Mar 16

Die Medienberichte über das Erdbeben in Japan wurden bereits nach wenigen Tagen von der atomaren Katastrophe, die sich in Fukushima ereignete, überlagert. Nahezu jeder, der die Bilder im TV oder Zeitungen sah, wird betroffen gewesen sein … mich persönlich erinnerten sie an die im japanischen Hiroshima-Museum gezeigten Katastrophen-Bilder: menschenleere Strassen, Ruinen, Rauchwolken. Strassenpolizisten sind in weisse Strahlenschutzanzüge gekleidet und tragen Atemschutzmasken. Mindestens eine halbe Million Menschen muß aus der Strahlenzone evakuiert werden.

Was in der Psyche vieler Japaner vorgeht, die nun bereits das zweite Mal innerhalb von knapp 70 Jahren auf ihrer Inselgruppe eine atomare Katastrophe -neben Tschernobyl- unerreichten Ausmaßes erleben, ist kaum vorzustellen. Japan hat die Atomenergie in eine Kraft des Friedens, des wirtschaftlichen Gedeihens verwandelt – das ist eine der großen Nachkriegsleistungen Japans, real und symbolisch. Doch wieder hat sich das “Atom” in eine Geißel des Volkes verwandelt, und das, obwohl die japanischen Kernkraftwerke zu den “sichersten” der Welt gehören.

Dieses Trauma wegzustecken, wird nicht möglich sein – wiederholt sich eine Schockerfahrung, fallen auch bei der stabilsten Psyche die letzten Barrieren. Oberflächlich betrachtet reagieren die meisten Japaner zwar gefasst wie immer – man kann aber davon ausgehen, dass die Katastrophe massive Konsequenzen haben wird. Selbst eine Abkehr von der Atomenergie ist unter solchen Umständen denkbar, obwohl Japan heute 20% seines Energiebedarfs damit deckt. Doch in Fukushima bekam die Menschheit (ein weiteres Mal) ihre Grenzen vorgeführt – es ist zu hoffen, dass die Karthasis des Traumas ultimativ in massiver Forschung nach alternativen Energiegewinnungstechniken mündet. Japan könnte auch dafür eine Keimzelle sein, ähnlich, wie Traumapatienten aus einer erfolgreichen Therapie häufig kräftiger und kreativer hervorgehen als sie das vor dem tragischen Ereignis waren.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:Augsburger Allgemeine)

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Gedanken zu “Fukushima: ein Trauma wiederholt sich”:

  1. Kommentar von Karl:

    Schade, dass das ganze passiert.

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25.06.19