Oct 28

Einer kürzlich veröffentlichten globalen Studie zufolge sagten etwa 10% der Männer, dass sie bereits mehrfach vorzeitigen Samenerguss erlebten. Tatsächlich ist „zu früh zu kommen“ eine der häufigsten Sexualstörungen. Und nicht ganz überraschend leiden vor allem jüngere Männer daran – zunehmendes Alter ermöglicht Männern normalerweise bessere Kontrolle.

Aber was genau ist eigentlich „vorzeitiger“ Samenerguss (PE, premature ejaculation)? Eine interessante Frage, da die Meinungen über das, was in der Sexualität „normal“ ist, geteilt sind, und auch das, was Ärzte und Therapeuten meinen, ja nur eine Seite der Medaille darstellt. Ein US-Fachartikel beschrieb das durchschnittliche Durchhaltevermögen von an PE leidenden Männern mit 1,8 Minuten, während „normale“ Männer 7,3 Minuten standhielten. Aber viele Männer und Frauen wären auch mit 5-10 Minuten Sex wohl nicht wirklich zufrieden – und wer könnte es ihnen übelnehmen, sich mehr zu wünschen? Den klinischen Diagnosekriterien zufolge würden sogar nur die ca. 2,5% der Männer, welche weniger als 90 Sekunden in der Vagina verweilen können, mit „vorzeitigem Samenerguss“ diagnostiziert. Sexualtherapeuten dagegen beschreiben PE als das Unvermögen, den Sexualakt genügend genießen und gestalten zu können – vom Beginn der Erektion über den eigentlichen Sexualakt bis hin zum Orgasmus. Männer, die unter PE leiden, steuern gewissermaßen vom Beginn des Sexualakts direkt den Orgasmus an und haben kaum Kontrolle darüber, wie lange er dauert oder wie intensiv er letztlich ausfällt. In schweren Fällen ist sogar der Sexualakt an sich unmöglich, da der Samenerguss bereits vor dem Eindringen in die Vagina erfolgt.

Während PE an nicht unbedingt als ernsthaftes Probleme betrachtet werden müsste, kann es doch Sex zu einem frustrierenden oder sogar ärgerlichen Erlebnis für beide Partner machen. Der dann häufig entstehende psychische Druck macht es nur selten besser, und nicht wenige Partnerschaften scheitern letztendlich auch am Frust, gemeinsam befriedigenden Sex zu erleben.

Gesundheitsfachleute sind sich heute darüber einig, dass vorzeitiger Samenerguss ausschließlich auf psychischen Faktoren beruht – und damit üblicherweise mit einigen Sitzungen Sexualtherapie sukzessive in den Griff zu bekommen ist. Zwar existieren auch „Hilfsmittel“ wie etwa lokale Betäubungsmittel oder spezielle Kondome, doch diese beheben natürlich nicht die Wurzel des Problems und beeinträchtigen nicht selten auch den Genuss (nicht nur) der Partnerin. Nebenbei reduziert ihr Gebrauch noch weiter die sexuelle Sicherheit, da man sich vom Hilfsmittel immer abhängiger fühlt. Sexualtherapie dagegen hat das Ziel, die Zusammenhänge und Ursachen des Problems aufzudecken und einen anderen Umgang mit der eigenen Sexualität zu ermöglichen. Als „Hausübung“ zu erlernende Strategien der Selbstkontrolle helfen dabei, die mentalen Abläufe zu verändern und die Kontrolle über den Sexualakt wiederzuerlangen. Nebenbei ermöglichen sie, den Therapieerfolg zu kontrollieren und auch einen langfristig stabilen Erfolg sicherzustellen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image src:menhealth.in)

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Gedanken zu “Vorzeitiger Samenerguss” (2):

  1. Kommentar von Ejakulation verzögern - Vermeidung vorzeitiger Samenerguss | Ejakulation verzögern:

    […] ungewöhnliches ist. Erst wenn es zur Regelmäßigkeit wird, müssen beide Partner daran arbeiten. Bei der vorzeitigen Ejakulation handelt es sich um eine sexuelle Funktionsstörung, die verschiedene…versetzt. Versagensangst und Schuldgefühl verschlimmern das Problem zudem. Dennoch sollte jeder […]

  2. Kommentar von Harald:

    Ich bin begeistert, hier wird im Artikel sehr deutlich beschrieben, dass auch die Psyche einen großen Einfluss bei der vorzeitigen Ejakulation hat.
    Sehr gut beschrieben. Man sollte dass Problem vom Ursprung her lösen und nicht gleich zu irgendwelchen Mittelchen greifen.
    Viele Grüße,
    Harald

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01.09.19