May 28

Bild: Karikatur RABE (Ralf Böhme)

Wenn Sie bei einer österreichischen Krankenkasse versichert sind und um Voll- oder Teilrefundierung für Ihre Psychotherapie-Kosten angesucht haben, wurden Sie vermutlich vor einigen Monaten von einer deutlichen Erweiterung der diesbezüglichen Auskunftsbegehren an Ihre(n) Psychotherapeuten(in) informiert. Bei der Wiener Gebietskrankenkasse soll spätestens im Juli dieses Jahres ein neues Antragsformular verpflichtend vorgeschrieben werden, wenn PatientInnen um Voll- oder Teilrefundierung ansuchen möchten. Dem Versicherungsträger gegenüber werden dann zum Teil sehr persönliche Daten anzugeben sein – Daten, welche mit den Therapieinhalten bzw. den jeweiligen psychischen Beschwerden nicht immer etwas zu tun haben müssen. Ob diese Informationen dann tatsächlich so “vertraulich” bleiben, wie vom Hauptverband immer wieder versichert, darüber muss man sich als ‘geprüfter Österreicher’ nach Bekanntwerden eines intensiven Datenaustausches u.a. mit dem amerikanischen NSA, dem BFIE-Skandal usw. leider so seine Gedanken machen…

Persönlich kann ich das “Bedürfnis” der Versicherungsträger, sicherstellen zu wollen, dass die allozierten Mittel auch sinnvoll eingesetzt werden, selbstverständlich nachvollziehen – allerdings war doch Psychotherapie schon seit jeher ein Stiefkind des Gesundheitssystems: die Refundierungsbeträge von € 21,90 wurden seit mittlerweile fast 25 Jahren (!!) nicht mehr an die Inflation angepasst, da scheint es eine Zumutung, den von psychischen Problemen Betroffenen für diesen anteilig mittlerweile höchst gering gewordenen Betrag auch noch zusätzliche “Datenkanüllen” anzulegen, zumal Zusatzanträge ohnedies auch schon derzeit fast immer einer chefärztlichen Bewilligung bedürfen – also keineswegs nur dem Gutdünken des jeweiligen Psychotherapeuten allein unterworfen sind! Es ergibt sich somit der Eindruck, dass die Kassen PatientInnen, die ihnen rechtmäßig zustehende Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen möchten, schlicht und einfach durch die Angst, dass ihnen die gemachten Angaben eines Tages zum Nachteil gereichen könnten, vergraulen wollen.
Die österreichischen Krankenkassen haben im Jahre 2013 Gewinn erwirtschaftet. Psychische Leiden gehören zu jenen, unter denen Menschen am stärksten leiden, die aber am seltensten frühzeitig erkannt und adäquat behandelt werden [Link].

Wenn auch Sie gegen die verpflichtende Verwendung des neuen Antragsformulars protestieren möchten, unterzeichnen auch Sie bitte die Online-Petition dagegen:

https://secure.avaaz.org/de/petition/Wiener_Gebietskrankenkasse_NEIN_zum_neuen_Krankenkassenformular_fuer_Psychotherapie/

Mehr Informationen für Interessierte: http://derstandard.at/2000001585614/

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Gedanken zu “Psychisch krank? Erzählen Sie uns mehr…” (5):

  1. Kommentar von nordlichtglanz:

    hallo alle miteinander! es ist schon erschreckend, wenn man akzeptieren muss, dass man psychisch erkrankt ist. ich bevorzuge die Aussage: ,, ich bin aus dem Gleichgewicht geflogen und versuche mein inneres Pendel wieder zu finden.”
    Diagnose- Komplextraumatisierung. Hm, ich dachte mein Zustand ist ,,nur” wegen des letzten bewaffneten Raubüberfalls so aus den Fugen geraten, aber weit gefehlt- das geschnürte vollkommende Paket macht es aus. Ich wollte es lange nicht einsehen, wie sehr ich schon eine Vorgeschichte hatte, aber ich hatte es so fein säuberlich unterm Teppich gekehrt und eigentlich auch vergessen. Das schlimme an einer PTBS ist eben, ,dass alle anderen Traumata wieder aufleben und mir persönlich fällt es unglaublich schwer zwischen Realität und Vergangenheit zu unterscheiden .Immer wieder holen mich Bilder- und Körperflashbacks ein und ich erstarre und kann gar nichts mehr tun. Theoretisch weiß ich, wie es zu funktionieren sollte, da ich selber im dritten Semester Psychologie studiert hatte, zur Zeit aber nichts mehr auf der Reihe bekomme. Ja, ich bin bei allen Anderen ein sehr geduldiger Mensch, nur bei mir nicht, aber ich versuche immer ein Stückchen weiter zu kommen, um nicht nur zu existieren, sondern um wieder leben zu können.

  2. Kommentar von Kerstin Okr.:

    Ich hab keine PTBS sonder STALKER an der Backe.

  3. Kommentar von Panik-typ:

    Hallo zusammen.
    Ich heisse A… und bin erst 26 Jahre alt. Ende 2013 arbeitete ich als Gleisbauer fűr die Bahn.Hin und wieder war ich auch zuständig die Wagons zu putzen. Arbeitete nur nachts bis um 05.00. Ich lernte eine Frau kennen die paar Jahre älter war als ich. Wir verstanden uns gut und hatten noch mehr miteinander.Sie hatte eine langjährige Beziehung hinter sich und ihr Getrennter Mann liebte sie immer noch sehr stark. Ich selbst hatte sehr viel spass mit ihr und wir genossen die Zeit zusammen. Bis ihr Mann einmal auf mich zukamm und mir massiv drohte wenn ich nicht die Finger von Ihr lassen wűrde käme das sehr schlimm fűr mich. In der Arbeitsstelle hatte ich Angst dies zu melden weil ich dachte mir das man mir Kűnden wűrde. Also behielt ich es fűr mich und sagte niemandem etwas darűber. Nach ca 2 monate eskalierte die Situation. Der Eiversűchtige Mann kam nachts zugerannt auf mich zu und schrie ganz laut. Er hatte noch ein Komplizen dabei. Als ich Ihn sah verschanzte ich mich im Zug. Gleich als ich die Tűre őffen wollte zerplitterte ein Fensterglas vom Zug. Ich sah wie auf mich geschossen wurde und verschanzte mich in der Toilete. Ich haarte daraufhin ca 10 min bis die Polizei eintraff. Als mein Chef dies mitbekam kűndete er mir per sofort. Ich musste gleich die Schlűssel abgeben. In den erstem 3 Wochen hatte ich einen Psychlogen der auch ganz schwierig zu mir tat.
    3Wochen war ich Krankgeschrieben und ich dachte mir die beste Medizin wäre gleich wieder zu arbeite. Ich begann als Bauarbeiter zu arbeiten was fűr mich sehr stressig war. Der Chef stresste mich immer herum. Bis ich nach 2 Wochen ein komisches Problem bekam. Ich musste ständig tief einatmen und es ging nicht immer richtig. Ich geriet oft in Panik und erzählte dies auch nicht meinem Arbeitskamaraden. Ich dachte mir es wűrde schon vorbeigehen und arbeitete noch 9 Monate mit diesem Problem weiter. Mit Temestas kämpfte ich mich durch. Eine Morgens und eine Abends. Vom stress geplagt und das Konsum von Temestas machten mir ganz komische Gedanken. Zum teil sehr schlimme Gedanken. Aber ich machte weiter und weiter. Bis ich so komische Klossgefůhle am Hals hatte.
    Ich konnte nicht mehr einmal weiter essen und musste eine Logopädien aufsuchen. Mit ihr ging es schon ganz gut sie half mir sehr gut und das Problem ging zurűck. Aber die ständige Tiefe Einatmung ist immer noch da. Angst einen Herzstillstand oder eine lähmung der Atmung zu bekommen ist sehr gross geworden. Ich befinde mich jetzt in einer Stationären Psychiatrie. Nehme 50 mg trimiptamin Abend und bis 2 Temesta am tag. Wie schaff ich es endlich von dieser tiefen einatmung wegzukommen ? Liebe Grűsse

  4. Kommentar von Tobias:

    Es ist wirklich erschreckend. Gut dass es das bei uns in Deutschland in der Form nicht gibt!

  5. Kommentar von Gesundheitssystem:

    Es ist schon sehr schade, dass Gesundheitssystem respektive Krankenkassen es den bedürftigen Personen noch zusätzlich erschweren, sich Hilfe zu holen. Das scheint in vielen Ländern wohl ähnlich zu sein…

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25.06.19