Oct 11
angst stress immunsystem genetik epigenetik

Angst – eine Belastung nicht nur f√ľr die Psyche, sondern auch f√ľr den K√∂rper. (Image: Getty)

Angst entsteht, wenn auf ausl√∂sende Reize eine √ľberm√§√üige Stressreaktion folgt – das ist ein wichtiger Schutzmechanismus des K√∂rpers … sofern die Reaktion angemessen ist.

Erfolgt sie jedoch unkontrollierbar und sind Betroffene l√§nger solch extremen Stressreaktionen ausgesetzt, f√ľhrt dies vermutlich sogar auch zu epigenetischen Ver√§nderungen, die sich ung√ľnstig auf den K√∂rper auswirken. Forscher des Helmholtz Zentrums M√ľnchen und des Max-Planck-Instituts f√ľr Psychiatrie gingen den Zusammenh√§ngen auf den Grund, indem sie Daten aus breiten Bev√∂lkerungsgruppen mit denen von Patienten verglichen. So konnten sie ihre Ergebnisse im klinischen Umfeld replizieren. Zus√§tzlich √ľberpr√ľften sie ihre Erkenntnisse im Tiermodell.

In einem Teil der Studie (KORA F4 an 1.522 Erwachsenen im Alter von 32 bis 72 Jahren) entnahmen die Forscher zuf√§llig ausgew√§hlten Personen mit und ohne Angstst√∂rung Blutproben, um mehr √ľber die sogenannte DNA-Methylierung (Teil der Epigenetik, ein wichtiger Vermittler zwischen Genen und Umwelt) zu erfahren. Bei an Angstst√∂rungen leidenden Personen wurde hierbei eine Zunahme der DNA-Methylierung des Gens ASB1 um fast 50 Prozent festgestellt, welches f√ľr das Nervensystem wie auch das Immunsystem eine wichtige Rolle spielt.

In zwei weiteren Teilen der Studie wurden epigenetische Effekte zur Regulierung des stressempfindlichen ASB1-Gens im klinisch-psychiatrischen Bereich nachgewiesen. Diese Ergebnisse fanden danach sogar auch in Tierversuchen mit Mäusen Bestätigung.

Die betreffenden Ergebnisse k√∂nnen f√ľr die Diagnose, Therapie und Pr√§vention von Angstst√∂rungen und Stress-Syndromen eine wichtige Rolle spielen – insbesondere werfen sie aber einen Blick auf die erheblichen Auswirkungen dieser St√∂rungsbilder, die u.U. sogar erblich weitergereicht werden k√∂nnten. Die Resultate wurden vor Kurzem in der renommierten Zeitschrift ‚ÄěNeuropsychopharmacology‚Äú ver√∂ffentlicht.

(Quelle: MedAustria; Anxiety Associated Increased CpG Methylation in the Promoter of Asb1: A Translational Approach Evidenced by Epidemiological and Clinical Studies and a Murine Model; Neuropsychopharmacology advance online publication June 2017; doi: 10.1038/npp.2017.102)

Dec 17

Hyperhidrose kann eine schwere Belastung f√ľr die Betroffenen darstellen (Bild: dermnetz)

Nach einer Studie in der Dezember-Ausgabe des Journal of the American Academy of Dermatology ist Hyperhidrosis bzw. Hyperhidrose (HH), also das verstärkte Schwitzen, mit einer erhöhten Prävalenz von Angst und Depression verbunden.

Wirklich wahr! Nun, diese Erkenntnis best√§tigt etwas, das in der Psychotherapie der diesbez√ľglichen St√∂rung schon seit jeher die g√§ngige Arbeitshypothese darstellt: das Schwitzen der Hyperhydrose-Betroffenen ist in aller Regel ein Zeichen chronischer (nicht immer bewu√üter) Stress-Spannung. Angst und psychische Spannung aber erzeugen √ľber das sympathische (im Gegensatz zum parasympathischen) System eine erh√∂hte Produktion der Schwei√üdr√ľsen. Die Hyperhidrose-Betroffenen leiden im Alltag oder spezifischen (z.B. sozialen) Situationen also unter erh√∂hten Angst- und Stressgef√ľhlen, h√§ufig leiden die Betroffenen dar√ľber hinaus auch an einer depressiven Symptomatik.

In der Studie untersuchten Dr. R. Bahar von der Universität von British Columbia in Vancouver, Canada, und Kollegen die Prävalenz von Angst und Depression bei Patienten mit oder ohne Hyperhidrose. Insgesamt wurden 2.017 Dermatologie-Patienten mit standardisierten psychologischen Testfragebögen auf Depression und Angst hin getestet.

Das Vorkommen von Angst wurde bei 21.3% und Depressionen bei 27.2% der Hyperhidrose-Patienten vorgefunden, verglichen mit 7.5% und 9.7% bei Patienten ohne Hyperhidrose (beide p<0,001). Positive Korrelationen wurden f√ľr Hyperhydrose-Intensit√§t und Angst- und Depressions-Vorkommen gefunden. In der multivarianten Analyse war die Hyperhidrose-assoziierte Zunahme des Vorkommens von Angstsymptomen und Depression unabh√§ngig von demographischen Faktoren und bereits vorhandenen Hauterkrankungen.

“Sowohl einzelvariante als auch multivariable Analysen zeigten eine signifikante Assoziation zwischen Hyperhidrose und dem Vorliegen von Angst- und Depressionssymptomen je nach Intensit√§t der Hyperhidrose-Symptomatik”, schreiben die Autoren.

Quelle: Prevalence of anxiety and depression in patients with or without hyperhidrosis (HH) in: Journal of the American Academy of Dermatology , Volume 75 , Issue 6 , 1126 – 1130

Feb 18

(Bild: Reuters/Kim Hong-Ji)

Etwa 1% der √∂sterreichischen Bev√∂lkerung d√ľrfte an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa / Reizdarmsyndrom leiden – beide sind chronisch entz√ľndliche Darmerkrankungen (CED), die mit schweren Durchf√§llen und Schmerzen einhergehen, das Thrombose-Risiko erh√∂hen und ultimativ Operationen erforderlich machen k√∂nnen, bei welchen besonders schwer befallene Darmabschnitte entfernt werden. Und die Zahl der Betroffenen steigt sogar noch an, insbesondere unter Kindern und Jugendlichen. Die betreffenden Daten wurden im Zuge des 8. Kongresses der European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) im Austria Center Vienna im Februar 2013 ver√∂ffentlicht.

“Zumindest drei Millionen Menschen in Europa leiden an chronisch entz√ľndlichen Darmerkrankungen. Wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Die meisten Erstdiagnosen werden in der Altersgruppe zwischen dem 20 und 30 Lj. gestellt. Wir sehen aber auch einen dramatischen Anstieg bei den Kindern. In den vergangenen zehn Jahren haben deren Diagnosen um 50 Prozent zugenommen. Viele Betroffene haben immer wieder Krankheitsepisoden, ein Viertel aber hat chronische Symptome”, sagte T. Jess vom d√§nischen Gesundheits√ľberwachungs- und -Forschungszentrum.

Der Expertin zufolge muss etwa die H√§lfte der Betroffenen innerhalb von zehn Jahren zumindest einmal im Spital aufgenommen werden. Oft folgt dann eine Operation mit Entfernung betroffener Darmabschnitte. “Die Invalidit√§tsrate mit drei bis sechs Wochen pro Jahr, in denen ein Patient keiner Arbeit nachgehen kann, liegt bei 34 Prozent”, so Jess.

Fr√ľhe Diagnose und Behandlungsbeginn essentiell

W. Reinisch von der MedUni Wien am AKH best√§tigt einen deutlichen Anstieg bei chronisch entz√ľndlichen Leiden wie Asthma, Multiple Sklerose, Diabetes Typ 1 in den hochentwickelten Industriestaaten seit den 1950er-Jahren um das Zehn- bis 15-fache (!). Die Zahl der Kinder, die aufgrund schwerer chronisch-entz√ľndlicher Darmerkrankungen station√§r behandelt werden mussten, hat sich in √Ėsterreich allein in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Die diesen dramatischen Anstiegen zugrundeliegenden Ursachen sind noch immer nicht gekl√§rt – und die genannten Krankheiten bis heute nicht heilbar: im besten Fall kann ihre Intensit√§t reduziert werden. Das gilt auch f√ľr Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. “Mit einer genetischen Disposition l√§sst sich nur ein geringer Teil dieser Erkrankungen erkl√§ren. Es sind vorwiegend Umwelteinfl√ľsse, welche chronisch-entz√ľndliche Erkrankungen ausl√∂sen.”, so Reinisch. Die Ursachen k√∂nnten m√∂glicherweise in einem Wechselspiel aus fehlerhafter und einseitiger Ern√§hrung, Medikamenteneinnahmen wie z.B. Antibiotika, aber auch Rauchen, Stress, dem Lebensstil, dem Lebensumfeld in den St√§dten und gesteigerter Hygiene bestehen.

Der Experte sieht angesichts der starken Beeintr√§chtigung des weiteren Lebensverlaufes der Erkrankten einen dringenden Bedarf an m√∂glichst fr√ľhen Diagnosen. Je fr√ľher mit der Therapie begonnen wird, umso wirksamer ist sie auch, ein Zusammenhang, der auch aus der Psychotherapie bekannt ist. Haus√§rzte, die zumeist den Erstkontakt mit Betroffenen haben, sollten die entscheidenden Verdachtsmomente kennen und erkennen, und in der Langzeitbetreuung sollten dann Allgemeinmediziner, Fach√§rzte und spezialisierte Zentren kooperieren.

Symptome chronisch entz√ľndlicher Darmerkrankungen (CED):

H√§ufige Entz√ľndungsbereiche (Bild: kompetenznetz-ced.de)

Die meisten Menschen (aber sogar viele Allgemeinmediziner) verf√ľgen nur √ľber mangelhaftes Wissen √ľber die Symptome chronisch entz√ľndlicher Darmerkrankungen, weshalb vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose mitunter Jahre vergehen k√∂nnen. Einige funktionelle St√∂rungen des Magen-Darm-Traktes weisen √§hnliche Symptome auf, daher ist das Beachten typischer Morbus Crohn-Signale sehr wichtig, wie zum Beispiel Blut im Stuhl, Entz√ľndungszeichen im Blut oder Stuhl, aber auch Fieber und Gelenkschmerzen.

Wenn krampfartige Bauchschmerzen, mehrw√∂chige (meist schleimige) Durchf√§lle, Gewichtsverlust, M√ľdigkeit bis totale Ersch√∂pfung, Leistungsabfall, Gewichtsverlust oder Fieber immer wieder in Intervallen auftreten, besteht starker Verdacht auf eine chronisch-entz√ľndliche Darmerkrankung (CED). Muss jemand √∂fter als 5-10 Mal pro Tag und zu unvorhergesehenen Zeiten die Toilette aufsuchen, wird das Leben massiv belastet – und ein Verdacht auf Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa liegt nahe und bedarf einer √§rztlichen Abkl√§rung (wie auch einer diagnostischen Abkl√§rung etwaiger Nahrungsmittelunvertr√§glichkeiten). Die schubartigen Phasen sollten nicht in falscher Sicherheit wiegen: die Krankheit schreitet auch w√§hrend der Phasen ruhender Symptomatik voran. Wenn diese jedoch wieder auftritt, k√∂nnen soziale Kontakte massiv belastet werden, h√§ufig entwickeln sich dadurch in weiterer Folge auch psychische Beschwerden wie Depression, Angst- oder Panikst√∂rungen.

Aktuelle Behandlungs-Ansätze von Morbus Crohn / Colitis Ulcerosa

Zun√§chst sind eingehende Untersuchungen (insbesondere Darmspiegelungen), notwendig, um die Erkrankung und das Erkrankungsgebiet (Morbus Crohn kann den kompletten Verdauungstrakt befallen, vom Mund bis zum After) genau zu identifizieren. Durch moderne Therapiekonzepte ist die Krankheit heute recht gut zu behandeln, obwohl trotz intensiver Forschung auch heute noch keine Heilung im eigentlichen Sinne m√∂glich ist. Dennoch f√ľhrt die Erkrankung an Morbus Crohn auch heute noch bei 60 Prozent aller Betroffenen im Endeffekt zu einem operativen Eingriff (meist aufgrund von entz√ľndungsbedingten Darmverschl√ľssen).

Neben einer Reihe von medikament√∂sen Ans√§tzen werden in Studien derzeit auch zahlreiche andere Therapieans√§tze ausgelotet – vor allem in leichten F√§llen von Morbus Crohn. Gastroenterologen von der Uni Duisburg-Essen haben die “Mind-Body-Medicine”, eine Kombination aus Bewegung, mediterraner Vollwertkost, Entspannungs√ľbungen und Stressbew√§ltigung entwickelt – in Studien zeigte sich deutlich eine Verbesserung der Lebensqualit√§t. Hypnotherapie hat sich ebenfalls zur Stressreduktion und der besseren Bew√§ltigung der Schubphasen bew√§hrt.

Weiterf√ľhrende Links:
Verein Darm Plus
http://www.gastrojournal.org/article/S0016-5085%2810%2900754-7/abstract
Quelle: Der Standard

Dec 06

r.l.f., 1994 ūüėČ

Das Universit√§tsklinikum Salzburg ver√∂ffentlichte k√ľrzlich eine Studie, welche bei Depression und Suizidalit√§t eine unterst√ľtzende Wirkung der Psychotherapie und Pharmakotherapie durch Bewegungstherapie nachweist.

Die Idee entstand bei gemeinsamen Film-Deharbeiten zum Thema ‚ÄěAlpen und Suizid‚Äú von Dozent Reinhold Fartacek und Reinhold Messner auf dem Rauriser Sonnblick. Die ver√∂ffentlichte wissenschaftliche Studie ‚ÄěPhysical exercise through mountain hiking in high-risk suicide patients. A randomized crossover trial‚Äú (siehe u.a. Quellverweise) best√§tigt eindrucksvoll die unterst√ľtzende Wirkung einer Bewegungstherapie zu Psychotherapie und Pharmakotherapie. Mit dieser Studie k√∂nnen auch erstmals Schwankungen der psychischen Befindlichkeit nicht nur beobachtet sondern auch verstanden werden.

Die √§u√üerst aufgrund der Vielzahl der abgefragten Parameter (z.B. t√§gliche Selbsteinsch√§tzung der TeilnehmerInnen, psychologische Daten, Prozesseinsch√§tzung, Vorher-/Nachher-Einsch√§tzung, sportphysiologsiche Messungen) √§u√üerst komplexe Wanderstudie “√úbern Berg” ist weltweit einmalig. Es wurde wie heute generell in der Suizidpr√§vention darauf gesetzt, auf individuelle St√§rken anstatt auf Krankheit zu achten. Die Patienten sollten durch die k√∂rperliche Aktivit√§t beim Bergwandern und das Erlebnis ‚Äď “√ľber den Berg zu gehen” ‚Äď f√ľr den Alltag seelisch und k√∂rperlich zu st√§rken. Diese Erfolge, aber auch das Erlebnis der Natur sowie die zwischenmenschlichen Begegnungen w√§hrend des Bergwanderns sollten ihnen Mut und Hoffnung f√ľr die Bew√§ltigung des Alltags geben. Mit Redewendungen wie ‚ÄěEs geht bergauf‚Äú oder ‚ÄěBerge versetzen‚Äú werden im Alltag positive Entwicklungen beschrieben. Doch obwohl in √Ėsterreich mehr als 74% der √ľber 15-J√§hrigen zumindest gelegentlich wandern, k√∂nnen sich gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen oder in Lebenskrisen nur schwer √ľberwinden, k√∂rperlich aktiv zu sein.

Synergetisches Navigationsystem (SNS)

Die interdisziplin√§re Studie (PsychiaterInnen, PsychologInnen, Sportmediziner, PflegemitarbeiterInnen) fand in der Salzburger Bergwelt statt. Die Selbsteinsch√§tzung wurde mittels der Nutzung eines vom Leiter des PMU-Instituts f√ľr Synergetik und Psychotherapie-forschung, Univ.-Prof. Dr. G√ľnter Schiepek entwickelten sog. ‚ÄěSynergetischen Navigationssystems‚Äú (SNS) messbar gemacht. Mit einem darin eigens angelegten Online-Fragebogen wurde 6 Monate hindurch t√§glich die pers√∂nliche Befindlichkeit mit 38 Einzelitems in einer Selbsteinsch√§tzung angegeben. Durch die hochfrequenten Messungen ergab sich eine Verlaufsdarstellung mit mehr oder weniger stark ausgepr√§gten Schwankungen und Phasen√ľberg√§ngen. Speziell in den Bereichen Freude und Selbstwertgef√ľhl kam es in der Wanderphase bei vielen Teilnehmern zu einer Steigerung ‚Äď wobei die √Ąngstlichkeit gleichzeitig abnahm.

Die Studienteilnehmer wurden in zwei Gruppen geteilt. Die Wandergruppe wanderte 9 Wochen lang, w√§hrend die Wartekontrollgruppe keine speziell geplanten Aktivit√§ten durchf√ľhrt. Nach 9 Wochen wurde gewechselt, und jeweils die empfundenen Ver√§nderungen der Hoffnungslosigkeit und Depressivit√§t wie auch die rein k√∂rperliche Ausdauerleistungsf√§higkeit gemessen. Hinsichtlich der empfundenen Hoffnungslosigkeit, Depressivit√§t, wie auch der k√∂rperlichen Ausdauerleistung ging es den TeilnehmerInnen signifikant besser als vor der Studie. Die Studienteilnehmer berichteten von einer neu angeeigneten Tagesstruktur, mehr Appetit, mehr Selbstvertrauen und weniger Stress. Dies berichteten selbst die meisten jener Patienten, die sich zun√§chst alles andere als “sportbegeistert” bezeichnet hatten.

Um √úberforderungen zu vermeiden, wurde zun√§chst der optimale Belastungspuls der PatientInnen ermittelt und bei jeder Wanderung mittels Herzfrequenzmesser √ľberwacht. Bald merkten die Wanderer, dass es bei dieser Sportart nicht darum geht, der Schnellste zu sein – so war es jedem m√∂glich, das eigene Tempo zu finden. Jede Wanderung startete mit einfachen Mobilisations√ľbungen und endete mit abschlie√üenden Dehn√ľbungen. Im Laufe der Studie war an Stelle der fehlenden Motivation die Vorfreude auf die n√§chste Wanderung so gro√ü, dass die Teilnehmer oft schon eine gute Weile vor dem vereinbarten Zeitpunkt am Treffpunkt warteten.

Die Teilnahme der Patienten am Wandern war nahezu l√ľckenlos und belegt, dass diese Form der Bewegung nicht nur akzeptiert sondern auch gerne ausge√ľbt wurde ‚Äď und das selbst bei Wind und Wetter. Die verbesserte k√∂rperliche Leistungsf√§higkeit ist insofern g√ľnstig, als k√∂rperliche Bewegung auch rein k√∂rperlich gesund ist, gerade von depressiven Personen aber h√§ufig zu wenig ausge√ľbt wird. Wandern jedoch kann gerade in Mitteleuropa nahezu das ganze Jahr √ľber ausge√ľbt werden.

Schlussfolgerungen

Im Rahmen der Salzburger Wanderstudie konnte mittels täglicher Selbsteinschätzung bestätigt werden, dass bereits nach einer Wanderung die Stimmung verbessert, von negativen Gedanken abgelenkt und Stresssymptome abgebaut werden können. Am Ende des Wanderprogramms konnten Selbstwert und Schlafqualität zusätzlich zur Wirkung der bestehenden psychotherapeutischen und psychopharmakologischen Behandlung verbessert werden, auch Angst- und Borderlinesymptome wurden reduziert. Die körperliche Fitness stieg aufgrund der sorgsam abgestimmten Routenplanung z.T. signifikant.

(Quellen: MedAustria 2012, Acta Psychiatr Scand 2012: 1‚Äď9 (doi: 10.1111/j.1600-0447.2012.01860.x)

Dec 05

(Image source: The Tribune India)

Diabetiker, haben langfristig weniger gesundheitliche Sch√§den und psychische Probleme – und damit eine h√∂here Lebenserwartung, wenn sie sich besser zu entspannen und den psychischen Umgang mit ihrer Erkrankung erlernen. Dies fand die k√ľrzlich im Magazin “Diabetes Care” ver√∂ffentlichte Heidelberger Diabetes und Stress-Studie (HeiDis) heraus, die erste kontrollierte klinische Studie, die den Effekt von Stressreduktion auf Diabetiker untersucht. Nach einer Studiendauer von 1 Jahr wurden die Ergebnisse ver√∂ffentlicht, denen zufolge die Teilnehmer an einer 8-w√∂chigen, fachlich geleiteten Anti-Stress-Gruppentherapie mit w√∂chentlichem √úbungsprogramm (z.B. Meditation, Atem√ľbungen, Reflexion und Umgang mit krankheitsbedingten Stressituationen etc.) nach einem Jahr weniger depressiv und k√∂rperlich fitter waren und einen niedrigeren Blutdruck aufwiesen. Ihre Eiwei√ü-Ausscheidung (diese nimmt mit nachlassender Nierenfunktion zu) war zwar unver√§ndert – bei der unbehandelten Kontrollgruppe jedoch hatte sich diese weiter verschlechtert.

Die leitenden √Ąrzte weisen zwar darauf hin, dass noch genauere Ursachenforschung erforderlich ist, betonen aber ihre Zuversicht, dass mittels der regelm√§√üigen stressreduzierenden Therapiemassnahmen die psychische Situation der zuckerkranken Patienten verbessert werden kann.

An der Studie nahmen 110 Diabetiker und Diabetikerinnen teil, wobei vor allem solche Patienten rekrutiert wurden, die bereits seit Jahren an Diabetes litten und ein hohes Risiko f√ľr Komplikationen hatten. Diese Patientengruppe hat besonders h√§ufig Depressionen und √Ąngste, da sie ihre Erkrankung als einschr√§nkend und bedrohlich erlebt. Zus√§tzliche Gesundheitsprobleme durch Gef√§√üsch√§den, z.B. an Herz und Augen, sind bei ihr ebenfalls h√§ufig. Die Idee zur Studie beruhte auf der Beobachtung, dass Personen, welche an psychischen Problemen leiden, erh√∂hte Stresslevel aufweisen, die wiederum das Schl√ľsselmolek√ľl aktivieren (den sogenannten Transkriptionsfaktor NF-kappaB) das Entz√ľndungen und Abbauprozesse ausl√∂st. Als n√§chstes wird die Umkehrhypothese getestet: ob n√§mlich weniger Stress und weniger psychische Probleme gesundheitliche Sch√§den verhindern kann. Allerdings existieren schon eine ganze Reihe von Studien, die ebendies nachweisen, wie regelm√§√üigen LeserInnen des Psychotherapie-Blogs nicht entgangen sein wird.

Die Teilnehmer bewerteten ihre Therapie √ľberwiegend als positiv; ihre Lebenseinstellung zu der Erkrankung habe sich ge√§ndert, sie wollten nun insgesamt bewusster und aufmerksamer leben. Jeder zweite Teilnehmer war an einer Fortsetzung der Therapie interessiert.

Diabetes Care vol. 35 no. 5 945-947 (doi: 10.2337/dc11-1343), MedAustria)

Jan 09

In einem Artikel stellte K. McGonigal, Psychologin an der Stanford University, eine praktische Anwendung f√ľr Erkenntnisse aus zwei k√ľrzlich ver√∂ffentlichten Studien vor, die den Wert selbst einfachster schriftlicher √úbungen auf unsere Psyche illustrieren.

In einer Studie reduzierte die Intervention Schadenfreude. Nach einer kurzen Schreibaufgabe berichteten die Teilnehmer, weniger Schadenfreude √ľber die Fehlleistungen einer anderen Person zu empfinden. Die meisten Menschen beschreiben Schadenfreude als positive Emotion – doch tats√§chlich kann sie ein gro√ües Hindernis f√ľr unser Gl√ľck darstellen. Je mehr wir uns am Leiden anderer erfreuen, desto schwieriger ist es f√ľr uns, aus dem Gl√ľck der anderen auch f√ľr uns selbst positive Gef√ľhle zu beziehen, Mitgef√ľhl f√ľr andere zu empfinden, aber auch eigene emotionale Bed√ľrfnisse ad√§quat wahrzunehmen und zu n√§hren.

Die Versuche in der zweiten Studie, welche unter etwa denselben Versuchsbedingungen stattfand, erh√∂hten den Mut der Teilnehmer, Details √ľber ihre eigenen medizinischen Risiken zu erfahren – etwas, das die meisten Menschen aus Angst, etwaige bedrohliche Krankheiten herauszufinden, instinktiv abwehren. Doch Offenheit gegen√ľber potenziell bedrohlichen Informationen kann nicht nur Leben retten, sie ist auch die Grundlage f√ľr die M√∂glichkeit, neue Perspektiven und Sichtweisen auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen.

Zusammen deuten diese Studien auf die M√∂glichkeit, mittels einer 15-Minuten-Aufgabe sowohl Mut als auch Mitgef√ľhl zu erh√∂hen, Stress zu reduzieren, die Selbstkontrolle und die Ausdauer im Angesicht von Herausforderungen zu erh√∂hen. So k√∂nnen Sie diese Methode McGonial zufolge auch f√ľr sich selbst nutzen:

  1. Machen Sie eine Liste der 3 f√ľr Sie wichtigsten Werte. “Werte”, das k√∂nnen Prinzipien, St√§rken, pers√∂nliche Qualit√§ten,¬† Rollen oder Erfahrungen sein, die subjektiv sinnvoll und wichtig f√ľr Sie sind. Typische Beispiele sind Tugenden (wie Ehrlichkeit, Geduld, Mut, Mitgef√ľhl), die F√§higkeit, die positiven Seiten und Potenziale des Lebens sehen zu k√∂nnen, Glaube, Verbindung zur Natur, Dienst an der Gemeinschaft oder Familie, Gesundheit, lebenslanges Lernen, Abenteuer, Tradition, Kreativit√§t, und √§hnliche Qualit√§ten.
  2. Wenn Sie kurzfristig eine Dosis zus√§tzlicher Selbstbest√§tigung ben√∂tigen, w√§hlen Sie einen dieser Werte und schreiben f√ľr 5-15 Minuten auf, warum gerade dieser Wert f√ľr Sie wichtig ist – und ein Beispiel daf√ľr, wie Sie ihn leben. Sie k√∂nnten beispielsweise √ľber eine vergangene Erfahrung schreiben, eine Zeit in Ihrem Leben, wo Ihnen dieser Wert half, eine Herausforderung zu bestehen. Oder auch etwas, bei dem Ihnen dieser Wert tagt√§glich hilft. Wenn Ihr Wert beispielsweise Gro√üz√ľgigkeit ist, k√∂nnten Sie √ľber ein Erlebnis schreiben, bei dem Sie einen Menschen in einer schwierigen Situation unterst√ľtzten, oder warum Sie regelm√§√üig Zeit und Geld f√ľr einen bestimmten wohlt√§tigen Zweck einsetzen.

Diese Technik hilft vermutlich nicht dabei, dauerhaft mehr Selbstwertgef√ľhl, Selbstkontrolle etc. zu erwerben, kann aber vor√ľbergehend dabei unterst√ľtzen, sich selbstsicherer und gelassener hinsichtlich bestimmter Herausforderungen zu f√ľhlen und diese damit besser zu bestehen.

(Quellen:¬† McGonial, K, “Find Your Courage and Compassion with One Question” in: psychologytoday.com; Howell JL & Shepperd JA, “Reducing information avoidance through affirmation. Psychological Science” in: Psychological Science; van Dijk WW, van Koningsbruggen GM, Ouwerkerk JW, & Wesseling YM (2011), “Self-esteem, self-affirmation, and schadenfreude.” in: Emotion, 11(6), 1445-1449. Photo Credit: lucilleroberts.com)

Nov 18

Die meisten Betroffenen gestehen sich selbst viel zu sp√§t ein, ‘burned out’ zu sein.
(Photo credit: Flickr/Zach Klein)

Burnout” ist eines der diagnostischen Modeworte der letzten Jahre, und von daher nicht ganz √ľberraschend stiegen die Zahlen der entsprechend diagnostizierten Patienten exorbitant an –¬† deutlich st√§rker, als Faktoren wie “schwierige Wirtschaftslage” oder “gestiegener Druck am Arbeitsplatz” dies erwarten lassen w√ľrden. Dies l√§√üt die Vermutung zu, dass es sich h√§ufig um Verlegenheitsdiagnosen handelt, welche dann gegeben werden, wenn die vorliegenden Symptome von Patienten nicht eindeutig einem physiologischen Krankheitsbild zuzuordnen sind oder eine “problematischer” klingende Diagnose – und das ist z.B. “Depression” f√ľr die meisten immer noch – vermieden werden soll.

Doch worum handelt es sich tats√§chlich bei diesem Diagnose-Begriff “Burnout” und was beschreibt er genau? Wie kann man feststellen, ob man selbst an “Burnout” leidet?

W√§hrend der letzten Jahre wurde von Psychologen, √Ąrzten und Therapeuten f√ľr die Diagnosestellung, Pr√§ventions- und Therapieans√§tze des “Burnout-Syndroms” eine ganze F√ľlle an Publikationen herausgebracht. Im Wesentlichen wird das Burnout-Syndrom dabei als Resultat einer chronischen Arbeits- oder interpersonellen Stressbelastung beschrieben, die sich in den drei Dimensionen emotionale Ersch√∂pfung, Depersonalisierung¬† / Zynismus und subjektiv empfundene reduzierte Leistungsf√§higkeit √§ussert (Maslach, C., 1976):

  • Emotionale Ersch√∂pfung wird als der wesentlichste Aspekt des Syndroms betrachtet und zeigt sich als emotionale und k√∂rperliche Kraftlosigkeit.
  • Depersonalisation/Zynismus beschreibt eine gef√ľhllose, abgestumpfte Reaktion auf Klienten wie z.B. Sch√ľler, Patienten, Kunden oder Mitarbeiter. Dieses Verhalten wird als Versuch interpretiert, Distanz zu schaffen.
  • Verminderte subjektive Leistungsbewertung beschreibt Gef√ľhle des Versagens und Ungen√ľgens, den zunehmenden Verlust des Vertrauens in die eigenen F√§higkeiten.

Der in der Psychologie verwendete und dort noch etwas genauer spezifizierte¬† Begriff, der den prozesshaften Verlauf des Burnout-Zustandes (im Unterschied zum Burnout-Syndrom) beschreibt, wird auf den in Frankfurt geborenen US-Psychologen Herbert Freudenberger zur√ľckgef√ľhrt, der diesen im Jahre 1974 auf der Basis pers√∂nlicher √úberlastungs-Erfahrungen in seinem Buch “Staff Burnout” gepr√§gt (und selbst vermutlich einer Novelle von Graham Greene entliehen) hat. Gemeinsam mit seiner Kollegin Gail North definierte er 12 sogenannte “Burnout-Phasen”, die im Gesundheitswesen bis heute h√§ufig zum Zweck der Diagnose herangezogen werden. Die Symptome m√ľssen allerdings weder in der beschriebenen Reihenfolge auftreten noch alle vorhanden sein, damit man laut H. Freudenberger / G. North1 von “Burnout” sprechen kann:

Die 12 Burnout-Phasen

  • Drang, sich selbst und anderen etwas beweisen zu wollen
  • Extremes Leistungsstreben, um besonders hohe Erwartungen zu erf√ľllen
  • √úberarbeitung mit Vernachl√§ssigung anderer pers√∂nlicher Bed√ľrfnisse und sozialer Kontakte
  • √úberspielen oder √úbergehen der inneren Probleme und Konflikte
  • Zweifel am eigenen Wertesystem und ehemals wichtigen Dingen wie Hobbys und Freunden
  • Verleugnung entstehender Probleme, zunehmende Intoleranz und Geringsch√§tzung Anderer
  • R√ľckzug und Vermeidung sozialer Kontakte auf ein Minimum
  • Offensichtliche Verhaltens√§nderungen, fortschreitendes Gef√ľhl der Wertlosigkeit, zunehmende √Ąngstlichkeit
  • Depersonalisierung durch Kontaktverlust zu sich selbst und zu anderen, das Leben verl√§uft zunehmend ‚Äěmechanistisch”
  • Innere Leere und verzweifelte Versuche, diese Gef√ľhle durch √úberreaktionen zu √ľberspielen (Sexualit√§t, Essgewohnheiten, Alkohol und Drogen)
  • Depression mit Symptomen wie Gleichg√ľltigkeit, Hoffnungslosigkeit, Ersch√∂pfung und Perspektivlosigkeit
  • Erste Selbstmordgedanken als Ausweg aus dieser Situation; akute Gefahr eines mentalen und physischen Zusammenbruchs.

Zu diesen psychischen Anzeichen kommen meist nach einiger Zeit des Leidens auch noch k√∂rperliche. Abgesehen von der reduzierten Performance und Effektivit√§t im Beruf wird bei “Burnout”-PatientInnen meist auch eine erh√∂hte Aussch√ľttung von Stresshormonen festgestellt. Die Betroffenen werden dadurch deutlich anf√§lliger f√ľr Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems und zahlreiche andere psychosomatische und rein somatische (sind es diese dann noch?) Erkrankungen, aber auch Depression.

Und hier liegt das Schl√ľsselwort, denn “Burnout” ist tats√§chlich (zumindest derzeit) gar kein wissenschaftlich anerkannter Diagnosebegriff, weder im Klassifikationsschema ICD-10, noch im aktuell g√ľltigen und vor allem im angloamerikanischen Raum h√§ufig eingesetzten DSM-IV. Und es sieht auch nicht danach aus, dass sich das in den derzeit in Begutachtung befindlichen n√§chsten Versionen dieser Manuals, dem ICD-11 und DSM-V √§ndern w√ľrde. Wie also l√§sst sich “Burnout” medizinisch korrekt definieren und wie ist es von anderen St√∂rungsbildern abzugrenzen?

Emotionale Ersch√∂pfung: es gibt starke Parallelen zwischen dem Auftreten beider St√∂rungsbilder, auch kann emotionale Ersch√∂pfung unbehandelt in Burnout m√ľnden.

– Auch zwischen Schlafst√∂rungen und Burnout bestehen Zusammenh√§nge und Wechselwirkungen: der Schlaf wird von vielen Burnout-Patienten als mangelhaft und nicht erholsam beschrieben, tags√ľber besteht h√§ufig Schl√§frigkeit und mentaler Energiemangel. Umgekehrt k√∂nnen Schlafprobleme einen Risikofaktor f√ľr sp√§teres Burnout darstellen.

Stress und Psychosomatik: akuter Stress kann kardiale St√∂rungen, Herzinfarkte und Diabetes Typ-2 ausl√∂sen. Chronisch h√∂here Spannungen in der Arbeit wiederum f√ľhren zu erh√∂hter Kortisol-Aussch√ľttung, die ihrerseits die Bildung des metabolischen Syndroms mit Hyperlipid√§mie und arterieller Hypertonie beg√ľnstigt. Die h√§ufig stressbedingten gesundheitssch√§digenden Verhaltensweisen, etwa erh√∂hter Nikotin- oder Alkoholkonsum und schlechte Planung k√∂rperlicher und psychischer Erholung, d√ľrften nach einiger Zeit auch ohne k√∂rperliche Stressreaktionen massivste Auswirkungen zur Folge haben. Bemerkenswerterweise scheinen Frauen vor allem auf muskuloskelettaler und Stoffwechselebene zu reagieren, M√§nner dagegen nahezu ausschlie√ülich auf kardiovaskul√§rer Ebene.

Depression: Die h√§ufigsten Fehldiagnosen finden vermutlich im vielen √Ąrzten und Therapeuten nur vage bekannten Graubereich zwischen Depression und “Burnout” statt. Ahola und Hakanen (2007) schlussfolgern auf Basis ihrer Untersuchungen, dass Burnout und Depressionen nicht gleichzusetzen sind, dass aber chronische Stressbelastungen √ľber Burnout-Zust√§nde in Depressionen m√ľnden k√∂nnen. So steigt bei zunehmendem Schweregrad von Burnout die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, auf bis zu 50% an (Ahola, Honkonen et al., 2005). Iacovides et al. (2003) betrachten Burnout und Depression jedoch als zwei separate Ph√§nomene und Krankheitskonzepte, die aber gemeinsame Charakteristika aufweisen. Auch ihnen zufolge m√ľndet unbehandeltes Burnout in seiner schwersten Stufe letztlich h√§ufig in Verzweiflung und Depression.

Zum Vergleich mit den oben beschriebenen Spezifika von “Burnout” hier die Merkmale einer depressiven Episode gem√§√ü ICD-10:

“Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden, leidet der betroffene Patient unter einer gedr√ľckten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivit√§t. Die F√§higkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgepr√§gte M√ľdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gest√∂rt, der Appetit vermindert. Selbstwertgef√ľhl und Selbstvertrauen sind fast immer beeintr√§chtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgef√ľhle oder Gedanken √ľber eigene Wertlosigkeit vor. Die gedr√ľckte Stimmung ver√§ndert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumst√§nde und kann von sogenannten “somatischen” Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Fr√ľherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abh√§ngig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.”

Es ist also davon auszugehen, dass ein betr√§chtlicher Teil der Menschen, die wegen ‚ÄěBurnout” eine l√§ngere Auszeit nehmen, de facto an einer depressiven Erkrankung leiden (wobei diese durchaus auch mit beruflichen Problemen in Zusammenhang stehen kann) – n√§mlich dann, wenn alle f√ľr die Diagnose einer Depression n√∂tigen Krankheitszeichen vorliegen. Zur Depression geh√∂rt immer auch das Gef√ľhl tiefer Ersch√∂pftheit, welches so manchen Arzt, Coach oder Therapeuten zur vorschnellen Diagnose “Burnout” verleiten d√ľrfte, da dieser Zustand Selbst√ľberforderung oder √úberforderung durch au√üen als Ursache suggeriert. Doch fatalerweise ist nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tats√§chliche √úberforderung der Ausl√∂ser der Erkrankung, was dann zu Fehlbehandlungen f√ľhren kann. Viele depressiv Erkrankte etwa f√ľhlen sich in einer schweren depressiven Episode zu ersch√∂pft, um ihrer Arbeit nachzugehen, ja um sich selbst zu versorgen; doch nach erfolgreicher Behandlung und Abklingen der Depression empfinden sie die zuvor als v√∂llige √úberforderung wahrgenommene berufliche T√§tigkeit wieder als befriedigenden und sinnvollen Teil ihres Lebens. Das ist bei Burnout jedoch nicht so: hier wird als Teil der Behandlungsstrategie h√§ufig empfohlen, langsamer zu treten, l√§nger zu schlafen und Urlaub zu machen. Liegt jedoch tats√§chlich eine depressive Erkrankung vor, w√§ren dies zumeist keine empfehlenswerten oder sogar gef√§hrliche Gegenma√ünahmen. Menschen mit depressiven Erkrankungen reagieren auf l√§ngeren Schlaf und eine l√§ngere Bettzeit nicht selten mit Zunahme der Ersch√∂pftheit und weiterer Stimmungsverschlechterung. Auch sind Urlaube oder Krankschreibungen etwas, von dem vielen depressiv Erkrankten abgeraten wird, da man die Depression “mitnimmt” und der eigene Zustand mit Antriebsst√∂rung, Gr√ľbeln und der Unf√§higkeit, irgendeine Freude zu empfinden, allein daheim oder im Urlaub in fremder Umgebung als besonders bedr√ľckend und schmerzlich erlebt wird. Nicht selten treten gerade in solchen Situationen dann erste Suizidgedanken auf. Aus diesem Grund ist eine fachkundige Diagnose, idealerweise durch √Ąrzte, Psychologen oder Psychotherapeuten, die sowohl im Feld der Depressions- als auch der Burnout-Betreuung Erfahrung haben, dringend anzuraten. Nur eine korrekte Diagnose erm√∂glicht einen ad√§quaten Therapieansatz sowie ein m√∂glichst rasches Greifen des therapeutischen Angebots!

Therapieansätze bei Burnout-Symptomatik

Aufgrund der Komplexit√§t der m√∂glichen Ursachen und Zusammenh√§nge, aber auch aus Gr√ľnden der h√§ufig schwierigen Abgrenzung der √Ątiologie und gegen√ľber anderen St√∂rungsbildern steht am Beginn einer erfolgreichen Therapie eine sorgf√§ltige medizinische und psychotherapeutische oder psychiatrische, sowie ggf. eine schlafmedizinische Diagnose. Die Therapie richtet sich dann naturgem√§√ü nach den Erkenntnissen dieser Diagnosestellung.

Bei leichteren Beschwerden ohne Depression gen√ľgen mitunter geringe Interventionen wie die Ausarbeitung alternativer Strategien f√ľr das Arbeitsumfeld, Entspannungsverfahren und Stressbew√§ltigungs-Techniken. Dies kann direkt am Arbeitsplatz (z.B. Arbeitspsychologe oder Coach) oder privat (Kurzzeit-Psychotherapie oder Coaching) geschehen.

Entspricht die Symptomatik jedoch einer depressiven Episode oder bestehen k√∂rperliche Symptome, die direkt oder indirekt mit einer Burnout-Symptomatik im Zusammenhang stehen, ist ad√§quate und regelm√§√üige Psychotherapie, n√∂tigenfalls mit pharmakologischer Unterst√ľtzung, bis zum v√∂lligen Abklingen der Symptome √ľber einen Zeitraum zumindest mehrerer Wochen indiziert. Ziel dieser Ma√ünahmen ist verbesserte Stressbew√§ltigung (Coping) und Pr√§vention (Coaching). Die Prognose ist i.d.R. gut; in Einzelf√§llen jedoch – etwa, wenn die Arbeitsstrukturen nicht ad√§quat ver√§ndert werden k√∂nnen und eine positive Arbeitsatmosph√§re nicht erreichbar scheint – kann aber auch eine radikale berufliche Ver√§nderung oder ein vor√ľbergehender Berufsausstieg (Krankenstand, Sabbatical,..) erforderlich sein, um eine vollst√§ndige Regeneration bzw. Rehabilitation zu erreichen.

Literatur zum Thema:
Depression
Burnout

Quellen:
Ahola K, Hakanen J. Job strain, burnout, and depressive symptoms: A prospective study among dentists. J Affect Disord. 2007;104:103-10.
Ahola K, Honkonen T, Isometsä E, Kalimo R, Nykyri E, Aromaa A et al.: The relationship between job-related burnout and depressive disorders Рresults from the Finnish Health 2000 Study. J Affect Disord. 2005;88: 55-62.
Iacovides A, Fountoulakis KN, Kaprinis S, Kaprinis G. The relationship between job stress, burnout and clinical depression. J Affect Disord. 2003;75:209-21.
Maslach, C. Burned-out. Hum Behav. 1976;5:16‚Äď22.
Freudenberg HJ. Staff burnout. J Soc Issues. 1974;30:159‚Äď64.
Nil R, Jacobshagen N, Sch√§chinger H, Baumann P, H√∂ck P, H√§ttenschwiler J, Ramseier F, Seifritz E, Holsboer-Trachsler E. Burnout ‚Äď an analysis of the status quo. Schweiz Arch Neurol Psychiatr. 2010;161(2):72‚Äď7.
Bildquelle: timsstrategy.com

Sep 24

Myalgic Encephalomyelitis (ME) – besser bekannt als Chronic Fatigue Syndrome (CFS) – betrifft rund eine Million Menschen in den USA und noch mehr in Europa. Dennoch gibt es viel zu wenige intensive Forschungsinitiativen, kritisieren Experten in einer Aussendung. Die Zahl der Patienten steige an, aber das Wissen √ľber m√∂gliche Behandlungsmethoden fehle.

Im Krankheitsverlauf zeigen sich meist neurologische, immunologische und endokrine Auff√§lligkeiten. Die Ursachen sind – trotz einer Vielzahl von Studien, die vor allem auf biologische und Umweltfaktoren abzielen – bis heute ungekl√§rt, es gibt nicht einmal laboratorische Tests oder Biomarker, die Hinweise auf bestimmte organische Komponenten geben k√∂nnten. Zu den h√§ufigsten Symptomen von CFS geh√∂ren Muskel-und Gelenkschmerzen, kognitive Schwierigkeiten, chronische geistige und k√∂rperliche Ersch√∂pfung bei vorheriger Gesundheit und normaler Aktivit√§t. Zus√§tzlich m√∂gliche Symptome sind Muskelschw√§che, Hypersensibilit√§t, Verdauungsst√∂rungen, Depressionen, reduzierte Immunabwehr sowie Herz-und Atemwegserkrankungen – bemerkenswerterweise alles Symptome, die auch beim Burnout h√§ufig sind. Es ist jedoch unklar, ob diese Symptome einander gegenseitig verst√§rken oder nur das Ergebnis der “eigentlichen” CFS sind. Um die Diagnose CFS zu rechtfertigen, d√ľrfen die Symptome nicht durch andere Erkrankungen verursacht werden.

Das Resultat der schlechten Forschungslage und Information ist wohl, dass die Krankheit oft jahrelang undiagnostiziert und unbehandelt bleibt. Das Vorkommen der Krankheit und ihr Einfluss auf das Gesundheitswesen sei höher als besser erforschte Krankheiten wie Multiple Sklerose oder HIV, so der belgische Forscher belgische Kenny De Meirleir. ME/CFS ist ihm zufolge eine chronische Krankheit, die die Lebensqualität der Betroffenen enorm einschränke.

Professor Luc Montagnier – Nobelpreistr√§ger 2009 f√ľr Medizin – meint, dass das Wissen, das √ľber das Syndrom bereits existiert, medizinisches Personal aber entweder nicht erreicht oder es zu wenig ernst genommen wird. Montagnier, einer der Mitendecker des HI-Virus, unterst√ľtzt einen neu gegr√ľndeten Think Tank zur Erforschung und Bewusstmachung der Krankheit. Die mit diesem verbundene Organisation “European Society for ME” (ESME) hat das Ziel, das Bewusstsein und die Forschung f√ľr die ernst zu nehmende Erkrankung interdisziplin√§r zu sch√§rfen.

(Quelle: European Society for ME; Erstveröffentlichung: 08/2010, letzte Aktualisierung im Kommentarbereich: 09/2011; Image src:autismfile.com)

Sep 22

Auch wenn die schlimmsten Bef√ľrchtungen √ľber die psychologischen Folgen des 9/11-Attentats in New York nicht eintrafen, so litt doch eine gesch√§tzte 1/2 Mio der Einwohner an Symptomen posttraumatischer Belastungsst√∂rungen (PTBS). Unter den Zehntausenden, die den Ereignissen direkt ausgesetzt waren, befanden sich 1.700 schwangere Frauen, von welchen einige ebenfalls an PTBS-Sypmtome entwickelten. Wie sich zeigte, wurden diese Symptome zum Teil auf deren Kinder √ľbertragen, wie Rachel Yahuda, Professorin der Psychiatrie und Neurologie an der Traumatic Stress Studies Division im Mount Sinai Medical Centre, New York, ver√∂ffentlichte.

Ausgangspunkt waren Messungen des Stresshormons Cortisol an Speichelproben betroffener schwangerer Frauen. Dieser Level war bei Frauen, die keine Symptome von PTSD aufwiesen, signifikant niedriger als bei den anderen. Die Kinder der Frauen zeigten sp√§ter √§hnliche Unterschiede bei den Messungen, wobei die Unterschiede dann am gr√∂√üten waren, wenn die M√ľtter sich im letzten Schwangerschaftsdrittel befanden. Diese Unterschiede zeigten sich auch bei Messungen der Stre√ükompensation – auch hier fand man h√∂here Belastungen der Kinder, deren M√ľtter den traumatisierenden Ereignissen ausgesetzt waren und PTBS-Symptome entwickelten, und auch hier zeigten sich die st√§rksten Symptome bei den Kindern, deren M√ľtter diese w√§hrend dem letzten Schwangerschaftsabschnitt erlebten. Doch wie ist dies m√∂glich?

Forschungsergebnisse der letzten 10 Jahre legen nahe, dass derartige Effekte vermutlich auf epigenetischen Mechanismen beruhen. Epigenetik ist das Studium der erblichen Veränderungen in der Genaktivität, die nicht aufgrund von Veränderungen in der DNA-Sequenz erfolgen. Die Epigenetik zeigt, wie Gene mit Umweltfaktoren interagieren, und wird mit vielen Veränderungen der Hirnfunktionen in Verbindung gebracht.

Eine wichtige Studie in diesem aufstrebenden Gebiet, ver√∂ffentlicht im Jahr 2004, zeigte, dass die Qualit√§t der Brutpflege von Ratten erheblich das Verhalten der Spr√∂√ülinge im Erwachsenenalter beeinflu√üt. Rattenjungen, die von ihrer M√ľtter w√§hrend der ersten Woche des Lebens regelm√§√üig umsorgt und geleckt wurden, konnten im sp√§teren Leben besser mit Stresssituationen und angstmachenden Situationen umgehen als Junge, zu denen wenig oder kein Kontakt aufgenommen wurde. Diese Ergebnisse selbst w√§ren nicht so neu, doch man fand bei weiteren Untersuchungen heraus, dass diese Effekte durch epigenetische Mechanismen, die Ausdruck des Glucocorticoid-Rezeptors, die eine zentrale Rolle bei der Reaktion des K√∂rpers auf Stress ver√§ndern vermittelt werden, verursacht wurden. Die Analyse der Gehirne von 1 Woche alten Jungen offenbarte Unterschiede in der DNA-Methylierung (einem Prozess, bei dem die DNA chemisch modifiziert wird). Methylierung beinhaltet das Andocken kleiner, Methyl-Gruppen’ benannte Molek√ľle, welche aus einem Kohlenstoffatom und drei Wasserstoffatomen bestehen, auf bestimmte Abschnitte in die DNA-Sequenz eines Gens.

Welpen, die ein hohes Ma√ü an Pflege und lecken erhielten, zeigten h√∂here Methylierung in jenen Regionen der DNA, die die Aktivit√§t des Glukokortikoid-Gens regulieren, die wenig beh√ľteten dagegen eine deutlich geringere, mit unmittelbaren Auswirkungen auf die F√§higkeit zur Stressverarbeitung. Auch Yehuda und ihre Kollegen stellten 16 unterschiedliche Gene fest, die bei den M√ľttern mit PTSD-Symtpomen. Einige dieser Gene regulieren die Funktion der Glucocorticoid-Rezeptoren und zwei – FKBP5 und STAT5b – hemmen direkt ihre Aktivit√§t. Bei Personen mit PTSD ist die Aktivit√§t dieser Gene reduziert, was die hone Glukokortikoid-Rezeptor-Aktivit√§t bei dieser St√∂rung erkl√§ren k√∂nnte. √Ąhnliche Effekte wurden seither auch bei Mi√übrauchs-Opfern, Kriegsveteranen und Opfern des Nazi-Holocaust festgestellt.

Hohe Cortisol-Level stehen offenbar in direktem Zusammenhang mit dem Risiko, an Folgeerscheinungen traumatischer Erfahrungen zu erkranken, und die Ver√§nderungen in den betreffenden genetischen Markern samt ihren Konsequenzen f√ľr die Stre√übew√§ltigung sind scheinbar in der Lage, auf Folgegenerationen √ľbertragen zu werden. Diese epigenetischen Faktoren k√∂nnten im Zusammenhang mit genetischen Variationen erkl√§ren, warum manche Menschen leichter an PTSD-Folgen erkranken als andere.

In der tierexperimentellen Studie wurden die epigenetischen Modifikationen und die damit verbundenen √Ąnderungen an den Glucocorticoid-Rezeptoren im Hippocampus, beobachtet – einer Hirnregion, die f√ľr Lernen und Ged√§chtnis zust√§ndig ist. Epigenetische Marker k√∂nnten demnach bei der Bildung von traumatischen Erinnerungen dauerhaft angelegt werden. Letzten Monat berichteten Forscher von der University of Pennsylvania, dass epigenetische Marker durch zwei Generationen von M√§usen √ľbertragen werden k√∂nnen, was darauf hindeutet, dass Kinder, die den Alptraum des World Trade Center-Angriffes noch in der Geb√§rmutter von ihren M√ľttern ‘erbten,’ sie wiederum an ihre eigenen Kinder weitergeben k√∂nnten.

(Quellen: The Guardian 11.09.2011 (also:Image source);
Yehuda, R et al (2005): Transgenerational Effects of Posttraumatic Stress Disorder in Babies of Mothers Exposed to the World Trade Center Attacks during Pregnancy. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, DOI: 10.1210/jc.2005-0550;
Yehuda, R et al (2009): Gene Expression Patterns Associated with Posttraumatic Stress Disorder Following Exposure to the World Trade Center Attacks. Biological Psychiatry, DOI: 10.1016/j.biopsych.2009.02.03;
Sarapas, C et al (2011): Genetic markers for PTSD risk and resilience among survivors of the World Trade Center attacks. Disease Markers, DOI: 10.3233/DMA20110764

Sep 09

Gewalterfahrungen und andere traumatische Erlebnisse k√∂nnen langfristig nicht nur zu psychischen sondern auch zu k√∂rperlichen Erkrankungen f√ľhren, wie aktuelle Studien aus den USA und Deutschland zeigen. So haben Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsst√∂rung (PTBS) ein erh√∂htes Risiko f√ľr Herzerkrankungen, Diabetes und andere chronische Krankheiten, wie Experten auf der internationalen Tagung ‚ÄěFolgen der interpersonellen Gewalt‚Äú an der Justus-Liebig-Universit√§t Gie√üen referierten.

Bis zu 10% der Erwachsenen in Deutschland geben an, in ihrem Leben gewaltt√§tige √úbergriffe erlebt zu haben. Solche traumatischen Erlebnisse haben Folgen, auf k√∂rperlicher Ebene beg√ľnstigen sie insbesondere die Entwicklung von chronischen k√∂rperlichen Erkrankungen. Wissenschafter des ‚ÄěUS Department of Veterans Affairs‚Äú etwa haben festgestellt, dass Kriegsveteranen mit einer posttraumatischen Belastungsst√∂rung (PTBS) deutlich h√§ufiger an einer koronaren Herzerkrankung (KHK) leiden als Veteranen ohne PTBS. Bei 76% der Veteranen mit PTBS (im Unterschied zu 59% bei nicht traumatisierten Veteranen) konnten die Forscher so genannten Koronarkalk, einen Risikomarker f√ľr zuk√ľnftige Herzinfarkte, nachweisen.

Auch andere chronische Leiden wie etwa Asthma, Diabetes, chronische Schmerzerkrankungen, Osteoporose oder Schilddr√ľsenerkrankungen k√∂nnen Folge eines Traumas sein. Eine gro√üe, an der √§lteren deutschen Bev√∂lkerung durchgef√ľhrte epidemiologische Untersuchung der Universit√§tsklinik Leipzig zeigte auf, dass Menschen mit PTBS durchschnittlich fast 3x so h√§ufig von chronischen Krankheiten betroffen sind wie Menschen ohne Traumatisierung. Dazu kann zum einen der risikoreiche Lebensstil von PTBS-Erkrankten, wie ein erh√∂hter Zigarettenkonsum, beitragen. Doch viele Erkrankungen sind vermutlich durchaus auch direkte Folge des Traumas: Patienten mit PTBS reagieren auf Belastung mit intensiveren und l√§nger anhaltenden Aussch√ľttungen von Stresshormonen, ihre Blutwerte zeigen zudem h√§ufig Zeichen einer chronischen Entz√ľndung. ‚ÄěStresshormone und Entz√ľndungsbotenstoffe sind Risikofaktoren f√ľr Typ 2-Diabetes und koronare Herzerkrankungen‚Äú, erkl√§rt der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft f√ľr Psychosomatische Medizin und √Ąrztliche Psychotherapie (DGPM) Johannes Kruse.

Patienten mit einer Posttraumatischen Belastungsst√∂rung (PTBS) werden ungewollt ‚Äď etwa in Albtr√§umen ‚Äď immer wieder mit einem traumatischen Erlebnis konfrontiert. Sie versuchen, Gedanken, Orte und Aktivit√§ten zu vermeiden, die mit dem Trauma zusammenh√§ngen. Symptome wie Depressionen, Schlafst√∂rungen, Schreckhaftigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und sozialer R√ľckzug k√∂nnen Folgen eines Traumas sein.

(Quellen: MedAustria, Psychosomatic Medicine issue 73(5), p401-406; Image src:loddmedicalgroup.com)

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ÔĽŅ10.06.18