Oct 28

In bestimmten Städten Südostasiens über “Sex-Sucht” zu sprechen, ist etwa so, wie während des Oktoberfestes über Alkoholismus zu referieren: ein Feuerwerk von Witzen und augenzwinkernden “Geständnissen” (“ja, ich bin auch ein Abhängiger!”) sind beinahe unvermeidlich… Doch nur die wenigsten Leute wissen, was Sex-Sucht eigentlich ist oder bedeutet.

Sex-Sucht (bei Männern mitunter auch Satyriasis oder „Donjuanismus“ und bei der Frau Nymphomanie genannt) ist ein umgangssprachlicher Begriff für Hypersexualität, bei der die betroffene Person nicht in der Lage ist, ihr Sexualverhalten zu steuern. Exzessiver sexueller Antrieb, die empfundene Machtlosigkeit und die Benutzung von Sex als Schmerzmittel erzeugt aber grossen Druck nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für jene, die mit ihnen zu tun haben. Viele Betroffene investieren eine Menge Zeit und Geld, um ihrer Obsession mit allem, was mit Sex zu tun hat, nachzugehen, und riskieren damit mitunter sogar ihren Job, ihre Partnerschaften, sie beeinflussen ihr tägliches Sozialleben und nehmen – bewusst oder unbewußt – das Risiko körperlicher und seelischer Schäden in Kauf. Bei den meisten bleibt es zwar bei zwanghafter Masturbation oder intensivem Konsum von Pornografie oder bezahltem Sex, bei anderen aber kann die Abhängigkeit auch illegale Aktivitäten wie Exhebitionismus, Voyeurismus, obszöne Anrufe, sexuelle Belästigung oder sexuellen Missbrauch einschliessen. Besonders hier in Asien möchte ich diesbezüglich auch auf die Verletzung verschiedener lokaler Gesetze wie das Filmen von sexuellen Akten oder das organisieren von Sex-Parties hinweisen. Manche Sex-Abhängigen geben grosse Teile ihres Geldes zur Befriedigung ihrer sexuellen Lust aus – im Prinzip ist ihr Gelderwerb und ihr gesamtes Denken stark mit der Befriedigung ihres sexuellen Antriebs verbunden. Und all dies, obwohl “Sex-Junkies” nur selten dauerhafte Befriedigung durch ihre sexuellen Aktivitäten erlangen und auch so gut wie nie emotionale Verbindungen mit ihren Sexpartnern eingehen können. Viele vergleichen ihre damit verbundenen Gefühle mit einer dauerhaften Jagd – doch ohne jemals die Befriedigung zu erleben, “satt” zu werden.

Leider ist es für Sex-Abhängige auch verzerrtes Denken typisch – sie rechtfertigen und rationalisieren ihr Verhalten und beschuldigen andere für die Probleme, die ihre Handlungen zur Folge haben. So lange wie möglich wird ein Eingeständnis von Problemen vermieden. Aus diesem Grund benötigt es häufig ein einschneidendes Ereignis wie eine Kündigung, Trennung des Partners, eine Verhaftung oder Gesundheitsprobleme, um beim Abhängigen eine erste echte Konfrontation mit dem Problem zu bewirken.

Fachleute kämpfen immer noch mit der exakten Definition und Diagnose von Hypersexualität, es gibt jedoch keinen Zweifel darüber, dass das Problem an sich existiert. Hypersexualität ist auch ein Symptom der manischen Phasen bei bipolaren (“manisch-depressiven”) und sogenannten schizoaffektiven Störungen und häufig auch verbunden mit Depression oder anderen Formen der Abhängigkeit, wie etwa Alkoholismus oder Drogenmissbrauch. Die Behandlung von Hypersexualität konzentriert sich auf die Kontrolle des Suchtverhaltens und die Unterstützung der Betroffenen, wieder zu einer gesunden Ausübung der Sexualität zurückzufinden.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image src:vgstudio/Shutterstock)

Interessiert Sie dieses Thema? Dann ist für Sie vielleicht auch mein umfangreicherer Artikel zur Hypersexualität (“Sex-Sucht”) interessant.

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01.09.19