Oct 20

Ein gefundenes Fressen f√ľr die Medien war die k√ľrzliche Freigabe von Flibanserin (vertrieben als “Addyi”) in den USA, ein neu entwickeltes Medikament, das die Lust von Frauen auf Sex steigern soll. Im Unterschied zu Viagra wirkt Flibanserin allerdings weniger auf k√∂rperlicher, sondern vielmehr auf neurologischer Ebene: eigentlich handelt es sich bei dem Medikament um ein Antidepressivum, das den Serotonin-Spiegel (welcher lusthemmend wirkt) absenkt, und die Konzentration der Gl√ľckshormone Dopamin und Noradrenalin anhebt (was sich libidosteigernd auswirken kann). Insofern ist auch der ‘modus operandi’ der Einnahme wie bei AD’s: die Pille mu√ü t√§glich eingenommen werden, egal, ob Sex geplant ist oder nicht. Und frau mu√ü mit Nebenwirkungen rechnen, wie sie auch bei der Einnahme von Antidepressiva auftreten k√∂nnen, etwa Schlafst√∂rungen, Schwindel, √úbelkeit, Schl√§frigkeit, Angstsymptomen. Gef√§hrlich soll die Einnahme gar in Verbindung mit Alkoholkonsum sein – was gerade bei einem solchen Arzneimittel einigerma√üen ironisch anmutet.

Zugelassen wurde das Mittel f√ľr Frauen vor der Menopause, welche an einem Mangel an sexuellem Verlangen leiden. Hief√ľr wurden, wohl aus Marketing-Gr√ľnden, sogar zwei neue Krankheitsbegriffe geschaffen: “Hypoactive Sexual Desire Disorder” (HSDD) und “Female Sexual Dysfunction” (FSD) und prompt Studien pr√§sentiert, denen zufolge bis zu 25% der Frauen an dieser “St√∂rung” leiden sollen. All dies, obwohl ja Libidomangel bereits sowohl im Diagnoseverzeichnis ICD-10 als auch dem DSM definiert ist. Laut der zulassenden FDA soll das Medikament nur verschrieben werden, wenn der Lustmangel nicht durch die aktuellen Lebensumst√§nde bedingt ist, also z.B. durch Schwangerschaft, Stillphase, Krankheiten, Medikamenteneinnahme oder Probleme in der Partnerschaft. Man braucht jedoch kein gro√üer Skeptiker zu sein, um zu bezweifeln, dass besonders in der USA die wenigsten √Ąrzte z√∂gern werden, ihren Patientinnen Antidepressiva dieser speziellen Art zu verschreiben.

Die konkrete Wirkung des Medikaments ist fragw√ľrdig: im Vergleich mit Placebos hatten Frauen, die Flibanserin/Addyi einnahmen, gerade einmal 1/2-1x h√§ufiger Sex.

Insofern wirft die Freigabe des Arzneimittels unweigerlich Fragen auf: mu√ü denn in einer funktionierenden Partnerschaft tats√§chlich ein Partner Medikamente einnehmen, nur weil beide unterschiedlich oft Lust versp√ľren? Und wenn es denn schon sein mu√ü, warum gerade mit einem Medikament behandeln, das offenbar nicht nur kaum wirkt, sondern auch die bescheidene Wirksamkeit mit dem Risiko signifikanter Nebenwirkungen erkauft?

Tats√§chlich wies nun eine neue an der MedUni Wien durchgef√ľhrte Studie nach, dass Placebos sich als zumindest ebenso wirksam f√ľr die sexuelle Libido der Frau erweisen wie beide aktuell verf√ľgbaren “Behandlungsmethoden” mittels Flibanserin oder Oxytocin. Die Studienleiterin, M. Bayerle-Edereine, erkl√§rt sich dies mit der intensiveren und offeneren Kommunikation der Paare als Begleiterscheinung der Studie, und sagt zudem: “Sexuelle Probleme sind h√§ufiger durch laufenden Stress verursacht als durch M√§ngel im weiblichen Hormonhaushalt.” Auch wenn das eine das andere nicht ausschlie√üt, und auch hormonelle St√∂rungen durchaus stre√übedingt sein k√∂nnen, kann ich aus der Arbeit mit Paaren dennoch best√§tigen, dass das Grundelement erfolgreicher Sexualtherapie zun√§chst in der Beseitigung der H√ľrden zu einer erf√ľllenden Sexualit√§t besteht. Insofern sind zun√§chst einmal m√∂gliche Ursachen zu erkunden und zu behandeln, statt gleich zu den erstbesten Medikamenten zu greifen, die versprechen, die Probleme auf “technische” Weise zu beseitigen.

Weiterf√ľhrende Artikel zum Thema:
Moynihan, Ray: “The making of a disease: female sexual dysfunction“, BMJ 2003; 326:45 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.326.7379.45, 2003
Moynihan, Ray: “Merging of marketing and medical science: female sexual dysfunction“, BMJ 2010; 341:c5050 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.c5050, 2010
Dana A. Muin et al.: “Effect of long-term intranasal oxytocin on sexual dysfunction in premenopausal and postmenopausal women: a randomized trial”, in: Fertility and Sterility (2015). DOI: 10.1016/j.fertnstert.2015.06.010
Image source: http://www.yypharm.com/

Nov 05

Sexuelle Lustlosigkeit belasted zumeist beide Beziehungspartner stark. (photo source: doesitreallywork.org)

“Sind Sexualprobleme bei Frauen eher psychischer oder k√∂rperlicher Natur? Welche Faktoren spielen da mit?”

Man ist in diesem Bereich auf Sch√§tzungen angewiesen, da zu diesem Thema sehr unterschiedliche Studien existieren. Manche Studien behaupten bis zu 80% k√∂rperliche (i.d.R. stoffwechselbedingte / hormonelle) Ursachen, andere vermuten mehr als 70% psychische Gr√ľnde f√ľr sexuelle Lustlosigkeit bei Frauen. Das Problem f√ľr die Betroffenen: sie k√∂nnen sich gewissermassen “aussuchen”, welchen Theorien sie Glauben schenken und sind am Ende so schlau wie zuvor… Seri√∂se √Ąrzte oder Therapeuten werden deshalb – letztlich auch, beide Ans√§tze respektierend – beide Erkl√§rungsmodelle pr√ľfen.

Besonders im Fall lang anhaltender und emotional unerkl√§rlicher sexueller Lustlosigkeit ist somit zun√§chst eine √§rztliche Abkl√§rung empfehlenswert, um k√∂rperliche Ursachen wie etwa St√∂rungen des Hormonspiegels, Stoffwechselerkrankungen u.dgl. auszuschliessen. Werden dabei keine eindeutigen Hinweise gefunden, d√ľrften zumindest psychische Mit-Ursachen vorliegen – von denen aber gibt es viele, die in Frage kommen. Bei Frauen unterscheiden sich diese meinen Erfahrungen in der Sexualberatung zufolge √ľbrigens bemerkenswerterweise gar nicht so sehr von jenen, die auch bei M√§nnern zu sexuellen Problemen f√ľhren k√∂nnen: etwa Probleme in der Partnerschaft, sexueller¬†Leistungsdruck oder Depression, um nur einige davon zu nennen.

“Was gibt es f√ľr Therapiem√∂glichkeiten – psychologisch und medikament√∂s?”

Wenn eindeutige physiologische Ursachen gefunden werden, ist eine medikament√∂se Therapie sinnvoll, etwa die Einnahme von Testosteron bei hormonell bedingtem Libidoverlust. Viele Frauen sind zun√§chst √ľberrascht, wenn sie dies h√∂ren, da Testosteron bekanntlich doch ein “m√§nnliches” Sexualhormon ist. Tats√§chlich aber wird es auch in den weiblichen Eierst√∂cken produziert, wenn auch in weitaus geringeren Mengen als es in den m√§nnlichen Sexualorganen geschieht. Testosteron ist damit sozusagen ein “gender-neutrales” Hormon ūüėČ , das bei beiden Geschlechtern eine wichtige Rolle f√ľr den Sexualtrieb und sexuelle Lust, aber auch wie bei den M√§nnern f√ľr Knochendichte und Muskelbildung spielt. Wichtig ist es mir allerdings, darauf hinzuweisen, dass k√ľnstliche Testosteron-Gaben speziell in h√∂herem Alter indiziert sind, also dann, wenn die k√∂rpereigene Testosteron-Produktion abnimmt. Bis zu den weiblichen Wechseljahren sollten Testosteron-Behandlungen nur in Ausnahmef√§llen erfolgen – denn speziell bei Frauen sind die Langzeitfolgen solcher Gaben noch nicht gut erforscht, bei M√§nnern haben sie sich als risikoreich (etwa durch ein deutlich gesteigertes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken) erwiesen.

Die “Falle”, aber auch die Chance liegt in der Ber√ľcksichtigung der psychischen Komponenten, die ihrerseits ebenfalls die Produktion der Sexualhormone beeinflussen: diese Produktion l√§√üt nach, wenn es uns schlecht geht, und sie nimmt zu, wenn wir gl√ľcklich sind und Lust auf unseren Partner haben. Es gibt eine enge Wechselwirkung zwischen unserem Hormonhaushalt, unserem psychischen Wohlbefinden und der sexuellen Lust. So w√ľrde ich Betroffenen, die an sexueller Lustlosigkeit leiden, als ersten Schritt “daheim” empfehlen, sich zu fragen, ob sie in ihrer Partnerschaft gl√ľcklich sind und aktuell einen entspannten Zugang zur Sexualit√§t haben.
Wenn dies nicht der Fall ist oder auch keine klaren k√∂rperlichen Ursachen identifiziert werden k√∂nnen, w√§re es im Sinne sexueller Zufriedenheit empfehlenswert, sexualtherapeutische Beratung einzuholen. H√§ufig gelingt es meiner Erfahrung nach recht rasch, zumindest den Ursachen der “gebremsten Lust” auf die Spur zu kommen. Wie diese dann zu aufzul√∂sen sind, ist nat√ľrlich von Person zu Person (und mitunter von Paar zu Paar) sehr unterschiedlich.

(Interview mit A. Iiosa / “Die Presse”, Nov 2012)

Jan 05

Photoquelle: thetastingnote.com

Bei ihrer Einf√ľhrung wurde Viagra als neue Hoffnung f√ľr all jene beworben (und prompt gefeiert), die unter Erektionsst√∂rungen litten. Tats√§chlich wurden Belege daf√ľr gefunden, was manche Sexualtherapeuten (unter anderem auch ich) bereits von Beginn an vermuteten: √§hnlich den Effekten bei sog. “Testosteron-Kuren” (k√ľnstlicher Testosteron-Verabreichung) l√§√üt die Wirkung der Potenzpille bei l√§nger dauernder Einnahme zum Teil massiv nach.

Wissenschaftler dreier Universit√§ten in den USA und in Saudiarabien untersuchten, ob die Wirkung von Viagra, Cialis und Levitra auch anh√§lt, wenn das Medikament l√§ngerfristig eingenommen wird und ver√∂ffentlichten die Ergebnisse der Studie im Journal of Urology. Per Telephoninterview wurden 151 Patienten befragt, die im Jahre 1997 Viagra verschrieben bekommen hatten. Die Ursachen f√ľr die Erektionsst√∂rungen der Patienten waren operative Prostataentfernungen, Diabetes, oder neurologische St√∂rungen.

Anfangs verbesserte sich bei drei Viertel der Teilnehmer die Erektionf√§higkeit soweit, dass sie wieder normalen Geschlechtsverkehr haben konnten. Bei 15% dieser Patienten waren dazu 100mg Sildenafil (die maximale f√ľr m√§nnliche Erwachsene angeratene Dosis), notwendig, 83% der Patienten kamen mit 50mg aus und 2% ben√∂tigten nur 25mg.
Nach drei Jahren wurden die Patienten nochmals befragt, und es stellte sich heraus: die neuen Sexfreuden hatten nicht lange angehalten. Etwa die Hälfte der Patienten hatte die Potenzpille wegen Wirkungslosigkeit bereits ganz abgesetzt. Und 37% jener Männer, die noch auf Viagra bauten, waren mittlerweile auf die Maximaldosis umgestiegen.

Die Ern√ľchterung √ľber die angeblichen Wunderkr√§fte der blauen Pille ist in der Fachwelt gro√ü. “Nach meinen Beobachtungen wirkt Viagra nur bei der H√§lfte aller Patienten mit k√∂rperlich bedingten Erektionsst√∂rungen”, erkl√§rt P. Derahshani, Leiter der Urologischen Abteilung der K√∂lner Klinik am Ring. Ein gesundheitlich problematischer Aspekt bestehe darin, dass beim Auftreten von Gew√∂hnungseffekten die Dosis nur bei jenen Patienten gesteigert werden kann, die vorher 25 oder 50mg eingenommen haben, denn eine Dosis √ľber 100mg erh√∂ht das Risiko von Nebenwirkungen wie Kreislaufsschw√§che, √úbelkeit oder Kopfschmerzen betr√§chtlich.

Kein Ersatz f√ľr Psychotherapie bzw. Sexualtherapie

“Man sollte nicht vergessen, dass bei Erektionsproblemen Viagra nur bei solchen M√§nnern indiziert ist, deren Potenzschw√§che k√∂rperliche Ursachen hat”, sagte der Wiener Urologe Werner Reiter von der Impotenz-Ambulanz am Wiener Allgemeinen Krankenhaus in einem Interview mit der “S√ľddeutschen” (SZ). Vor allem bei √§lteren M√§nnern, die viel rauchen und an Bluthochdruck oder Herzerkrankungen leiden, verliere Viagra nach l√§ngerer Einnahme an Wirkung. Bei M√§nnern mit stabilem Gesundheitszustand beobachtet der Spezialist hingegen selten einen Gew√∂hnungseffekt.
“Wenn die Gr√ľnde f√ľr die Impotenz im psychischen Bereich liegen, deckt Viagra im besten Fall anfangs die Impotenz-Symptome zu”, warnt Reiter. Langfristig k√∂nne diesen Patienten nur mit einer Psychotherapie bzw. Sexualtherapie geholfen werden.

Gesundheitsrisiken mitunter fatal unterschätzt

Fatalerweise wird von vielen M√§nnern das Risiko von Selbstmedikation ignoriert. Doch stattliche 40 Prozent der M√§nner, die wegen Erektionsproblemen zum Arzt gehen, leiden an einer Arteriosklerose der Herzkranzgef√§√üe (welche jedoch nicht immer die Ursache der Erektilen Dysfunktion darstellen muss). Impotenz “kann jedoch das Anzeichen einer Erkrankung oder einer beginnenden Erkrankung sein. Symptome aber einfach blind wegbringen zu wollen hat sich weder in der Medizin, noch in der Psychotherapie als gewinnbringend erwiesen”, so Sexualtherapeut Karl F. Stifter. Es gehe darum, den Menschen ganzheitlich im Auge zu behalten, und dazu geh√∂rt auch, bei Erektionsproblemen zun√§chst einmal k√∂rperliche Ursachen und Symptome abzukl√§ren.

Der in den Pillen enhaltene Wirkstoff (Sildenafil bei Viagra, Vardenafil bei Levitra und Tadalafil bei Cialis) f√∂rdert die Entspannung der glatten Muskulatur im Schwellk√∂rper und unterst√ľtzt so die Erektionf√§higkeit. Die Besonderheit ist, dass die Wirkung erst mit einer sexuellen Erregung einsetzt – Erektionsprobleme werden also insbesondere dann nicht von ihr gel√∂st, wenn psychische Ursachen die Erektion behindern.

In geringem Ma√üe beeinflussen die Wirkstoffe auch chemische Reaktionen innerhalb unseres K√∂rpers, die unsere visuellen Empfindungen steuern. Daher geh√∂rt zu ihren Nebenwirkungen auch eine spezielle Form der Sehst√∂rung, bei der man alles leicht blau get√∂nt sieht. Piloten d√ľrfen daher mindestens 12 Stunden vor einem Flug kein Viagra einnehmen. Auf die mittlerweile nachgewiesene Sch√§digung des H√∂rverm√∂gens durch eine Langzeiteinnahme der Potenzmittel habe ich bereits in einem fr√ľheren Blog-Artikel hingewiesen.

Noch weitaus problematischer als dieses “blaue Wunder” ist aber wie erw√§hnt die Gefahr, bei bestehender Herzschw√§che einen Infarkt zu erleiden. Denn als Medikamente, die in die Blutzirkulation des K√∂rpers eingreifen, haben Viagra & Co. besondere Risiken f√ľr Herz und Kreislauf. Insbesondere Patienten, die Nitroglycerin oder Blutdruck senkende Mittel einnehmen m√ľssen, welche ebenfalls die glatte Muskulatur entspannen, d√ľrfen die Tabletten nicht einnehmen, da sich die Wirkung der Mittel gegenseitig verst√§rkt. Zusammen mit nitrathaltigen Medikamenten (z.B. f√ľr Angina pectoris) kann der Wirkstoff zu einem t√∂dlichen Blutdruckabfall und bei M√§nnern mit Herzkrankheiten zu Kreislaufversagen f√ľhren. Eine entsprechende Untersuchung durch einen Arzt ist daher unbedingt angezeigt, bevor man diese einnimmt.

Tats√§chlich sind keine anderen Medikamente aufgrund fahrl√§ssiger Anwendung f√ľr so viele Todesf√§lle verantwortlich wie die neuen “Erektionshelfer”. Europaweit wurden allein w√§hrend der ersten 3 Jahre nach dessen Einf√ľhrung weltweit 616 Todesf√§lle nach der Einnahme von Viagra gemeldet. Die leichte Verf√ľgbarkeit der Tabletten √ľber das Internet oder den Schwarzmarkt stellt ein gro√ües Problem dar, da sie zum einen zur Selbstmedikation regelrecht einl√§dt, und es sich zum anderen bei manchen so bezogenen Tabletten um gesundheitsgef√§hrdende Imitate handelt. Der Markt der Imitate, die gr√∂√ütenteils aus Indien und China stammen, ist n√§mlich kaum zu kontrollieren, mit den damit verbundenen Risken f√ľr die Endanwender, die die so bezogenen Tabletten h√§ufig nicht nur in viel zu jungen Jahren, sondern auch auf eigene Faust als “Lifestyle”-Droge einsetzen.

Zu bef√ľrchten ist also einmal mehr, dass bereits derzeit die Zahl der “Viagra-Veteranen” mit multisystemischen Erektionsst√∂rungen (= psychogene Erektile Dysfunktion plus bereits organisch bedingter Wirkungslosigkeit erektionshelfender Mittel) massiv zunimmt. Diese M√§nner d√ľrften sich speziell dann, wenn die Erektionsf√§higkeit aus ganz nat√ľrlichen Gr√ľnden (altersbedingt oder als Nebeneffekt k√∂rperlicher Erkrankungen) abnimmt, in einer ungl√ľcklichen Sackgasse wiederfinden.
Nachgewiesenerma√üen sind bei der √ľberwiegenden Mehrheit der M√§nner unter dem 50. Lebensjahr Erektionsprobleme psychisch bedingt – selbst diesen aber ist aus sexualtherapeutischer Sicht unbedingt angeraten, diese zun√§chst √§rztlich abkl√§ren zu lassen. Werden dabei keine klaren Indizien f√ľr k√∂rperliche Ursachen gefunden, sollte man im Interesse seiner Gesundheit (und vielleicht auch, um sich die “Trumpfkarte” der Pillen f√ľr schwierigere Zeiten aufzuheben) sexualtherapeutische Beratung suchen, statt reflexartig zu den einfach verf√ľgbaren problematischen “blauen Pillen” zu greifen.

(Quellen: Reuters.com; Rizk El-Galley et.al., “Long-Term Efficiacy of Sildenafil and Tachyphylaxis Effect” in: The Journal of Urology – September 2001 (Vol. 166, Issue 3, Pages 927-931); Image source: creakyeasel.com)

Jul 23

Fetisch oder Sexualst√∂rung? BuchempfehlungBin ich “pervers” oder erfreue ich mich schlicht am Au√üergew√∂hnlichen? Die Antwort auf diese Frage erfuhr im Laufe der menschlichen Geschichte signifikante Ver√§nderungen. So manche Sexualpraktik, bei deren Aus√ľbung man vor wenigen hundert Jahren noch als “Besessener” am Scheiterhaufen verbrannt oder in den “Narrenturm” gesperrt worden w√§re, wird heute als durchaus normal betrachtet. Dennoch existieren Formen des sexuellen Verhaltens, die selbst dann als pathologisch betrachtet werden, wenn man moralische Gesichtspunkte au√üer Acht l√§√üt: als St√∂rung oder sogenannte “Paraphilie” wird bezeichnet, wenn die sexuellen Verhaltensweisen oder Triebkr√§fte die Betroffenen belasten oder sie selbst oder andere sch√§digen. Dies ist eine wichtige Unterscheidung, um Abwertungen schlicht “ungew√∂hnlicherer” Vorlieben wie etwa einer sexuellen Attraktivit√§t des gleichen Geschlechts – welche bis 1973 immer noch Teil der Diagnosehandb√ľcher war – zu vermeiden.

Zuk√ľnftige Versionen dieser Diagnoseschl√ľssel werden vermutlich noch weiter zwischen Paraphilien und “paraphilen St√∂rungen” unterscheiden. Eine Paraphilie selbst w√ľrde nicht automatisch als therapiebed√ľrftig betrachtet, sondern lediglich St√∂rungen – das, was Betroffenen belastet oder sie selbst oder ihre Sexualpartner sch√§digen k√∂nnte. Au√üergew√∂hnlichere Vorlieben wie etwa “cross-dressing” w√ľrden demnach nicht mehr automatisch als krankheitswertig (z.B. “Transvestitismus”) diagnostiziert werden – au√üer, die betreffende Person w√§re damit ungl√ľcklich oder ihr Leben beeintr√§chtigt.

W√§hrend diese neue Generation der Diagnoseschemata definitiv viele Formen von Abwertung verhindern wird, werden sich die Diagnosen andererseits auch wieder st√§rker an kulturellen Wertungen orientieren: in Gesellschaften mit engeren kulturellen Normen wie etwa den meisten asiatischen L√§ndern werden dann wohl wieder h√§ufiger Menschen als “sexuell abnorm” diagnostiziert werden, sobald diese neuen Klassifikationen zum neuen medizinischen Standard erkl√§rt wurden, da das Verhalten der Betreffenden viel eher als “sch√§digend” oder “belastend” f√ľr andere betrachtet werden d√ľrfte.

Die h√§ufigsten Paraphilien, die heute als St√∂rungen gelten, sind Exhibitionismus, Fetischismus (sofern bestimmte Objekte erforderlich sind, um Erregung zu versp√ľren oder einen sexuellen H√∂hepunkt zu erreichen), Frotteurismus (das Bed√ľrfnis, fremde Personen zu ber√ľhren), P√§dophilie, sexueller Masochismus und Sadismus, Transvestitismus, Urophilie und Voyeurismus. Diese Formen sexueller Abweichung k√∂nnen zu einem massiven Problem werden, wenn die ausgew√§hlten SexualpartnerInnen diese ablehnen oder nicht m√ľndig sind, wenn lokale Gesetze verletzt werden oder die sexuelle Erlebensf√§higkeit einer Person ausschlie√ülich davon abh√§ngt…

K√∂nnen Paraphilien “geheilt” werden? Viele Experten meinen, dies sei nicht m√∂glich, zumindest nicht mit Standardmethoden der Sexualtherapie. Immerhin aber k√∂nnen viele Personen in einer solchen lernen, ihr Sexualverhalten besser zu “managen” und flexibler zu gestalten – zumindest in einem Ausma√ü, in dem Gesetzesverst√∂√üe oder eine Zerst√∂rung ihrer Partnerschaften vermieden werden k√∂nnen.

Weiterf√ľhrende Artikel und Literaturtipps:

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011)

Oct 28

Einer k√ľrzlich ver√∂ffentlichten globalen Studie zufolge sagten etwa 10% der M√§nner, dass sie bereits mehrfach vorzeitigen Samenerguss erlebten. Tats√§chlich ist ‚Äězu fr√ľh zu kommen‚Äú eine der h√§ufigsten Sexualst√∂rungen. Und nicht ganz √ľberraschend leiden vor allem j√ľngere M√§nner daran – zunehmendes Alter erm√∂glicht M√§nnern normalerweise bessere Kontrolle.

Aber was genau ist eigentlich ‚Äěvorzeitiger‚Äú Samenerguss (PE, premature ejaculation)? Eine interessante Frage, da die Meinungen √ľber das, was in der Sexualit√§t ‚Äěnormal‚Äú ist, geteilt sind, und auch das, was √Ąrzte und Therapeuten meinen, ja nur eine Seite der Medaille darstellt. Ein US-Fachartikel beschrieb das durchschnittliche Durchhalteverm√∂gen von an PE leidenden M√§nnern mit 1,8 Minuten, w√§hrend ‚Äěnormale‚Äú M√§nner 7,3 Minuten standhielten. Aber viele M√§nner und Frauen w√§ren auch mit 5-10 Minuten Sex wohl nicht wirklich zufrieden – und wer k√∂nnte es ihnen √ľbelnehmen, sich mehr zu w√ľnschen? Den klinischen Diagnosekriterien zufolge w√ľrden sogar nur die ca. 2,5% der M√§nner, welche weniger als 90 Sekunden in der Vagina verweilen k√∂nnen, mit ‚Äěvorzeitigem Samenerguss‚Äú diagnostiziert. Sexualtherapeuten dagegen beschreiben PE als das Unverm√∂gen, den Sexualakt gen√ľgend genie√üen und gestalten zu k√∂nnen – vom Beginn der Erektion √ľber den eigentlichen Sexualakt bis hin zum Orgasmus. M√§nner, die unter PE leiden, steuern gewisserma√üen vom Beginn des Sexualakts direkt den Orgasmus an und haben kaum Kontrolle dar√ľber, wie lange er dauert oder wie intensiv er letztlich ausf√§llt. In schweren F√§llen ist sogar der Sexualakt an sich unm√∂glich, da der Samenerguss bereits vor dem Eindringen in die Vagina erfolgt.

W√§hrend PE an nicht unbedingt als ernsthaftes Probleme betrachtet werden m√ľsste, kann es doch Sex zu einem frustrierenden oder sogar √§rgerlichen Erlebnis f√ľr beide Partner machen. Der dann h√§ufig entstehende psychische Druck macht es nur selten besser, und nicht wenige Partnerschaften scheitern letztendlich auch am Frust, gemeinsam befriedigenden Sex zu erleben.

Gesundheitsfachleute sind sich heute dar√ľber einig, dass vorzeitiger Samenerguss ausschlie√ülich auf psychischen Faktoren beruht – und damit √ľblicherweise mit einigen Sitzungen Sexualtherapie sukzessive in den Griff zu bekommen ist. Zwar existieren auch ‚ÄěHilfsmittel‚Äú wie etwa lokale Bet√§ubungsmittel oder spezielle Kondome, doch diese beheben nat√ľrlich nicht die Wurzel des Problems und beeintr√§chtigen nicht selten auch den Genuss (nicht nur) der Partnerin. Nebenbei reduziert ihr Gebrauch noch weiter die sexuelle Sicherheit, da man sich vom Hilfsmittel immer abh√§ngiger f√ľhlt. Sexualtherapie dagegen hat das Ziel, die Zusammenh√§nge und Ursachen des Problems aufzudecken und einen anderen Umgang mit der eigenen Sexualit√§t zu erm√∂glichen. Als ‚ÄěHaus√ľbung‚Äú zu erlernende Strategien der Selbstkontrolle helfen dabei, die mentalen Abl√§ufe zu ver√§ndern und die Kontrolle √ľber den Sexualakt wiederzuerlangen. Nebenbei erm√∂glichen sie, den Therapieerfolg zu kontrollieren und auch einen langfristig stabilen Erfolg sicherzustellen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image src:menhealth.in)

Oct 01

Der Begriff Pelvipathie (Pelvipathia) steht f√ľr chronische (= l√§nger als sechs Monate anhaltende) Unterbauchschmerzen (Schmerzen im unteren Bauchabschnitt bzw. kleinen Becken, meist in Form von Krampfzust√§nden) bei Frauen. Die Schmerzen treten unabh√§ngig von Geschlechtsverkehr und Zyklus auf.

Weitere gebräuchliche Bezeichnungen sind Pelvipathia, chronic pelvic pain (CPP) und Hysteralgie.

In den USA leiden ca. 15% oder ca. 9,2 Mio. Frauen zwischen 18 und 55 Jahren an chronischen Unterbauchschmerzen. Etwa 10% aller ambulanten Patientinnen, 30‚Äď40% aller Laparoskopien und ca. 10‚Äď20% der Hysterektomien werden j√§hrlich wegen Pelvipathie in den USA durchgef√ľhrt.

Doch eine Frau, die st√§ndig Unterleibsschmerzen hat, streicht das Thema Sexualkontakt selbstverst√§ndlich. Dies und die H√§ufigkeit des St√∂rungsbildes d√ľrften ein Grund daf√ľr sein, dass von dieser versteckten Sexualst√∂rung ‚Äď im Vordergrund stehen ja die Schmerzen, die den Gedanken an Geschlechtsverkehr erst gar nicht aufkommen lassen ‚Äď den USA etwa 15 Prozent der Frauen betroffen sind. Die bei den Betroffenen h√§ufige depressive Symptomatik wiederum kann den Teufelskreis von Schmerzen und Beeintr√§chtigung der Lebensqualit√§t noch weiter anheizen.

Beim Gyn√§kologen werden die Patientinnen meist mit einer invasiven Diagnostik und Therapie versorgt – die einseitig organbezogenen Eingriffe wie Adh√§siolysen und Hysterektomien verst√§rken die Symptomatik aber h√§ufig sogar noch. Denn ganz wesentlich d√ľrften psychovegetative Zusammenh√§nge an der Entstehung von Pelvipathien zumindest mitbeteiligt sein. In den zahlreichen F√§llen (etwa 40%) ohne ausreichenden Organbefund handelt es sich meist um stressbedingte Erkrankungen. Die Schmerzen k√∂nnen ferner auch ein Ausdruck unbew√§ltigter Konflikte sein, etwa in der Partnerschaft, aber auch nach Missbrauch oder anderen traumatischen Erlebnissen. Der psychische Druck √§u√üert sich dann in einer Anspannung des Unterleibs, was auf Dauer Schmerzen verursacht. Oft r√ľhren die st√§ndigen Beschwerden auch von Myomen, Bindegewebsverwachsungen oder einer Endometriose. F√ľr 60 Prozent der Pelvipathief√§lle k√∂nnten sogar Erkrankungen verantwortlich sein, die nicht im gyn√§kologischen Bereich liegen, etwa Darm-, Nieren- oder R√ľckenleiden, wie eine amerikanische Studie im Jahre 2006 (s.u.) aufzeigte. Ein “blinder Fleck” scheint in der Studie allerdings bestanden zu haben, dass ja auch psychische Ursachen dazu f√ľhren k√∂nnen, dass keine Befunde in den Fortpflanzungsorganen zutage gef√∂rdert werden k√∂nnen.
So haben Frauen mit chronischen Unterbauchbeschwerden h√§ufig auch andere (etwa somatoforme) St√∂rungen oder Depressionen (60%). Von den Betroffenen beklagen 65‚Äď79 % ein Reizdarmsyndrom, 30‚Äď70 % “abdominale myofasziale Schmerzen” (h√§ufig in der N√§he von Operationsnarben) und 5‚Äď10 % urologische Symptome (Reizblase, Schmerzen beim oder nach dem Harnlassen, Pollakisurie,..). Daneben besteht mitunter auch ein nichtorganischer Fluor vaginalis als Ausdruck der vegetativen Erregung, ein genitaler Juckreiz (meist im Vulva-Bereich, aber auch in der Scheide), ein analer Juckreiz, eine Dysmenorrh√∂, pr√§menstruelle Beschwerden und funktionelle Sexualst√∂rungen. Bei manchen Patientinnen besteht auch eine nichtorganische Vulvodynie.

Aus den angef√ľhrten Gr√ľnden sollten sorgf√§ltige k√∂rperliche Untersuchungen, die nicht nur die Genitalorgane einschlie√üen, am Beginn der Behandlung stehen und deren weiteren Verlauf bestimmen. Je nach Befund k√∂nnen dann etwa Medikamente, eine Operation oder physikalische Ma√ünahmen erfolgen. Wurden keine k√∂rperlichen Ursachen gefunden, sollte Psychotherapie oder Sexualtherapie in Anspruch genommen werden – nicht nur, um herauszufinden, welche psychischen Ursachen zu den k√∂rperlichen Schmerzen f√ľhren, sondern auch im Laufe der Behandlung wieder zu einer entspannten und erf√ľllten Sexualit√§t zur√ľckfinden zu k√∂nnen. Hypnotherapie kann sich speziell f√ľr die Schmerztherapie sowie als Entspannungsverfahren als n√ľtzlich erweisen. Die interdisziplin√§re Zusammenarbeit zwischen Arzt und Therapeut ist bei Pelvipathie eine Vorgangsweise, die sich f√ľr die effiziente Behandlung gut bew√§hrt hat.

(Quellen: Leserman J, Zolnoun D, Meltzer-Brody S, Lamvu G, Steege JF. Identification of diagnostic subtypes of chronic pelvic pain and how subtypes differ in health status and trauma history. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 2006;195(2):554-560; Wikipedia, Pelvipathie.de; Image src:medfuehrer.de)

Sep 10
Testosteron-Spiegel erhöhen

Testosteron-Mangel hat eine Vielzahl potenzieller Auswirkungen Рauf Psyche und Körper. (img:Getty)

Die Andropause ist eine meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr bei Männern einsetzende hormonelle Veränderung, welche durch einen reduzierten Testosteron-Spiegel ausgelöst wird.

Testosteron ist das wichtigste m√§nnliche Geschlechtshormon und wird in den Hoden gebildet. Es wirkt auf alle K√∂rperzellen und ist nicht nur f√ľr die Geschlechtsentwicklung zust√§ndig, sondern auch f√ľr den bei M√§nnern spezifischen Haut-, Knochen- und Muskelaufbau. Ebenso wichtig ist es f√ľr die Produktion der roten Blutk√∂rperchen, welche den K√∂rper mit Sauerstoff versorgen. Dem Testosteron f√§llt auch die keineswegs unbedeutende Aufgabe zu, f√ľr seelische Ausgeglichenheit und sexuelle Lust zu sorgen. Ab der Lebensmitte jedoch l√§sst die Produktion dieses Hormons sukzessive nach und der Testosteronspiegel sinkt ab. Diese Verminderung beschert vielen M√§nnern Beschwerden: “die Fitness ist kraftlos und die Lenden sind saftlos”… Die so genannte Andropause tritt ein: depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Abnahme der Konzentration und der Vitalit√§t.

Zu den möglichen Symptomen der eintretenden Andropause gehören:

  • Stimmungsschwankungen wie Angst, Reizbarkeit, Aggression
  • Neigung zu Depression
  • Erh√∂htes Gewicht und K√∂rperfett, wachsender Bauchumfang
  • Schlechter werdendes Kurzzeitged√§chtnis
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne
  • Schlafprobleme und/oder st√§rkere M√ľdigkeit als fr√ľher
  • Reduzierter Wunsch nach Intimit√§t und niedrigerer Sexualtrieb
  • oder rationaler Wunsch nach Sex, aber Gef√ľhl von Lustlosigkeit
  • Erektile Dysfunktion
  • Weniger h√§ufige und intensive Ejakulation
  • Osteoporose
  • reduziertes Selbstwertgef√ľhl
  • Hitzewallungen und Nachtschwei√ü
  • weniger Energie und Ausdauer, langsamere Regeneration nach k√∂rperlicher Anstrengung

Es existieren jedoch in Fachkreisen betr√§chtliche Auffassungsunterschiede dar√ľber,¬† welche der genannten Symptome tats√§chlich auf eine sog. “m√§nnliche Menopause” bzw. Andropause hinweisen und letztlich auf Testosteron-Mangel zur√ľckzuf√ľhren sind. F√ľr jedes der Symptome k√∂nnten genauso gut andere Ursachen vorliegen – selbst dann, wenn tats√§chlich ein reduzierter Testosteron-Spiegel diagnostiziert w√ľrde. In gewissem Sinne stellen so genannte “Testosteron-Ersatz-Therapien” also einen “Schu√ü ins Blaue” dar.

Testosteronersatz-Therapie – ja oder nein?

Von manchen √Ąrzten und Kliniken werden heute M√§nnern ohne viel Z√∂gern Ersatztherapien zur Erh√∂hung des Testosteron-Spiegels angeboten – h√§ufig speziell mit dem Ziel, um die Lust auf das Liebesleben wieder zur√ľckzuerobern. Sogar bei drohenden Herz-/Kreislaufkrankheiten wird dieses Hormon gelegentlich pr√§ventiv eingesetzt, da Untersuchungen zeigten, dass Testosteron auch einen Schutzeffekt f√ľr Arterien und Venen hat, wodurch sich diese Art von Therapie (meist in Form von Tabletten, Gel, Pflaster oder Nasenspray) Patienten gegen√ľber gut “argumentieren” l√§√üt. Wichtig ist dabei jedoch zu wissen: eine Hormonersatztherapie n√ľtzt nichts, wenn man gleichzeitig Raubbau mit seiner Gesundheit und seinen Ressourcen betreibt. Es ist bemerkenswert, aber vielleicht nicht ganz zuf√§llig, dass viele M√§nner, die bereit sind, Hormonersatztherapien an sich durchf√ľhren zu lassen (oder diesbez√ľglich gar Selbstmedikation betreiben), h√§ufig auch leichtfertiger als andere zu anderen “Konditionsbooster-Arzneimitteln” greifen.

Im Idealfall nehmen bei einer k√ľnstlichen Testosteron-Gabe Muskelmasse, Knochendichte, Libido und Leistungsf√§higkeit zu. Unter gewissen Bedingungen kann die “Extra-Dosis” Testosteron jedoch auch die Entwicklung eines bereits bestehenden Prostatakrebs beschleunigen. Eine Vorsorgekontrolle (PSA-Kontrolle) ist deshalb unbedingt anzuraten.

Doch es gibt auch bew√§hrte Gesundheitstipps f√ľr M√§nner, welche – im Unterschied zu k√ľnstlichen Zuf√ľhrung von Testosteron – zuverl√§ssig keine Gesundheitsrisiken bergen und ebenfalls bestens geeignet sind, den Testosteron-Spiegel anzuheben:

  • Entwicklung von mehr Selbst-Disziplin f√ľr einen gesunden Lebensstil – etwas, das vielen M√§nner zeitlebens nicht erworben haben
  • Auf ausgewogene Ern√§hrung achten (vitaminreich: mehr Obst und Gem√ľse; fettarm: fettige, √∂lige Speisen und raffinierte Kohlenhydrate k√∂nnen zu √úbergewicht f√ľhren, Adipositas jedoch scheint die Produktion von Testosteron zu beeinflussen). Fastenkuren erh√∂hen verschiedenen kleinen Studien zufolge auch den Testosteron-Spiegel, vermutlich durch die dabei stattfindende Entschlackung und Entgiftung. Eier sind der wichtigste Cholesterin-Lieferant, welches wiederum ein wichtiger Baustein f√ľr die Testosteron-Produktion darstellt. Zucker senkt dagegen sukzessive den Testosteron-Spiegel im Blut: also lieber Fr√ľchte, die wenig Fruchtzucker enthalten, essen wie z.B. Granat√§pfel, Zitrusfr√ľchte, Mangosteen, Datteln, Kokosn√ľsse, Avokados oder Weintrauben. Softdrinks, Limonaden, Mehlspeisen und S√ľ√üigkeiten aller Art sind m√∂glichst radikal zu vermeiden.
  • Relevante Nahrungsbestandteile: Vitamin A und D sowie Zink (siehe auch weiter unten).
  • √Ėstrogene vermeiden: diese weiblichen Hormone kommen zunehmend in Nahrungsmitteln vor, speziell der Weichmacher Bisphenol-A auch in vielen Alltagsprodukten, v.a. solchen aus Plastik: man sollte deshalb Getr√§nke aus Plastikflaschen oder in Plastik verpackte Nahrungsmittel m√∂glichst umgehen.
  • weniger Stress: Stress erzeugt Cortisol, und dieses wirkt sich negativ auf den Testosteron-Spiegel aus.
  • der Taillenumfang sollte weniger als 100 cm betragen (siehe BMI-Test)
  • gen√ľgend Schlaf – mindestens 7-8 Stunden pro Tag. Testosteron wird w√§hrend der REM-Phasen produziert, insofern sollten gen√ľgend davon stattfinden k√∂nnen.
  • Achten Sie auf eine gesunde und m√∂glichst wenig belastete Psyche und holen Sie sich ggf. Unterst√ľtzung durch Psychotherapie oder Coaching: Optimismus und ein ausgeglichener Seelenzustand helfen, Stress zu vermindern. Wenn M√§nner dagegen (wom√∂glich sogar chronisch) belastet sind, produzieren die endokrinen Dr√ľsen signifikant weniger m√§nnliche Geschlechtshormone.
  • Rauchen und trinken Sie weniger. Die Leber baut normalerweise √ľbersch√ľssiges √Ėstrogen ab – ist sie aber mit dem Abbau vom Alkohol besch√§ftigt, kann sie das nicht.
  • nat√ľrliche Mittel – Hafer und Ginseng haben eine testosteron√§hnliche Wirkung, Bockshornkleesamen-Extrakt aktiviert den Testosteron-Umsatz und eine Extraportion Zink hilft dem Testosteron ebenfalls auf die Spr√ľnge: Hummer, Austern und Garnelen; Sojabohnen, Weizenkleie und K√ľrbiskerne. Casanova ass bekanntlich 40 Austern pro Tag!
  • Bewegung kurbelt die Testosteronaussch√ľttung ebenfalls stark an: beste Ergebnisse bietet diesbez√ľglich ein hochintensives Krafttraining (man muss wirklich schwitzen und dabei – im Rahmen der gesundheitlichen Vertr√§glichkeit – knapp √ľber seine Grenzen gehen!) mit Serien von 10-15 Wiederholungen, gespickt mit Pausen von 60-90 Sekunden (Pausen von 15-30 Sek. dagegen stimulieren vor allem die Aussch√ľttung von Wachstumshormon).
  • Pornografie: wenig oder gar nicht. Sucht√§hnliche Effekte von zu viel Pornografie-Konsum haben eine negative Auswirkung auf die Libido und die Testosteron-Produktion.
  • guter Sex: intensive Erregung und Spiele der Lust heben unseren Hormonspiegel √ľber einen Zeitraum von bis zu zwei Tagen an und wirken so auf nat√ľrliche Weise Mangelerscheinungen entgegen. Selbst erotische Fantasien kurbeln kurzfristig die Testosteronproduktion an. Der Zustand der Verliebtheit reduziert den Testosteron-Spiegel bei M√§nnern, bei Frauen hebt er ihn an.

Gerade Männer können ihre Hormonwerte durch ihren Lebensstil noch stärker beeinflussen als Frauen, weil sich ihre Hormonsituation mit dem Alter nicht so abrupt und radikal verändert.

Im Bereich “Selbsttests” auf meiner Website finden Sie einen Selbsttest auf Testosteron-Mangel, der Ihnen bei einer ersten Selbsteinsch√§tzung weiterhelfen kann. Im Zweifelsfall ist eine fach√§rztliche Untersuchung mit Blutbefund anzuraten.

May 31

Erektile Dysfunktion (ED) bedeutet, dass ein Mann w√§hrend eines halben Jahres in mehr als zwei Dritteln der F√§lle keine Erektion bekommen oder aufrecht erhalten konnte, die f√ľr einen Geschlechtsverkehr ausreichte. Wenn es also nur hin und wieder einmal ‚Äěnicht klappt‚Äú, handelt es sich noch nicht um eine behandlungsbed√ľrftige St√∂rung. Doch mit dem Alter werden Erektionsprobleme bzw. ‘Impotenz’ h√§ufiger: unter den 40- bis 49-J√§hrigen ist jeder zehnte Mann betroffen, unter den 60- bis 69-J√§hrigen bereits mindestens jeder dritte.

Doch wo liegen die Ursachen? Vor allem bei √§lteren M√§nnern sind Erektionsprobleme bzw. Impotenz h√§ufig konstitutionell bedingt, bei M√§nnern unter 55 jedoch sind in fast allen F√§llen psychische Ursachen die Ausl√∂ser. ‚ÄěWundermittel‚Äú wie Viagra, Cialis oder Levitra sind deshalb gerade bei diesem Personenkreis nicht anzuraten – als wichtigste Gr√ľnde daf√ľr sind die m√∂glichen nachteiligen Folgen einer Langzeiteinnahme zu nennen, aber auch eine psychische Abh√§ngigkeit von der ‚ÄěKraftpille‚Äú.

Da eine erektile Dysfunktion auf Herz-, Kreislauf- und andere schwerwiegende Erkrankungen hindeuten kann, sollte zun√§chst unbedingt eine √§rztliche Untersuchung der Ursachen der Erektionsst√∂rungen erfolgen. K√∂nnen keine k√∂rperlichen Ursachen gefunden werden, liefern meist schon ein paar Beratungsgespr√§che bei einem Sexualtherapeuten wesentliche Impulse. ‚ÄěIch f√ľhle mich unglaublich befreit!‚Äú, sagte mir einmal ein Klient am Ende unserer Sitzungen. In der Tat gelingt es vielen M√§nnern, auf der Suche nach mehr ‚Äěsexueller Fitness‚Äú ihrer pers√∂nlichen Sexualit√§t neue und viel positivere Impulse zu verleihen. Und was gibt es Gerechteres als die sexuelle ‘Befreiung’ ..auch f√ľr den Mann? ūüėČ

Tipp: Wenn es Sie interessiert, k√∂nnen Sie den auf dieser Website angebotenen Selbsttest auf Erektile Dysfunktion / Erektionsst√∂rungen / Impotenz durchf√ľhren.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Photo src:www.topnews.in)

May 24

Nachdem M√§nner in der Vergangenheit wiederholt von H√∂rsch√§den nach der Einnahme von Viagra berichtet hatten, m√ľssen Verpackungen in den USA inzwischen einen entsprechenden Warnhinweis tragen.

“Diese Resultate deuten darauf hin, dass die gegenw√§rtige Warnung in Bezug auf H√∂rverlust und PDE-5-Hemmer gerechtfertigt ist”, sagte der Studienleiter Gerald McGwin von der Universit√§t von Alabama im Fachblatt “Archives of Otolaryngology-Head and Neck Surgery”. Die Potenzmittel sollen die Durchblutung des Schwellk√∂rpers anregen. Vermutlich stimulieren sie auch den Blutfluss im Ohrgewebe und sch√§digen so auf l√§ngere Sicht das Geh√∂r. Er r√§t Nutzern der Pr√§parate, im Fall eines H√∂rverlusts unverz√ľglich einen Arzt zu konsultieren, um bleibende Sch√§den abzuwenden.

In der Studie wurden 11.525 mindestens 40 Jahre alte Männer zwischen 2003 und 2006 untersucht. Alle Medikamente, die auf PDE-5-Inhibitoren basieren, wie Viagra oder Kamagra (Sildenafil), Cialis (Tadalafil) und Levitra (Vardenafil) waren betroffen, am deutlichsten wurde die Nebenwirkung aber bei dem Präparat Viagra festgestellt.

Weiterf√ľhrende Infos:
Blog-Einträge zum Thema Erektionsstörungen
Leitfaden Sexualtherapie und Sexualberatung
Selbsttest auf Erektile Dysfunktion / Erektionsstörungen u. Prostatavergrößerung
Selbsttest auf Testosteron-Mangel

(Quelle: G. McGwin. Phosphodiesterase Type 5 Inhibitor Use and Hearing Impairment. Archives of Otolaryngology – Head and Neck Surgery, 2010; 136 (5): 488 DOI: 10.1001/archoto.2010.51)

May 18

Eine gro√üangelegte Studie (n=1000) des Institutes f√ľr Frauengesundheit Baden W√ľrttemberg zur H√§ufigkeit sexueller Funktionsst√∂rungen bei Frauen sowie m√∂glichen Wegen, diese zu beeinflussen, wurde k√ľrzlich in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Sexual Medicine ver√∂ffentlicht.

Ziel dieser Studie war es, a) die H√§ufigkeit und b) die unterschiedlichen Formen von St√∂rungen der weiblichen Sexualfunktion zu erforschen. Ebenfalls untersucht wurde der Zusammenhang von Funktionsst√∂rungen und hormoneller Verh√ľtung mit der “Pille”, genauer mit unterschiedlichen Formen einer hormonalen Empf√§ngnisverh√ľtung. Mittels eines standardisierten Fragebogens wurde gezielt nach der sexuellen Aktivit√§t und m√∂glichen Einflussfaktoren gefragt. Bez√ľglich einer eventuell durchgef√ľhrten Kontrazeption wurden die Auswirkungen verschiedener Verh√ľtungsmethoden auf die Sexualfunktion wie auch unterschiedliche hormonale Kontrazeptiva vergleichend ber√ľcksichtigt.

Die Auswertung zeigt, dass von den teilnehmenden Frauen 32,4 % ein Risiko f√ľr sexuelle Dysfunktion aufweisen, und zwar in den Bereichen Orgasmus (8,7 %), Libido (5,8 %), Befriedigung (2,6 %), Lubrikation (1,2 %), Schmerzen (1,1 %) und sexuelle Erregung (1,0 %). Signifikante Auswirkungen auf die Gesamtauswertung hatten die Faktoren Verh√ľtungsmethode und Rauchen, wobei die hormonelle Verh√ľtung mit geringerer Libido und Erregung assoziiert war als die Nicht-Verh√ľtung und die ausschlie√ülich nichthormonale Kontrazeption. Weitere Variablen wie Stressbelastung, Schwangerschaft, Partnerbeziehung und Kinderwunsch hatten ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf die Sexualfunktion.

Die Autoren weisen darauf hin, daß die Studie primär Assoziationen, nicht aber Kausalität einzelner Sexualstörungen nachweisen kann.

(Quelle: Wallwiener CW, Wallwiener LM, Seeger H, Mueck AO, Bitzer J, and Wallwiener M; Prevalence of Sexual Dysfunction and Impact of Contraception in Female German Medical Students ; doi: 10.1111/j.1743-6109.2010.01742.x)

11.10.17