May 15

(Bild: J.Dowland/Getty Images)

In der Geschichte war der Begriff sexueller „Normalität” fast durchgehend moralischen Gesichtspunkten unterworfen, und bis heute ist die Abgrenzung zwischen Normalität und Perversion (Paraphilie) schwierig.
Auch kulturelle Unterschiede und gesetzliche Regelungen definieren mit, was „normal“ und was „abartig“ ist – das läßt sich beispielsweise im Vergleich zwischen westlichen und asiatischen, oder westlich/christlichen und muslimischen Ländern beobachten.

Verschiedene international gültige Diagnoseschemata definieren unter anderem diverse Fetische, aber z.B. auch masochistische und sadistische Rollenspiele als Sexualstörung. Statistiken zufolge wären danach jedoch rund 50 Prozent aller europäischen Männer bewusst oder latent paraphil, bevorzugen also „abnormale“ Reizmuster und Trigger zur sexuellen Erfüllung – demnach wäre eine Definition von Normalität aber eigentlich fragwürdig und künstlich. Entwürfe für neuere Versionen der fachlichen Leitlinien unterscheiden deshalb bereits zwischen krankhaften Paraphilien, deren Ausleben andere Menschen schädigen (z.B. Pädophilie oder extreme Formen von BDSM), und harmlosen, spielerischen sexuellen Abweichungen.

Doch die Freiheit, so gut wie jede sexuelle Neigung ausleben zu können, bedeutet nicht automatisch auch, daß man selbst oder der/die Partner/in damit glücklich ist. Wenn befriedigende Sexualität nur unter sehr eingeschränkten Rahmenbedingungen möglich ist, mit dem Gesetz in Konflikt steht oder unsere Neigungen uns selbst oder die Partnerschaft belasten, bewährt es sich fast immer, im Kontext einer Sexualberatung nach möglichen Lösungen zu suchen.

(Mehr über dieses Thema und sexuelle Abweichungen finden Sie in meinem diesbezüglich wesentlich umfangreicheren Artikel zur Sexualtherapie auf dieser Website.)

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