Oct 03

In seinem aktuellen Buch “The Emperor’s New Drugs: Exploding the Antidepressant Myth” widmet sich der englische Psychologe, Hypnotherapeut und Verhaltenstherapeut Irving Kirsch den Mythen bezüglich der angeblichen Effizienz der Antidepressiva sowie der wissenschaftlichen Theoriebildung um das Krankheitsbild der Depression. Auch ich selbst habe mich vor 4 Jahren in einem Artikel diesem Thema gewidmet (auf meiner Website verfügbar: Link) – wenn auch weitaus weniger umfangreich, aus anderen Perspektiven und mit anderen Begründungen. Ähnlich jedoch waren die Schlußfolgerungen – Antidepressiva würden in ihrer Wirkung überschätzt, sollten nur bei schweren Depressionen temporär und gezielt zur Symptomentlastung eingesetzt werden, das Fundament der Behandlung sollte jedoch Psychotherapie darstellen.

Kirsch illustriert in seinem Buch, dass Antidepressiva nicht wirksamer seien als Placebos, Scheinmedikamente ohne Wirkstoff (was aber nicht bedeutet, dass sie wirkungslos sind – ausdrücklich warnt er Betroffene davor, die Antidepressiva abrupt und ohne Absprache mit einem Arzt abzusetzen.) Seine Auswertungen von einer Vielzahl von z.T. bisher unveröffentlichten Studien rund um die Wirkung von Antidepressiva (siehe Blog-Eintrag “Antidepressiva verträglicher, aber kaum besser wirksam“) ergab, “dass 82 Prozent der medikamentösen Wirkung auch durch wirkungslose Placebos erreicht werden kann.” Statt Psychopharmaka empfiehlt er Psychotherapien. Zwar seien auch diese kurzfristig kaum effektiver als Placebos, langfristig aber wirksamer, weil die Therapierten seltener Rückfälle erlitten.

In einem Artikel auf Telepolis gibt der Journalist Matthias Becker lesenswerte Einblicke sowohl in das erwähnte Buch Irvings’ als auch in die Hintergründe der Marketingtätigkeiten der Pharmakonzerne, welche auf verschiedensten Wegen versuchen, die öffentliche Meinung über psychische Krankheiten, deren Ursachen und die empfehlenswerteste (das ist dann i.d.R. eine Psychopharmaka-basierte) “state of the art”-Behandlung etwa über die Finanzierung von “Informations”-Websites, die Manipulation oder Unterdrückung spezifischer Studienergebnisse etc. zu beeinflussen.

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