Jan 21

20.01.2009: Barack Obama’s Amtseinführung. Ich erhalte die Anfrage einer Redakteurin, welche durch Obama’s Wahlspruch “Yes We Can!” zu einer Story über Selbstbewußtsein und positives Denken inspiriert wurde. Könnte ich dazu ein paar Gedanken beitragen?

Nicht, daß mir gerade heute langweilig gewesen wäre – aber ich hatte mir  schon öfters zu Obama’s Wirkung auf die Menschen Gedanken gemacht (auch hier im Blog) und war gerne bereit, diese bei Gelegenheit in die Tasten zu klopfen:

Barack Obama’s Wahlslogan “Yes We Can!” war zweifellos ein genialer Wurf seines Teams. Jedes Wortelement des Slogans ist “stark” im Sinne einer Ermutigung und Hervorhebung des Wertes jedes Einzelnen, der/die sich der Wahlbewegung anschließt.

“Yes!” – ein erleichterndes, positives “JA” statt dem jahrelangen, negativen “Nein”, in dem vor allem die Gefahren, die auf die Menschen lauern, und die Feindlichkeit einzelner Facetten des Lebens beschworen wurden. Diese waren dann durch den  jeweiligen “War against XY” zu bekämpfen. Selbstsichere Menschen sagen “Ja” zum Leben und versuchen, Probleme zu lösen, statt die Schuld für die Umstände ausschließlich bei anderen zu suchen.

“We!” – auch wenn dies viele Menschen auf der Suche nach mehr Selbstbewußtsein mißverstehen: Selbstbewußtsein ist nicht mit Egomanie zu verwechseln, und schon gar kein Selbstzweck. Wir sind durch Jahrhunderttausende als soziale Wesen ‘programmiert’, Einzelgänger sind meist nicht dauerhaft glücklich und haben eine Tendenz, in eher skurille Weltbilder abzudriften. Obama’s Team beschwor das Gemeinsame – gemeinsam erreicht man mehr als allein, große und schwierige Projekte sind überhaupt nur so zu bewältigen. Schön fand ich, wie liebevoll und offen diese Familie augenscheinlich miteinander umgeht, und sich Obama selbst in den heißesten Wahlkampfphasen immer wieder Zeit für das “We!” rund um die eigene Familie nahm.

“Can!” – ein ganz wesentlicher Bestandteil eines positiven Lebensgefühls ist die Erfahrung, etwas Sinnvolles bewirken oder etwas an einem Mißstand verändern zu können. Selbst kleinste Aufgaben ermöglichen es uns, am Glücksgefühl über das Gelungene teilzuhaben. Es war rührend, in TV-Dokumentationen sogar an Obama-Plakaten mitbastelnde Kleinkinder, Alte, geistig Behinderte usw. zu sehen – aber in ihrer aller Augen leuchtete dieses “Can!”-Gefühl. Und – sie haben es tatsächlich geschafft!

Ich bin zu sehr Realist, um zu glauben, daß positives Denken diesen Erfolg bewirkt hat – ermöglicht hat er ihn aber definitiv. Dieses Potenzial “positiven Denkens” aber sollte uns auch – bei aller kritischen Selbstreflexion – im ganz normalen Alltag ermutigen, die Herausforderungen des Lebens letztlich dennoch auf möglichst positive Weise anzunehmen.

Ich meine, daß es eine der großen Leistungen von Barack Obama und seinem Team war, den Amerikanern, aber auch vielen Bürgern in aller Welt wieder ein Gefühl von Selbstwert zu geben – das Gefühl, daß die eigene Rolle gerade auch in einer immer stärker regulierten und entfremdenden Welt eine wichtige ist und es – nicht nur bei der Wahl! – auf jede einzelne erhobene Stimme ankommt. Denn man kann noch so selbstbewußt sein, noch so positiv denken: das größte Glücksgefühl stellt sich ein, wenn auch andere etwas von der eigenen positiven Energie haben…

Inwieweit die beworbene Botschaft auch tatsächlich der Politik Obamas entsprechen wird, wird die Zukunft zeigen.

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Gedanken zu “Die “positive vibes” des Barack Obama”:

  1. Kommentar von entwurf:

    ja, positives denken mag den erfolg mit ermöglicht haben. aber george w. bush und der nicht gewählte mccain, aber vielmehr noch sarah palin haben auch ihren anteil am erfolg obamas.

    und auch die möglichkeiten der demokratie, die einem nicht nur zu wählen gestattet, sondern auch abzuwählen. und das stimmt ebenso positiv.

    grüsse
    entwurf

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01.09.19