Jun 13

Schon Stunden nach der Gabe von Antipsychotika zeigen sich rasch reversible Veränderungen des striatalen (s. Striatum) Volumens, wie eine Studie aus dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim und dem National Institute of Mental Health, Bethesda, USA, zeigte, welche kürzlich in “Nature Neuroscience” veröffentlicht wurde.

Antipsychotika werden bei der Behandlung von Schizophrenie und anderen schweren seelischen Störungen eingesetzt und blockieren einen Rezeptor des Botenstoffs Dopamin im Gehirn. Sie verursachen oft sog. extrapyramidalmotorische Symptome (EPS) – Ruhelosigkeit sowie unfreiwillige Bewegungen der Gliedmaßen und des Gesichts -, die bereits innerhalb von Minuten nach der Medikamenten-Einnahme einsetzen können.

Im Zuge der Studie fand man heraus, dass das Medikament Haloperidol bei jungen gesunden Männern innerhalb von Stunden nach einer einzigen Gabe das Volumen der grauen Substanz des Gehirns in einer für die Motorik wichtigen Gehirnregion, dem Putamen, reduzierte. Dieser Volumenverlust war reversibel: innerhalb von 24 Stunden erreichte das Gehirnvolumen wieder sein normales Maß. Eine so schnelle Veränderung der Hirnstruktur war zuvor noch nie beobachtet worden, was nahelegt, dass Dopamin für plastische Veränderungen des menschlichen Gehirns (Neuroplastizität) wichtig ist.

Das internationale Forscherteam fand weiterhin, dass die Schwere von EPS bei gesunden Probanden stark mit dem Ausmaß an Gehirnvolumenreduktion korrelierte. Der Zeitverlauf der motorischen Störung spiegelt deutlich die raschen Veränderungen der Gehirnstruktur und der Konnektivität wieder. Diese Studie legt nahe, dass kurzfristige strukturelle Hirnveränderungen für einige der Nebenwirkungen von Antipsychotika beim Menschen verantwortlich sein können.

Anmerkung R.L.Fellner: offensichtlich dürften aber sehr wohl auch chronische / dauerhafte Veränderungen bei der Langzeitkonsumation von Antipsychotika bzw. Neuroleptika auftreten – wenn die Nebenwirkungen stets nur “kurzfristig strukturell” wären, existierten extrapyramidalmotorische Symptome bei entsprechenden Patienten ja nicht…

(Quelle: Tost H, Braus DF, Hakimi S, Ruf M, Vollmert C, Hohn F, Meyer-Lindenberg A., “Acute D(2) receptor blockade induces rapid, reversible remodeling in human cortical-striatal circuits”, in: Nature Neuroscience 2010 Jun 6 [Epub ahead of print], PMID: 20526332; Image src:bonkersinstitute.org)

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Gedanken zu “Gehirnveränderungen durch Antipsychotika”:

  1. Kommentar von Elfriede Ettlmaier:

    Hat das Antipsychotika Haloperidol Nebenwirkungen?

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01.09.19