Dec 15

Den aktuellen Stand der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen wurde kürzlich auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) präsentiert.

Unter einer Persönlichkeitsstörung versteht man die extrem starke Ausprägung eines Persönlichkeitsstils wie etwa die zwanghafte, stark abhängige, ängstlich-vermeidende, paranoide, schizoide, die Aufmerksamkeit suchende, antisoziale oder stark narzisstische Veranlagung (Klassifikation siehe ICD-10). Charakteristisch ist bei allen Formen fehlende Flexibilität im Verhalten. Zwischen sechs und neun Prozent der Europäer leben mit so einer Störung, unter Psychiatrie-Patienten beträgt der Anteil in Deutschland sogar 40 Prozent. Betroffene, die besonders stressanfällig, emotional labil und ängstlich sind, entwickeln häufig andere psychische Folgeerkrankungen.

Man nimmt heute an, dass ein belastendes Lebensereignis oder eine nicht gelöste Lebensaufgabe dazu führen können, dass ein durch Vererbung, Beziehungs- oder Esserfahrungen geprägter Persönlichkeitsstil kranke Formen annimmt, die auch Behandlung erfordern. “Glaubte man lange, PS würden erstmals in der Pubertät auftreten und dann stabil bleiben, können das aktuelle Studien nicht bestätigen. Bei 35 Prozent der Patienten liegt das Vollbild der Störung nach zwei Jahren, bei 85 Prozent nach acht Jahren nicht mehr vor”, so Sabine C. Herpertz, Direktorin der Heidelberger Universitätsklinik für allgemeine Psychiatrie. Ohne Behandlung könne ein zur Krankheit gewordener Persönlichkeitsstil fatale Auswirkungen haben, die bis zum Suizid reichen.

Die am besten erforschte Persönlichkeitsstörung ist Borderline (BPS). Schlüsselpunkt sei das Training bestimmter Fertigkeiten, wie z.B. die der Regulation von Emotionen und Stress, die Steigerung des Selbstwertgefühls, das Achten auf sich selbst und sich in Schlüsselsituationen abzulenken oder zu entspannen. Bewährte Ansätze seien jene der DBT, Tiefenpsychologie, basale Kognitionen (z.B. in der Systemischen Therapie) oder auf Mentalisierung (z.B. in der Hypnotherapie), bei der man unter anderem auch die richtige Interpretation des eigenen oder fremden Verhaltens einübt.

Wer zu einer Persönlichkeitsstörung neige, sei laut Herpertz nicht von seiner genetischen Disposition abhängig, sondern könne lernen, die Auswirkungen auf Psyche und Verhalten zu steuern. Am besten vor Persönlichkeitsstörung geschützt seien extrovertierte, kontaktfreudige Charaktere, die nicht zu hohe Ansprüche an sich selbst stellen. “Günstig ist auch Ausdauer in Lebensaufgaben und Frust sowie soziale Zuverlässigkeit.” Allerdings können auch zuviel Skrupel sowie schädlicher Perfektionismus, übertriebene Ausdauer, Unfähigkeit zum Genuss und extreme Extrovertiertheit zu Problemen führen. “Es gilt stets den Weg der Mitte zu finden”, so die Heidelberger Psychiaterin.

(Quellen: Der Standard, DGPPN (Presseinfo / Abstract))

[Total: 0    Average: 0/5]

Gedanken zu “Persönlichkeitsstörungen sind gut behandelbar” (2):

  1. Kommentar von RalfHellbart (Ralf Hellbart):

    Persönlichkeitsstörungen (fehlende Flexibilität im Verhalten) sind gut behandelbar http://bit.ly/5jq9uC

  2. Kommentar von Zellenradschleusen:

    Die Betroffenen müssen auf jeden Fall lernen wie sie mit sich selber und ihrer Krankheit leben können und dagegen angehen. Ich habe bisher von keiner Heilung in Bezug auf eine Persönlichkeitsstörung gehört! Therapierbar auf jeden Fall nur leider niemals ganz heilbar!

Einen Kommentar schreiben


01.09.19