Jun 04

Meist geht es Paul gut, und er genießt das Leben. Dann aber gibt es Phasen, wo ihm seine Angst den Schlaf raubt und ihm auch tagsüber keine Ruhe mehr läßt: die Angst, schwer erkrankt zu sein. Kopfschmerzen könnten ein Hinweis auf einen Gehirntumor sein, geschwollene Lymphknoten, Durchfall oder ein Muttermal ein Hinweis auf Krebs, die Erinnerung an ein bestimmtes sexuelles Abenteuer löst Furcht aus, sich dabei mit HIV infiziert zu haben.

Paul verbringt täglich viel Zeit damit, seinen Körper auf verdächtige Hinweise zu untersuchen, ebenso wie mit dem Studium der denkbaren Krankheitssymptome. Das Internet erweist sich hierbei als diabolischer Gefährte: Unmengen an Information sind verfügbar, mitunter aber ist ihre Seriosität zweifelhaft, oder es tauchen Widersprüche auf. Arztbesuche bringen ebenfalls nur vorübergehende Erleichterung: könnte sich der Arzt nicht geirrt oder etwas übersehen haben?

Häufig sind die Betroffenen dieser Ängste zwar körperlich fit und leben sehr gesund – mit ihrer angstvollen Haltung aber können sie ihr Leben kaum mehr dauerhaft genießen. Kurzen Phasen der Erleichterung folgt unweigerlich ein Rückfall in die gleichen, scheinbar unbezwingbaren Panikgefühle – oder neue Krankheitssorgen.

Doch man braucht sich, wenn man unter derartigen Ängsten leidet, nicht zu schämen – es handelt sich dabei um eine Angst mit Ursachen, für die man nichts kann, und die mit Methoden aus der Psychotherapie und Hypnotherapie gut behandelbar ist, sofern die Bereitschaft besteht, über einen gewissen Zeitraum hindurch regelmäßige ambulante Sitzungen zu absolvieren. In diesen werden Strategien für einen Umgang mit den chronischen Befürchtungen erarbeitet, der das Herz wieder zunehmend frei macht von dem schweren Mantel der Angst.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image src:CBSnews.com)

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01.09.19