Sep 24

Die geringe Heilkraft und der hohe Anteil an Placebowirkung von Antidepressiva geriet während der letzten Monate – wohl auch angesichts der exorbitanten Anteile von Ausgaben für Psychopharmaka in den Gesundheitsbudgets der krisengeschüttelten westlichen Industrienationen – verstärkt in den Focus der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Das Deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beurteilte nun in einer groß angelegten Meta-Studie die Heilungskraft von SNRI’s, der neuesten Generation von Antidepressiva, neu, wonach man zum Ergebnis kam, daß diese keinen wesentlichen Vorteil gegenüber den SSRI’s mit sich bringen. Man sieht Hinweise, aber keine Belege dafür, dass z.B. Duloxetin und Venlafaxin bei Patienten mit höherem Schweregrad der Depression gegenüber den SSRI’s besser wirken. Bewiesen sieht man den Zusatznutzen im Vergleich zu der Wirkstoffklasse der SSRI nur auf Ebene der Änderung der depressiven Symptomatik in der Kurzzeit-Akuttherapie, dafür kommt es gegenüber den SSRI’s zu mehr Therapieabbrüchen.

“Mehr noch, die SNRI’s schneiden nicht mal gegenüber den Vorläufern der SSRIs, den trizyklischen Antidepressiva, besonders gut ab. Sie sind zwar besser verträglich als diese, besser wirken im Sinne der Linderung oder gar Heilung einer Depression tun sie nicht. (..) In entscheidender Hinsicht befindet sich die medikamentöse Behandlung der Depression noch im Stadium den frühen 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts – da nämlich wurden die Trizyklika entwickelt.” (Quelle und Volltext: telepolis)

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Gedanken zu “Neue Antidepressiva verträglicher, aber kaum besser wirksam”:

  1. Kommentar von Depression: Pharmaindustrie im Gegenwind .:. Psychotherapie-Blog:

    […] unveröffentlichten Studien rund um die Wirkung von Antidepressiva (siehe Blog-Eintrag “Antidepressiva verträglicher, aber kaum besser wirksam“) ergab, “dass 82 Prozent der medikamentösen Wirkung auch durch wirkungslose Placebos […]

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01.09.19