Nov 30

Erstmals seit den 1980er Jahren ist die Krankenstandsquote (Verlust an Jahresarbeitszeit durch krankheits- und unfallbedingte Fehlzeiten) unter Österreichs unselbstständig Beschäftigten wieder gestiegen. Fehlzeiten von mehr als einem Monat (“Langzeitkrankenstände”) machen zwar nur sechs Prozent der Fälle, aber 40 Prozent aller Krankenstandstage aus. Und sie haben deutlich negative Auswirkungen auf die Erwerbskarriere: Nach einem zwei- bis vierwöchigen Krankenstand steigt das Risiko im Jahr danach den Job zu verlieren um 25 Prozent, nach drei Monaten um 60 Prozent. Besonders hoch ist das Risiko nach Krankheiten des Bewegungsapparates und psychischen Erkrankungen. Letztere sind offiziell nur Grund von fünf Prozent der Krankenstände, liegen aber bei den Ursachen für den Wechsel in die Invalidenpension an zweiter Stelle.

Thomas Leoni vom Wirtschaftsforschungsinstitut verwies darauf, dass “alle Studien zeigen, dass die psychosoziale Belastung am Arbeitsplatz steigt”. Dafür verantwortlich seien Rahmenbedingungen wie Prekarisierung, Arbeitszufriedenheit und Motivation. Betriebliche Gesundheitsförderung sei bei einer systematischen Durchführung rein ökonomisch sehr lohnend: der Faktor werde in verschiedenen Studien zwischen 1:4 und 1:10 angegeben, was bedeutet, dass sich die Volkswirtschaft für einen zur Gesundheitsförderung ausgegebenen Euro vier bis zehn Euro ersparen könnte. Noch sei dafür in Österreich allerdings nicht genügend Bewusstsein geschaffen. Die hohe Zahl an Frühpensionisten wirkt sich in Österreich nach Ansicht des Experten “beschönigend” auf die Statistik aus. In der Krankenstandstatistik ganz vorne liegen skandinavische Länder, in denen höhere Pensionantrittsalter die Regel sind. (Quelle: Wifo, 27.11.2008. Photo src: photosearch.com)

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Gedanken zu “Krankenstände: psychische Ursachen nehmen zu” (2):

  1. Kommentar von r.l.fellner:

    Soeben erschienen auch die Daten aus Deutschland: auch dort nehmen seit Jahren die psychischen Leiden deutlich zu, nach Analyse der Autoren stieg die Zahl der Fälle seit 1996 um knapp 84%, wobei besonders Frauen betroffen sind. In der Rangliste der Männer nehmen psychische Gebrechen Platz sechs ein, in der Rangliste der Frauen bereits Platz drei. Meist werden Depressionen und Angststörungen diagnostiziert. Krankheitsbilder, die das Baugewerbe kaum kennt, die meisten dieser Fälle tragen sich im Dienstleistungssektor zu.
    Quelle: http://www.wido.de/fzr_2008.html

  2. Kommentar von Stöpsel:

    Interessant, diese Faktoren zu lesen, also daß 1 Euro in Gesundheitsförderung inverstiert 4 bis 10 Euro einsparen könnte (das bezieht sich nicht nur auf den Bereich psychosoziale Belastung, sondern auf den gesamten Gesundheitsbereich, denke ich?!). Daß es viel spart, hab ich mir schon lange gedacht, weswegen ich privat auch viel Geld für Gesundheit ausgebe (allerdings schwierig, wenn man nicht viel zum ausgeben hat). Auf Prävention müßte von seiten der Gesellschaft (sowohl bei psychischen als auch bei körperlichen Beschwerden) viel mehr Wert gelegt werden. Hoffen wir, daß sich das bald ändert. Leider ist es bei Prävention so, daß man deren Wert erst so richtig erkennt (außer man beschäftigt sich als Entscheidungsträger eingehender damit), wenn es zu spät ist… Nun ja, vielleicht bewirken explodierende Gesundheitskosten irgendwann ein Umdenken…

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25.06.19