch, denn denn wer d√ľrfte sich schon anma√üen, “korrektes” Verhalten zu definieren? In der Fachwelt jedoch werden unter diesem Begriff konkret Aggressivit√§t, Bullying, L√ľgen, grausames Verhalten anderen Menschen oder Tieren gegen√ľber, destruktives Verhalten, Vandalismus und Diebstahl verstanden – und das gibt dann vermutlich doch einen ganz guten Eindruck dar√ľber, was gemeint ist.

Die betreffenden Minderj√§hrigen kommen meist aus problematischen Verh√§ltnissen, haben Mi√übrauchs-, Gewalterfahrungen oder einen Elternteil mit einem Suchtproblem. Werden ihre damit verbundenen Probleme nicht gel√∂st, k√∂nnen sich bei ihnen Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen entwickeln, wie die sogenannte “antisoziale Pers√∂nlichkeitsst√∂rung”, bipolare St√∂rungen oder Psychopathie. Diesen ist gemein, dass sie das Risiko f√ľr eigene oder fremde k√∂rperliche Verletzungen, Depressionen, Suchtverhalten, Gef√§ngnisstrafen, Mord oder Suizid stark erh√∂hen, unter anderem deshalb, weil die Betroffenen Konflikten nicht aus dem Weg gehen und h√§ufig auch vor dem Einsatz von Waffen nicht zur√ľckschrecken. H√§ufig besteht auch nur eine geringe Hemmung, andere zu betr√ľgen, zu bestehlen und das Eigentum anderer zu zerst√∂ren. Paradox ist, dass das Verhalten dieser Personen √§u√üerlich zwar sehr bestimmt und selbstbewu√üt wirken mag, sie sich im Grunde aber meist sehr allein, √§ngstlich und hoffnungslos f√ľhlen, was nicht selten zu Alkoholmi√übrauch, Depressionen und anderen Folgeproblemen f√ľhrt.

Am besten kann das Verhalten antisozialer Personen psychologisch erkl√§rt werden. Mediziner suchen nach rein k√∂rperlichen (z.B. genetischen) Erkl√§rungen, lassen dabei aber h√§ufig au√üer Acht, dass f√ľr viele Betroffene ihr aggressives Verhalten zum Selbstschutz und als Ventil f√ľr emotionale Spannungen dient. Diese Spannungen existieren nicht nur in ihnen selbst, sondern entstehen √ľberm√§√üig schnell auch im Kontakt mit anderen. Bei psychopathischen Pers√∂nlichkeitsz√ľgen mangelt es zus√§tzlich an Empathie und Verst√§ndnis f√ľr die Situation der anderen, was die Hemmung f√ľr Aggression und illegale Handlungen noch weiter herabsetzt

Es ist deshalb normalerweise empfehlenswert, offene Konflikte mit aggressiven oder antisozialen Personen zu vermeiden: nicht nur w√ľrden diese Leute im Konfliktfall unf√§hig sein, sich in Ihre pers√∂nliche Situation hineinzuversetzen, sondern auch dazu, den Konflikt auf Gespr√§chsebene zu kl√§ren, geschweige denn, auf konstruktive Weise. Besser ist es, zun√§chst auf Abstand zu gehen, um das Gegen√ľber emotional “abk√ľhlen” zu lassen, und es vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt nochmals zu versuchen.

Die Betroffenen selbst können mit psychologischer Hilfe bzw. Psychotherapie nach einiger Zeit zu deutlich besserer Selbstkontrolle und Lebenszufriedenheit finden.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Bildquelle:willow-park.co.uk)

Feb 24

Was als psychische Krankheit gilt und wie diese Krankheiten von einem angenommenen “Normalzustand” abzugrenzen sind, wird durch die diagnostischen Klassifikationsmanuale ICD (International Classification of Diseases, sie enth√§lt im Abschnitt 5 die Liste der psychischen und Verhaltensst√∂rungen) und DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, eine Klassifikation ausschlie√ülich psychischer und Verhaltensst√∂rungen) definiert. Diese Klassifikationshilfen verf√ľgen aber nicht nur √ľber diese “Definitionsmacht”, sondern haben auch eine enorme Bedeutung in der Gesundheitspolitik, da sie zur Abrechnung psychotherapeutischer und psychiatrischer Leistungen sowie zum Ausstellen von Arbeitsunf√§higkeitsbescheinigungen dienen.
2010 ist nun f√ľr diese beiden Manuale ein wichtiges Jahr: f√ľr neue Versionen beider Klassifikationssysteme werden heuer die ersten Entw√ľrfe zur Ver√∂ffentlichung freigegeben, die endg√ľltigen Fassungen werden dann f√ľr beide zwischen 2013 und 2015 erwartet.

Soeben wurden nun Details der Vorschl√§ge f√ľr den neuen DSM-V ver√∂ffentlicht. Im DSM der American Psychiatric Association (APA) legen die in der Vereinigung vertretenen (vor allem nord-) amerikanischen Psychiater seit dem Jahre 1952 fest, was in ihrem Fachgebiet als Erkrankung anzusehen ist und wie die Diagnosen erstellt werden m√ľssen. Im Jahr 1994 erschien die vierte und zurzeit aktuelle Auflage (DSM-IV), deren Text 2000 noch einmal √ľberarbeitet wurde (DSM-IV-TR).
Was √ľber die geplanten Neuerungen des DSM-V derzeit bekannt ist sowie diverse organisatorische Prozesse rund um den Neuentwurf sorgen schon jetzt f√ľr heftige Kontroversen in den Expertenkreisen. Der US-Psychiater Robert Spitzer, einer der “V√§ter” des 1980 erschienenen DSM-III, kritisiert, da√ü die “echten” Verhandlungen rund um die Inhalte hinter verschlossenen T√ľren stattfinden, selbst ihm habe man einschl√§gige Ausk√ľnfte verwehrt. Sein Nachfolger f√ľr das DSM-IV, Allen Frances, pflichtete dieser Kritik laut einer Meldung in der letzten Ausgabe des Wissenschafts-Magazins Science nun bei. Au√üerdem wurde kritisiert, dass Forscher mit finanziellen Verbindungen zur Pharmaindustrie wesentlich an Erstellung der neuen Ausgabe beteiligt sind.

“Befl√ľgelt durch den enormen wissenschaftlichen Fortschritt der letzten 20 Jahre hofften viele Psychiater auf eine Verbesserung der Diagnosekriterien durch neurowissenschaftliche und genetische Funde. In einem wichtigen Positionspapier aus dem Jahr 2007 hat der Psychiater Steven Hyman von der Harvard Universit√§t, der auch an der Leitung des DSM-V beteiligt ist, noch die gro√üe Bedeutung solcher Diagnosem√∂glichkeiten hervorgehoben. Wie Science jetzt berichtet, h√§tten sich diese Erwartungen aber nicht erf√ľllt. Bisher habe man noch keine biologischen Merkmale gefunden, mit deren Hilfe sich psychiatrische Erkrankungen zuverl√§ssig feststellen lie√üen. Biologische Befunde fallen stattdessen zusammen mit zehn anderen Bereichen, darunter Umweltfaktoren, Pers√∂nlichkeitsz√ľge und die Reaktion auf Therapien, in eine allgemeine Liste von Empfehlungen, an denen sich die Arbeitsgruppen orientieren sollten.” (tp)

Eine wesentliche √Ąnderung der kommenden Fassung besteht darin, dass mit der vorherrschenden Alles-oder-nichts-Mentalit√§t der Symptome gebrochen wird. Hatte ein Patient beispielsweise f√ľnf von neun Symptomen einer Depression nach DSM-IV-TR, dann galt er als depressiv; waren es hingegen nur vier, dann nicht. In Zukunft sollen diese strengeren Kriterien durch Skalen ersetzt werden, die zum Ausdruck bringen sollen, wie stark bestimmte Symptome ausgepr√§gt sind. Solcherart soll dem h√§ufigen Umstand besser gerecht werden, da√ü viele Patienten nicht nur an einer einzelnen St√∂rung leiden, sondern an mehreren zur gleichen Zeit.

“Kritisch k√∂nnte man aber fragen, ob ein Patient dann in Zukunft 60 Prozent depressiv, 30 Prozent angstgest√∂rt und 10 Prozent schizophren sein kann und was das bedeutet? Der neue Ansatz k√∂nnte auch dazu f√ľhren, dass die Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit weiter verschwimmt. Wenn der Schwellenwert f√ľr eine klinische Diagnose nicht erreicht wird, ist man dann nicht immerhin “etwas” depressiv? Und reicht das dann schon f√ľr eine Behandlung oder nicht? Die dimensionale Vorgehensweise erlaubt den √Ąrzten und Psychotherapeuten in Zukunft also mehr Spielraum, l√∂st aber wahrscheinlich nicht die Abgrenzungsprobleme zwischen verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen untereinander oder Gesundheit und Krankheit im Allgemeinen.” (tp)

Dar√ľber hinaus werden auch eine Reihe neuer Krankheitsdefinitionen eingef√ľhrt, die ebenfalls f√ľr Diskussionsstoff sorgen d√ľrften: Ein “psychosis risk syndrome” (etwa: Psychoserisiko-Syndrom) soll Jugendlichen gerecht werden, die fr√ľhe Warnsignale von Psychosen wie z.B. Wahnvorstellungen, Halluzinationen oder desorganisierte Sprache aufweisen. Kritiker warnen, das k√∂nne zu einer verfr√ľhten Behandlung junger Menschen mit starken Psychopharmaka und zu einer vielleicht unn√∂tigen Stigmatisierung f√ľhren, Bef√ľrworter dagegen meinen, diesen Menschen damit fr√ľher helfen zu k√∂nenn.
“Hypersexual disorder” (Hypersexualit√§tsst√∂rung) ist f√ľr Menschen gedacht, die unter wiederkehrenden sexuellen Fantasien, Trieben und Verhaltensweisen leiden. Entgegen den W√ľnschen Transsexueller d√ľrfte es auch weiterhin eine “gender identity disorder” (Geschlechtsidentit√§tsst√∂rung) geben.

Statt der bisher zw√∂lf wird es im DSM-V wahrscheinlich nur noch f√ľnf Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen geben, n√§mlich eine Borderline, schizotypische, vermeidende, zwangs-obsessive und antisozial/psychopatische St√∂rung. Damit w√ľrde auch das fr√ľher im DSM vermiedene und gerade im Deutschen aufgrund seiner Missbrauchsgeschichte problematische Wort “psychopathisch” Einzug ins Regelwerk halten. Insbesondere f√ľr Kinder und Jugendliche ist die “temper dysregulation disorder with dysphoria” (etwa mit “Gef√ľhlsregulationsst√∂rung mit schlechter Stimmung” zu √ľbersetzen) gedacht, die durch ein Wechselspiel ernsthafter Gef√ľhlsausbr√ľche und negativer Stimmungszust√§nde charakterisiert ist.

Im Einklang mit einer inzwischen breit akzeptierten Redeweise soll k√ľnftig von den “St√∂rungen des Autismusspektrums” gesprochen werden, anstatt von “der” autistischen Erkrankung. Allerdings w√ľrde damit auch die Diagnose des Asperger-Syndroms wegfallen, zu dessen Untermauerung es an wissenschaftlichen Belegen fehle. Oft wird Asperger f√ľr eine leichte Form von Autismus gehalten.

Bei den Suchterkrankungen hat durchweg eine Ver√§nderung des Sprachgebrauchs stattgefunden. Die Redeweise von Missbrauch oder Abh√§ngigkeit wurde vollst√§ndig durch diejenige von St√∂rungen ersetzt. So ist nun beispielsweise von einer “alcohol-use disorder” (Alkoholkonsumst√∂rung) anstatt von “alcohol abuse” (Alkoholmissbrauch) oder “dependence” (Alkoholabh√§ngigkeit) die Rede. Auch auf der allgemeinen Ebene spricht man nicht mehr von Suchterkrankungen oder Abh√§ngigkeit, sondern von substanzbezogenen St√∂rungen als Oberbegriff. In diese Kategorie will man auch “gambling disorder” (Spielsucht) aufnehmen, neben dem es auch noch das “pathologic gambling” (krankhafte Spielen) geben soll, welches zur Zeit noch in die Kategorie der nicht anderweitig klassifizierten Impulskontrollst√∂rungen f√§llt. Ein Pendant f√ľr Internetsucht wurde zwar diskutiert, man m√∂chte diese aber erst dann ins DSM-V aufnehmen, wenn gen√ľgend Forschungsdaten vorliegen.

“Eine Fokussierung auf Gehirn und Genom, die momentan f√ľr viele Forschungsprojekte den Ton angibt, k√∂nnte alternative L√∂sungsm√∂glichkeiten ins Abseits dr√§ngen. Der in den vergangenen Jahren rasante Anstieg von Depressionen, Angst- und Aufmerksamkeitsst√∂rungen d√ľrfte jedenfalls nicht nur Naturwissenschaftlern, sondern auch Sozial- und Geisteswissenschaftlern einige R√§tsel aufgeben, die wahrscheinlich auch nicht durch das DSM-V gel√∂st werden.” (tp)

(Quellen und Ausz√ľge aus: tp, Science 02/2010)

11.10.17