Apr 16

Mit Druck auf ein verstärktes Engagement von molligen Models hofften Frauenverbände und Gesundheitsorganisationen, das zumeist niedrigere Selbstwertgefühl von molligeren Frauen nicht noch weiter zu beeinträchtigen – doch die erwünschte Wirkung bleibt in den meisten Fällen aus, wie eine aktuelle gemeinsame Studie der Universitäten Köln, der Arizona State University und Erasmus-Universität Rotterdam zeigt. Das Selbstwertgefühl ist diesen zufolge höher, wenn dünne oder “idealgewichtige” Models werben.

“Unsere Forschung zeigt, dass sich Personen spontan mit den Models vergleichen, die Ihnen aus der Werbung entgegen lachen. Diese sozialen Vergleiche beeinflussen, wie wir uns selbst sehen und uns verhalten”, sagte der an der Studie mitwirkende Prof. T. Mussweiler, Leiter des Lehrstuhls für Sozialpsychologie an der Universität zu Köln. Für die Studie zeigten die Wissenschaftler Probandinnen mit unterschiedlichem Gewicht Bilder von Models, welche entweder extrem dünn, moderat dünn, moderat mollig oder extrem mollig waren. Idealgewichtige Frauen zeigten ein höheres Selbstwertgefühl, wenn auf den Bildern moderat dünne Models anstelle von moderat molligen Models abgelichtet waren. Molligere Probandinnen hatten hingegen ein niedriges Selbstwertgefühl, unabhängig davon, welches Bild sie gezeigt bekamen. Auch extrem mollige Models steigerten das Selbstwertgefühl hier nicht. Ein anderes Experiment der Studie zeigte darüber hinaus, dass normalgewichtige Menschen nach dem Betrachten von Werbeanzeigen im Experiment weniger Kekse essen, wenn sie extrem dünne Models in der Werbung sahen, als wenn extrem mollige Models in der Werbung auftauchten.

Unklar ist noch, wie sich der Einsatz von molligen Models bezüglich des Risikos auf Essstörungen wie etwa Anorexie auswirkt.

(Quellen: The Effects of Thin and Heavy Media Images on Overweight and Underweight Consumers: Social Comparison Processes and Behavioral Implications, in: Journal of Consumer Research, Vol. 36, Apr 2010 (doi: 10.1086/648688); Photo src:stuttgarter-nachrichten.de)

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Gedanken zu “Übergrößen-Modelle machen doch nicht selbstbewußter” (3):

  1. Kommentar von Patricia:

    wie sich die Menschen doch mal wieder zu manipulieren sind. Und ebenso interessant dadurch einmal mehr bewiesen wird, welchen Einfluss Werbung auf uns nimmt, ohne dass wir uns dessen überhaupt bewusst sind.

  2. Kommentar von Christel:

    Ja wirklich interessant wie die Menschen ticken. Der Versuch das Selbstwertgefühl zu steigern klappt nicht weil die Reaktion ganz anders ausfällt als erwartet.

  3. Kommentar von Steffen:

    klasse Artikel (sage ich als leider Betroffener)

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25.06.19