Nov 30
Night Eating Syndrome / Nacht Heisshunger

Heisshunger in der Nacht: ein Problem vieler Menschen in OECD-Ländern. (img:Getty)

Bis heute ist fraglich, ob es sich beim sogenannten “Night Eating Syndrom” (“Nachtesser-Syndrom”) nur um eine schlechte Angewohnheit oder doch eine Krankheit handelt. Beim Night Eating Syndrom (NES) essen sich die betreffenden Menschen regelmäßig in der Nacht voll, sie schlafen schlecht und nehmen mindestens ein Viertel ihrer Nahrungsmenge spätabends oder nachts zu sich. Mehr als 70 Studien zu den biologischen Hintergründen des Phänomens haben keine entscheidenden neuen Erkenntnisse gebracht. Schwierig ist die Analyse deswegen, weil es in einer Grauzone verschiedener Störungen liegt: es enthält Spezifika von Essstörungen, Schlaf- und affektiven Störungen, diverse Kriterien dieser jedoch werden allerdings häufig auch nicht erfüllt: das Kriterium von Essstörungen etwa deshalb nicht, weil die meisten Betroffenen tagsüber ein normales Essverhalten aufweisen und auch nicht jeder Nachtesser übergewichtig ist.

Viele Betroffene leiden unter einem gestörten Schlaf, weil sie glauben ohne Stillen ihres Hungers nicht schlafen zu können, tagsüber fühlen sie sich häufig reizbar und müde. Forscher sprechen dennoch nicht von einer Schlafstörung. B. Mühlhans, die am Uniklinikum Erlangen eine Studie zum Störungsbild leitete, schätzt, dass ein bis zwei Prozent der Menschen an dem Problem leiden. Bei manchen verschwinde die Gewohnheit wieder, bei anderen chronifiziere sie mit den Jahren. Stress dürfte zumindest eine wichtige Mitursache sein, fast alle Betroffenen weisen hier bei Tests höhere Werte auf. Psychotherapeutische Verfahren werden deshalb als am effizientesten in der Behandlung des Syndroms erachtet.

Um eine bessere Klassifikation zu ermöglichen, wurden nun an der Universität von Pennsylvania diagnostische Kriterien definiert: betroffen sei, wer entweder seit mindestens drei Monaten mehr als ein Viertel seiner Nahrung nach dem Abendessen einnimmt oder mindestens zweimal pro Woche nachts deswegen aufsteht. Zudem müssen sich die Betroffenen der Episoden bewusst sein und Leidensdruck bestehen.

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