Jan 31
Luftverschmutzung und Wasserverschmutzung als Grund f√ľr Depression?

Luftverschmutzung und Wasserverschmutzung als Grund f√ľr Depression?

Einer Ende 2019 erschienenen Studie von Khan/Plana-Ripoll/Antonsen/Brandt et.al. zufolge welche im wissenschaftlichen Journal PLOS publiziert wurde, ist Umweltverschmutzung – konkret schlechte Luft- und Wasserqualit√§t – mit einem erh√∂hten Auftreten von Depression und bipolaren St√∂rungen “signifikant assoziiert”. Damit wird die Annahme in den Raum gestellt, dass Umweltverschmutzung zu spezifischen pychischen St√∂rungen f√ľhren kann.

Die Studie wurde mit gro√üen Datensets durchgef√ľhrt: die Erkrankungsdaten von 151 Millionen Einwohnern auf der Basis von Versicherungsanspr√ľchen in den USA, und von 1,5 Millionen Einwohnern aus dem D√§nischen Patientenregister wurden herangezogen. Die Umweltverschmutzung wurde anhand der Environmental Protection Agency (EPA) environmental quality indices (EQIs) der US-Bundesstaaten und den individuellen Werten der Luftverschmutzung in D√§nemark bemessen.

Als m√∂gliche Gr√ľnde f√ľr die Korrelation (und vermuteten Zusammenh√§nge) wurden Neologismen und/oder noch wenig erforschte Ph√§nomene wie “neuroinflammation”, “Excitotoxizit√§t” oder “oxidativer Stress” herangezogen. Aus wissenschaftlicher Sicht stellt dies insofern ein Problem dar, als dadurch die Zusammenh√§nge nicht direkt und kausalistisch √ľberpr√ľft werden k√∂nnen, sondern zwischen einer Mutma√üung und sichtbaren Ver√§nderungen Vorg√§nge in einer “black box” bem√ľht werden m√ľssen, um eine bestimmte theoretische Annahme zu argumentieren. In gewisser Weise √§hnelt dieser Ansatz der Grundhaltung: “In der Hand von Uri Geller, welcher m√∂glicherweise √ľber telekinetische Kr√§fte verf√ľgt, verbog sich ohne sichtbare Krafteinwirkung eine Gabel” -> durch mir bekannte M√∂glichkeiten nicht zu erkl√§ren -> ist dann vermutlich “Telekinese”. Zudem existieren auch in der Wissenschaft immer wieder Trends – mitunter bedingt durch Fortschritte in gewissen Bereichen, die dann neue Sichtweisen er√∂ffnen, h√§ufig sind diese Trends aber auch durch gesellschaftliche Trends beeinflu√üt: war es fr√ľher die Genetik, so sind derzeit gender-bezogene Schwerpunkte und Umweltverschmutzung /Klimaver√§nderung sehr ‘en vogue’ in der Forschung, und sie erhalten h√§ufig auch eher Forschungsgeld zugesprochen als andere.

Wie sonst aber ließen sich die gefundenen Korrelationen erklären?

“Fooled by randomness”, so k√∂nnte man die Studienergebnisse ebensogut interpretieren. Als m√∂gliche Erkl√§rung der Korrelation w√§re die Hypothese, dass die Korrelation zwischen psychischen Erkrankungen und der Luftqualit√§t durch soziodemographische Faktoren besteht, aus meiner bescheidenen Sicht wesentlich besser argumentierbar als in seiner Auswirkung auf die Psyche (!) in keiner Weise n√§her erkl√§rter “oxidativer Stress”. So k√∂nnte man beispielsweise davon ausgehen, dass es eher das Leben in einer Industrieregion und die damit verbundene wirtschaftliche und allgemeine emotionale Situation der Einwohner es ist, die diese depressiv macht, als die Qualit√§t der Luft. Ja man k√∂nnte noch weitergehen und vermuten, dass es sich sowohl bei den psychischen Erkrankungen, als auch bei der Luftqualit√§t um Symptome √§hnlicher Ursachen handelt…

Ich m√∂chte mit diesem kurzen Impulsartikel wohlgemerkt keineswegs ausschlie√üen, dass die hergestellten Zusammenh√§nge korrekt sind, oder sich eine bessere Luftqualit√§t nicht auch auf die allgemeine Befindlichkeit auswirken kann – selbstverst√§ndlich tut sie das. Sehr vorsichtig allerdings sollte man damit sein, vorschnell Zusammenh√§nge herzustellen, wo nicht unbedingt welche bestehen m√ľssen – wom√∂glich sogar, um plakative Medieneffekte zu erzielen, weitere Forschungsgelder zu lukrieren oder “Ergebnisse” pr√§sentieren zu k√∂nnen, f√ľr die wenig substanzielle Evidenz vorliegt.

Jan 25
Fasten könnte mitunter eine Alternative zu Psychopharmaka darstellen. (Foto: Fotolia)

Fasten hat sehr h√§ufig einen l√§ngerfristigen Effekt von Stimmungsaufhellung, Verbesserung des Selbstwertgef√ľhls und mitunter sogar Gef√ľhlen von Euphorie. Diese k√∂nnen bei leichten Formen von Depression, aber auch schwereren Formen positiv unterst√ľtzen. Bei schwereren Depressionserkrankungen k√∂nnte Fasten mitunter die zus√§tzliche Einnahme von Psychopharmaka neben einer Psychotherapie unn√∂tig machen oder erlauben, deren Dosis zu reduzieren. Dies sind m√∂gliche Schlu√üfolgerungen aus einer bereits im Jahr 2013 im Journal Elesier ver√∂ffentlichten Studie von Guillaume Fond et.al.

Diese Studie steht in ihren Ergebnissen im Einklang mit einigen anderen mit √§hnlichen Fragestellungen. In einer Studie von Teng (2011) brachte eine Kalorienreduktion von 300-500 kcal/Tag “signifikante Zunahme von Energie”, Tavakkoli (2008) zufolge brachte Intervall-Fasten w√§hrend des Ramadans eine signifikante Reduktion von Angst-Scores, nach Kanazawa (2006) brachte 10-t√§giges Fasten signifikante Verbesserungen f√ľr die Problembereiche Anorexie, Angstsymptome und Stimmungsschwankungen, Michalsen (2009) fand signifikante Stimmungsverbesserungen nach 1-w√∂chigem medizinischen Fasten per Kalorienreduktion, Faaroq nach Intervallfasten signifikante Reduktion der Scores von “Manie” (YMRS) und Depression (HDRS).

F√ľr Depressionspatienten wie auch deren Psychotherapeuten und Psychiater w√§re es somit definitiv empfehlenswert, di√§tetische Erg√§nzungen zum Therapieprogramm anzudenken – ja es ist aus meiner Sicht sogar verwunderlich, dass diese nicht bereits zum therapeutischen Standard beim erweiterten St√∂rungskomplex Affektiver St√∂rungen sowie durchaus auch des neurotischen und somatoformen St√∂rungskreises geh√∂ren. Hier k√∂nnen und sollen durchaus auch Mediziner und/oder Ern√§hrungsberater (etwa zur Einstellung einer pers√∂nlich passenden Fasten-Variante sowie medizinischer Begleitung, wenn erforderlich) beigezogen werden.

So k√∂nnten neben den positiven k√∂rperlichen Effekten des Fastens vermehrt auch die offenbar sehr h√§ufigen psychischen positiven Effekte gezielter gen√ľtzt, und die f√ľr den Stoffwechsel h√§ufig belastende Nutzung von Psychopharmaka dagegen teils signifikant reduziert (oder sogar unn√∂tig) werden.

Jun 25

(image src: indiatimes.com)

Laut einer Meta-Analyse einschl√§giger US-Studien aus dem Zeitraum von 1987-2013 durch Forscher der Z√ľrcher Hochschule f√ľr Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Universit√§tsklinik f√ľr Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Salzburg steigt das Suizidrisiko unter der Anwendung von Antidepressiva verglichen mit einer von Scheinmedikamenten (Placebos) um den Faktor 2,5.

In allen analysierten Studien begingen 0,8 Prozent der Patienten, die ein Antidepressivum erhielten, Suizid oder einen Suizidversuch, w√§hrend es in der Kontrollgruppe mit Placebo lediglich 0,3 Prozent waren. Die Verl√§√ülichkeit der Datenerhebung ist hoch, da es sich bei den Studien um sogenannte “Doppelblindstudien” handelte, bei denen weder die √Ąrzte, noch die Patienten wu√üten, wer Antidepressiva und wer Placebos erhielt.



Eine Konsequenz aus der Untersuchung sollte sein, noch mehr Vorsicht beim (w√§hrend der letzten Jahre massiv angestiegenen) Verschreiben von Antidepressiva – insbesondere durch Haus√§rzte – walten zu lassen. Nicht selten seien nicht einmal alle Dignoasekriterien f√ľr Depressionen oder Angst√∂rungen erf√ľllt, oder es w√§ren nur unspezifische Symptome vorhanden, und Antidepressiva w√ľrden dann “auf Verdacht hin” verschrieben.

Auch sollten PatientInnen noch besser √ľber die Risiken aufgekl√§rt werden. “Gerade zu Beginn der Behandlung, bei abrupten Dosis√§nderungen und beim Absetzen muss man mit einem erh√∂hten Suizidrisiko rechnen”, so einer der Studienautoren. Bei schweren Depressions-Formen jedoch st√ľnde die Behandlung mit Medikamenten au√üer Frage, wichtig sei jedoch eine kontinuierliche und enge √úberwachung. Parallel zur medikament√∂sen Behandlung sollten auch Psychotherapie oder Sport zur Anwendung kommen.

(Quelle: Newer-Generation Antidepressants and Suicide Risk in Randomized Controlled Trials: A Re-Analysis of the FDA Database)

Jun 10
Depression und Demenz-Symptome

Häufig versteckt sich hinter dem Verlust von Merkfähigkeit eine Depression (pic: newscientist.com).

Bei schweren Depressions-Formen können derart starke kognitive Einschränkungen entstehen, dass man in bestimmten Fällen vom Auftreten einer Pseudo-Demenz spricht. Doch im Unterschied zu anderen Demenz-Formen verbessert sich das Erinnerungsvermögen wieder, sobald die depressive Phase abklingt.

Dies wurde k√ľrzlich in einem Computermodell, das in Bochum entwickelt wurde, nachgewiesen. Wie bei echten Patienten wechselten sich auch in dem Computermodell depressive Phasen und Phasen ohne Symptome ab. Das Computermodell konnte Erinnerungen genauer abrufen, wenn der zust√§ndige Teil des Gehirns viele neue Nervenzellen bilden konnte – √§hnlich wie w√§hrend Depressionsphasen mit geringerer Symptomatik. Wurden dagegen weniger neue Nervenzellen gebildet (√§hnlich, wie das bei schwereren Depressionsphasen passiert), war es schwieriger f√ľr das Gehirn, √§hnliche Erinnerungen zu unterscheiden und getrennt abzurufen.

Im Modell wurde auch aufgezeigt, dass es schwer fallen kann, auf Erinnerungen zur√ľckzugreifen, die vor der Depression entstanden waren. Je l√§nger eine depressive Phase andauerte, desto weiter zur√ľckliegende Erinnerungen waren betroffen. Untersuchungsleiter Sen Cheng: “Bisher geht man davon aus, dass nur w√§hrend einer Depression Ged√§chtnisst√∂rungen auftreten. Wenn unser Modell recht hat, h√§tten Depressionen weitreichendere Konsequenzen. Alte Erinnerungen k√∂nnten bleibend gesch√§digt werden, selbst wenn die Depression bereits abgeklungen ist.”

Quellen: Virtual brain gives insights into memory deficits in depression

Jun 10
Schlaganfall und Depression

Nur ein kleiner “Unfall” im Gehirn – aber die Auswirkungen k√∂nnen dramatisch sein (pic: webmd.com).

Schlaganfall-Patienten sind nach dem Hirnschlag meist nicht nur motorisch eingeschr√§nkt, sondern etwa jeder Dritte entwickelt auch eine Depression, die sogenannte Post-Stroke-Depression (PSD) – w√§hrend sonst nur jede f√ľnfte Person an Depression erkrankt. Doch wie kommt es dazu?

Grunds√§tzlich gilt: Menschen, die ein erh√∂htes genetisches oder soziales Risiko haben, an einer Depression zu erkranken, werden auch nach einem Schlaganfall leichter von der psychischen Erkrankung erfa√üt. Die k√∂rperlichen Einschr√§nkungen tun ihren Teil: wenn die Beweglichkeit von Gliedma√üen oder der Gesichtsmuskulatur eingeschr√§nkt ist, Sprachst√∂rungen oder L√§hmungen auftreten, ist dies eine massive Belastung f√ľr die Psyche. Den Betroffenen wird bewu√üt, dass sie Grundfertigkeiten wieder neu erlernen m√ľssen und ihren Job nicht mehr weiter aus√ľben k√∂nnen.

Eine weitere Ursache k√∂nnten Ver√§nderungen im Gehirn darstellen: denn Schlaganf√§lle werden durch Blutgerinnsel ausgel√∂st, die Gef√§√üe im Hirn verschlie√üen. Die mangelhafte Versorgung mit Sauerstoff f√ľhrt zu nachhaltigen Hirnsch√§den, die umso gr√∂√üer sind, je l√§nger die Unterversorgung anh√§lt. Diese Sch√§den k√∂nnen die Aussch√ľttung von Hormonen ver√§ndern und dadurch die Entwicklung einer Depression beg√ľnstigen.



Erste Anzeichen einer Post-Stroke-Depression sind wie bei der Depression Antriebslosigkeit, Schlafst√∂rungen sowie Traurigkeit, die l√§nger als zwei Wochen andauern. “F√ľr das Erkennen der PSD ist es von Vorteil, dass insbesondere schwer betroffene Patienten nach dem Schlaganfall engmaschig betreut werden”, erkl√§rt Franz Fazekas, Neurologe von der Medizinischen Universit√§t Graz: “Gerade w√§hrend der Rehabilitation bekommen √Ąrzte, Pflege und Physiotherapeuten hautnah mit, wie sich die Stimmung der Patienten entwickelt.” Schwieriger wird es, wenn die Depression sp√§ter auftritt, also wenn der Patient die Reha bereits beendet hat und wieder zu Hause ist.

In der Depressions-Therapie Betroffener kommen vor allem dann haupts√§chlich Medikamente zum Einsatz, wenn die mentale Kapazit√§t der Patienten eingeschr√§nkt ist – Psychotherapie kann dann nur beschr√§nkt ihr Potenzial entfalten. Ebenso wichtig sind f√ľr Psychotherapien die Sprachf√§higkeit sowie das Sprachverst√§ndnis.

(Source: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21216670)

Mar 09

Im Sinne der geistigen Gesundheit ist es besser, √∂fters auch mal “nein” zu sagen‚Ķ (pic: andybhatti.com)

Bis zu 39% aller Demenz-Erkrankungen k√∂nnten laut einer k√ľrzlich im Fachmagazin “The Lancet Public Health” ver√∂ffentlichten langj√§hrigen Studie zufolge auf √ľberm√§√üigen Alkoholkonsum zur√ľckzuf√ľhren sein.



F√ľr die Studie wurden die Daten von 57.000 Personen, welche an Hirnsch√§den, vaskul√§rer Demenz und anderen Demenz-Erkrankungsformen (wie z.B. Alzheimer) in franz√∂sischen Spit√§lern ausgewertet. 39% dieser F√§lle lie√üen sich auf alkoholbedingte Hirnsch√§den zur√ľckf√ľhren. 18% litten an weiteren Erkrankungen im Zusammenhang mit Alkohol. So gesehen verdreifache sich das Erkrankungsrisiko, an einer Form von Demenz zu erkranken, durch √ľberm√§√üigen Alkoholkonsum: “H√∂chstwahrscheinlich f√ľhrt Alkohol zu dauerhaften strukturellen und funktionellen Hirnsch√§den”, sagte Studienautor Michael Schwarzinger vom Translational Health Economics Network. Au√üerdem erh√∂ht Alkoholkonsum das Risiko an Bluthochdruck, Diabetes, Schlaganf√§llen, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz zu erkranken, was wiederum das vaskul√§re Demenzrisiko erh√∂ht.

Der Studie zufolge ist das Risiko durch √ľberm√§√üigen Alkoholkonsum f√ľr damit verbundene Hirnsch√§den viel gr√∂√üer als bisher angenommen, Schwarzinger fordert, Alkohol als Hauptrisikofaktor f√ľr alle Arten von Demenz einzustufen. Hinzu kommt, dass starker Alkoholkonsum h√§ufig mit Rauchen, Depressionen und niedrigem Bildungsstand korreliert – all dies sind weitere Risikofaktoren f√ľr Demenz.

Hintergrundwissen: von vorzeitiger Demenz sprechen Mediziner, wenn die Erkrankung vor dem 65 Lebensjahr auftritt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit rund 47 Millionen Menschen an Demenz. Bei 60 bis 70 Prozent handelt es sich demnach um Alzheimer. Von “chronisch starkem Trinken” ist laut WHO die Rede ab dem Konsum von mehr als 60 Gramm reinem Alkohol pro Tag f√ľr M√§nner (= ca. 4-5 Flaschen Bier √° 330ml oder 7 “Achterl”-Gl√§ser Wein √° 100ml pro Tag) und mehr als 40 Gramm pro Tag bei Frauen (= 3 Flaschen Bier oder 4-5 Gl√§ser Wein).

Weiterf√ľhrende Informationen:

Alkohol-Selbsttest auf dieser Website

Literatur-Tipps zum Thema Alkoholismus

(Sources: Contribution of alcohol use disorders to the burden ofdementia in France 2008‚Äď13: a nationwide retrospectivecohort study; Image source: andybhatti.com)

Jul 25
Autismus Schwangerschaft Antidepressiva

Erhöhtes Risiko bei Antidepressiva-Einnahme der Mutter während der Schwangerschaft (Bildquelle: Fotolia)

Schon seit vielen Jahren wird ein Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen (besonders Depressionen) von M√ľttern und der Wahrscheinlichkeit derer Kinder, an Autismus zu erkranken, vermutet. Nun scheint eine im British Medical Journal ver√∂ffentlichte Studie der Universit√§t Bristol diese Vermutung – wenn auch auf andere Weise – zu erh√§rten.

So scheint der Konsum von Antidepressiva w√§hrend der Schwangerschaft zumindest teilweise mit dem sp√§teren Auftreten von Autismus bei Kindern zusammenzuh√§ngen. Kinder, deren M√ľtter w√§hrend der Schwangerschaft zu Antidepressiva greifen, tragen den gefundenen Zahlen zufolge ein h√∂heres Autismus-Risiko als Kinder, deren psychisch erkrankten M√ľtter auf diese medikament√∂se Intervention verzichten. Dieses Risiko ist – dieser Studie zufolge – allerdings nur leicht erh√∂ht.



In der Studie wurden 250.000 zwischen vier und 17 Jahre alte schwedische Kinder und Jugendliche, unter denen sich mehr als 5.000 Menschen mit Autismus befanden, untersucht. Ihre M√ľtter waren entweder psychisch unbelastet oder von Depression betroffen, manche der letzteren nahmen Antidepressiva ein oder verzichteten auf Medikamente. Die Kinder der M√ľtter, welche w√§hrend ihrer Schwangerschaft Antidepressiva einnahmen, waren sp√§ter zu 4,1% von Autismus betroffen, jene von M√ľttern, die keine entsprechenden Medikamente einnahmen, nur zu 2,9%.
Demnach brachten mehr als 95% der M√ľtter, die Antidepressiva einnahmen, keine autistischen Kinder zur Welt.

Bemerkenswert ist allerdings, dass andere Studien mit √§hnlichen Fragestellungen teils deutlich h√∂here Wahrscheinlichkeiten f√ľr Autismus-Entwicklung der Kinder ergaben (bis zu einer Verdopplung des Risikos bei der Einnahme von SSRI’s, selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, w√§hrend des 2. und 3. Trimesters der Schwangerschaft im Zuge einer Studie der Unversit√§t von Montreal 2015 (p=145.000), teils auch gar keinen Zusammenhang fanden (z.B. 2015).

Aus den zur Verf√ľgung stehenden Forschungsergebnissen ist nach Meinung des Autors somit keine generelle Warnung hinsichtlich der Einnahme von Antidepressiva abzuleiten: ist also eine unterst√ľtzende Einnahme von Antidepressiva rechtzufertigen (z.B. bei erheblich belastenden und trotz regelm√§√üiger Psychotherapie nur wenig ver√§nderlichen Depressionsformen), sollte diese durchaus auch w√§hrend der Schwangerschaft fortgesetzt werden – sofern sich die damit verbundene hormonelle Umstellung nicht ohnedies bereits positiv auf die Depression auswirkt!

Dec 17

Hyperhidrose kann eine schwere Belastung f√ľr die Betroffenen darstellen (Bild: dermnetz)

Nach einer Studie in der Dezember-Ausgabe des Journal of the American Academy of Dermatology ist Hyperhidrosis bzw. Hyperhidrose (HH), also das verstärkte Schwitzen, mit einer erhöhten Prävalenz von Angst und Depression verbunden.

Wirklich wahr! Nun, diese Erkenntnis best√§tigt etwas, das in der Psychotherapie der diesbez√ľglichen St√∂rung schon seit jeher die g√§ngige Arbeitshypothese darstellt: das Schwitzen der Hyperhydrose-Betroffenen ist in aller Regel ein Zeichen chronischer (nicht immer bewu√üter) Stress-Spannung. Angst und psychische Spannung aber erzeugen √ľber das sympathische (im Gegensatz zum parasympathischen) System eine erh√∂hte Produktion der Schwei√üdr√ľsen. Die Hyperhidrose-Betroffenen leiden im Alltag oder spezifischen (z.B. sozialen) Situationen also unter erh√∂hten Angst- und Stressgef√ľhlen, h√§ufig leiden die Betroffenen dar√ľber hinaus auch an einer depressiven Symptomatik.

In der Studie untersuchten Dr. R. Bahar von der Universität von British Columbia in Vancouver, Canada, und Kollegen die Prävalenz von Angst und Depression bei Patienten mit oder ohne Hyperhidrose. Insgesamt wurden 2.017 Dermatologie-Patienten mit standardisierten psychologischen Testfragebögen auf Depression und Angst hin getestet.



Das Vorkommen von Angst wurde bei 21.3% und Depressionen bei 27.2% der Hyperhidrose-Patienten vorgefunden, verglichen mit 7.5% und 9.7% bei Patienten ohne Hyperhidrose (beide p<0,001). Positive Korrelationen wurden f√ľr Hyperhydrose-Intensit√§t und Angst- und Depressions-Vorkommen gefunden. In der multivarianten Analyse war die Hyperhidrose-assoziierte Zunahme des Vorkommens von Angstsymptomen und Depression unabh√§ngig von demographischen Faktoren und bereits vorhandenen Hauterkrankungen.

“Sowohl einzelvariante als auch multivariable Analysen zeigten eine signifikante Assoziation zwischen Hyperhidrose und dem Vorliegen von Angst- und Depressionssymptomen je nach Intensit√§t der Hyperhidrose-Symptomatik”, schreiben die Autoren.

Quelle: Prevalence of anxiety and depression in patients with or without hyperhidrosis (HH) in: Journal of the American Academy of Dermatology , Volume 75 , Issue 6 , 1126 – 1130

Jan 05

Was ist der Unterschied zwischen dem St√∂rungsbild der Depression und “schlechter Stimmung” bzw. “Traurigkeit”? Diese h√§ufig gestellte Frage ist mitunter schwierig zu beantworten, und tats√§chlich kann es alles andere als einfach sein, zu unterscheiden, ob es sich bei verschiedenen Zeichen von Niedergeschlagenheit oder etwa auch k√∂rperlichen Symptomen nicht tats√§chlich im Grunde um eine Depression handeln k√∂nnte.

Um diesbez√ľglich etwas Licht ins Dunkel zu bringen (vielleicht sogar in metaphorischem Sinne), m√∂chte ich Sie einladen, den auf meiner Website verf√ľgbaren Online-Test auf Depression durchzuf√ľhren, oder sehen Sie sich das untenstehende kurze Video mit ersten Informationen zu dieser Thematik an. Gerne k√∂nnen Sie weiter unten auch Ihre Erfahrungen und Beobachtungen anbringen – vielleicht k√∂nnen diese anderen weiterhelfen, die sich selbst √§hnliche Fragen stellen.

Hier bei dieser Gelegenheit noch ein sch√∂ner √úberblick √ľber den aktuellen Forschungsstand zur Depression und verf√ľgbaren Therapie-Ans√§tzen:

Sep 27

(Image: dw.com)

Der Flugzeugabsturz am 24. M√§rz 2015 hat die Welt√∂ffentlichkeit schockiert – denn er wurde durch den Piloten, der sich (wie sich nachher herausstellte) aufgrund von schweren Depressionen in √§rztlicher Behandlung befand, gezielt herbeigef√ľhrt. 150 Menschen kamen dabei ums Leben.

Wie sich nun herausstellt, k√∂nnte der Grund f√ľr den psychischen Ausnahmezustand, in dem sich der Pilot befand, in seiner Nutzung von Antidepressiva gelegen haben. Bestimmte Arzneimittelgruppen, insbesondere jene der sogenannten SSRI’s (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), Antidepressiva wie Prozac und Paxil, Antipsychotika, Benzodiazepine wie Valium, Anti-Raucher- und Anti-Asthma-Medikamente, Antihistaminika oder auch solche mit stimulierender Wirkung wie Ritalin k√∂nnen nachweislich Suizide oder T√∂tungsdelikte ausl√∂sen. Sie sind auf der Website des Psychiaters aufgelistet (siehe untenstehender Link).

Das Risiko daf√ľr, dass es zu derart massiven Handlungen kommt, ist grunds√§tzlich gering – sollte aber auch nicht v√∂llig negiert werden. Und es unterstreicht, wie wichtig die erg√§nzende psychotherapeutische Begleitung von Menschen, die etwa unter Depressionen oder Angstst√∂rungen leiden, ist: nicht nur werden durch sie wichtige Bew√§ltigungsstrategien erlernt, nebenbei entsteht durch das Vertrauensverh√§ltnis Klient/in – Therapeut/in auch eine Verbindung, die schwierigste Phasen √ľberwinden helfen kann, sowie eine Eingriffsm√∂glichkeit der Therapeuten, wenn diese merken, dass ihre Klienten etwa in ein pr√§suizidales Syndrom abgleiten.

Zum Weiterlesen:

ÔĽŅ31.01.20