Nov 29

Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS oder PTSD) rückten während der letzten Jahre ins Zentrum psychologischer Forschung. Sie entstehen, wenn Menschen lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt sind – etwa bei Naturkatastrophen, Attentaten, Mißbrauchserfahrungen oder Kriegsgeschehnissen. Schätzungen zufolge leiden beispielsweise bis zu 50% aller aus Kriegsgebieten zurückkehrenden US-Soldaten an Formen posttraumatischer Belastungsstörungen. Doch PTBS sind nur schwierig und zumeist auch langwierig therapeutisch zu behandeln, auch wenn diverse medikamentöse Ansätze mittels dem Stresshormon Cortisol, dem Betablocker Propranolo u.a. [1] und Psychotherapie (v.a. die speziellen traumatherapeutischen Ansätze der Hypnotherapie bzw. EMDR sowie kombinierte Ansätze wie etwa die nach Reddemann) deutliche Fortschritte brachten.

Neue Hoffnung kommt nun aus einer ganz unerwarteten Richtung: in einer zusammen mit der Studentin E. Ganon-Elazar durchgeführten und im Journal of Neuroscience veröffentlichten Studie [2] wird dargelegt, dass die Aktivierung von Cannabinoid-Rezeptoren im basolateralen Kernkomplex der Amygdala (BLA) den verstärkenden Effekt von Stress bei der Konditionierung ausgleicht. Schon vor Jahren hatte der Pharmazeut Rafael Meshulam an der Jerusalemer Universität positive einschlägige Wirkungen erzielt, als er es traumatisierten Mäusen verabreichte, nun konnten seine Ergebnisse in Versuchsreihen mit Ratten bestätigt werden. Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von Kroatien in einem Berufungsverfahren gegen einen Mann, der im Jugoslawienkrieg gekämpft hatte und seitdem an einer PTBS leidet, dürfen Kriegsveteranen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen mittlerweile sogar Marihuana zur Selbstbehandlung züchten. [3]

Quellen: [1] Andrea Naica-Loebell: “Die Pille für das Vergessen” in: telepolis Online-Magazin, 08/2005; [2] Ganon-Elazar, E. & Akirav, I. (2009), Cannabinoid receptor activation in the basolateral amygdala blocks the effects of stress on the conditioning and extinction of inhibitory avoidance. Journal of Neuroscience, 29(36):11078-11088; [3] Der Standard 04.06.2009. Bildquelle:cannabisculture.com)

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