Dec 05

(Bildquelle: frag-dich-gesund.de)

Eine neue Studie beschreibt Zusammenhänge zwischen Psyche und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie z.B. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, welche nach heutigem Wissensstand zwar behandel- aber nicht heilbar sind. Die an der Universität Erlangen durchgeführte Studie zeigt, welche Auswirkungen diese Erkrankungen auf die Psyche der Betroffenen haben können. Unsicherheit im Sozialkontakt, ein erhöhtes soziales Unterstützungsbedürfnis und Depressivität zählen demnach zu den gravierendsten Faktoren.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen betreffen etwa 1% der mitteleuropäischen Bevölkerung und brechen zumeist im Alter von 15 bis 35 Jahren aus, einer Zeit, in der viele Menschen ihre Berufe planen, dort hohen Anforderungen ausgesetzt sind, und Familien gründen. Man vermutet deshalb Veränderungen der individuellen Umweltbedingungen und Stressbelastung als mitauslösende Faktoren. Gene und eine Barrierestörung des Darms werden ebenfalls als mitverursachend vermutet. Die Krankheiten verlaufen schubweise, mit Bauchschmerzen, häufigen Durchfällen und bei länger anhalten Schüben mit Gewichtsverlust und Schwäche. Neben den körperlichen Beschwerden spielen die psychosozialen Belastungen eine wichtige Rolle für Betroffene: Die Erkrankung kann von Ängsten begleitet sein, die Beschwerden werden häufig im Arbeits- oder sozialen Umfeld tabuisiert und können zu Problemen am Arbeitsplatz führen.

Zwischen 2011 und 2012 wurden insgesamt 270 Personen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und eine nicht von CED betroffene Kontrollgruppe von 110 Personen zu den ihr Wohlbefinden am stärksten beeinflussenden psychischen Faktoren befragt. Als Ergebnis zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, dem verstärkten Auftreten von Depressivität sowie einem erhöhten Bedarf an sozialer Unterstützung durch die jeweiligen Familien, Selbsthilfegruppen oder manchmal auch psychotherapeutische Massnahmen bieten. Anteilsmäßig besonders stark sind an Morbus Crohn erkrankte Patienten von psychischen Folgen betroffen, und diese darüber hinaus auch in ihrer Ausprägung von der Schwere des Entzündungsgrades abhängig.

(Quellen: Kompetenznetz Darmerkrankungen, MedAustria)

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Gedanken zu “Entzündliche Darmerkrankungen und psychische Folgen” (3):

  1. Kommentar von OP-Tisch-Pilotin:

    ich – schwer betroffene jugendliche, mitten im schülerleben stehend – trotz teils heftiger behinderungen im alltag, kann diesem beitrag nicht ganz folgen. gut, dass immer von “könnte” und “kann” geschrieben wurde.
    ich zumindest bin an meinem schweren verlauf gewachsen, und es eröffneten sich für mich teilweise tolle möglichkeiten, insbesondere im schulischen bereich, bzw. der bildung allgemein.
    ich habe tolle menschen kennengelernt, freunde gefunden, freunde aussortiert, neue interessen gefunden und ein ziel gefunden, das ich verfolge.

  2. Kommentar von r.l.fellner:

    Liebe OP-Tisch-Pilotin,

    das ist doch toll! Es deckt sich auch mit meiner Erfahrung als Psychotherapeut, daß viele KlientInnen, die ihre Colitis ulcerosa (a.k.a. “Reizdarm-Syndrom”), Magenbeschwerden, Morbus Crohn in den Griff bekommen oder zumindest verbessern konnten, “stärker” geworden sind und anders durch das Leben gehen als zuvor.
    Darauf gibt es jedoch ebenso keine “Garantie” wie auf exakt identische Krankheitsverläufe bei allen Menschen. Nicht selten haben die Betroffenen einen recht langen Weg hinter sich, weil sich ihre Symptome nicht so wie in den Lehrbüchern beschrieben zeigten und es viele “Stationen” benötigte, bis das Problem korrekt identifiziert und benannt war.

    Herzliche Grüße und weiterhin alles Gute!
    R.L.Fellner

  3. Kommentar von Colitis-Patient:

    Ich bin selbst an einer Colitis ulcerosa erkrankt und denke, dass bei mir die Psyche einen gewissen Anteil am Ausbruch der Erkrankung hatte. Ich habe einen eigenen Blog über chronische Darmentzündungen und eine sehr große Resonanz zu einem Artikel über Studien zum Thema Stress bei Crohn und Colitis bekommen (http://www.feuer-im-darm.de/wie-stress-morbus-crohn-und-colitis-ulcerosa-ausloesen-kann/). Ich war überrascht welche Horrorgeschichten mir andere Betroffene erzählt haben. Oft waren Tod oder schwierige Trennungen ein Auslöser und auch traumatische Erlebnisse in der Kindheit. Ich denke nicht, dass Stress der einzige Faktor ist, aber neben den Genen und der Ernährung ein ganz wichtiger. Deshalb sollte bei CED auch immer eine Psychotherapie angedacht werden.

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01.09.19