Jun 17

Die Therapie dauert durchschnittlich eineinhalb Jahre (Photo: TRBfoto)

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Aus Forschungsstudien unter kontrollierten Bedingungen war bisher schon bekannt, dass die psychotherapeutische Behandlung depressiver Störungen äußerst wirksam ist. In der Fachwelt bestanden jedoch Zweifel, ob sich die Ergebnisse aus den Forschungstherapien auch auf Routinetherapien im normalen Praxisalltag übertragen lassen – in einer Studie haben Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz dies nun jedoch auch für die Routineversorgung mithilfe der Verhaltenstherapie nachgewiesen.

“Wir können zeigen, dass die Verhaltenstherapie hier eindeutig hilfreich ist”, erklärt die Psychologin Amrei Schindler von der Uni Mainz. “Die Ergebnisse der sogenannten RCT-Studien werden jedoch nicht ganz erreicht.” An der Studie beteiligten sich 229 Patienten, die zwischen 2001 und 2008 wegen Depressionen zur Behandlung an die Hochschulambulanz kamen. Davon haben 174 die Therapie regulär abgeschossen, das heißt sie brachen sie nicht ab. “Im Durchschnitt absolvierten die Patienten 35 Therapiesitzungen in unserer Ambulanz. Die Therapie dauerte somit durchschnittlich etwa eineinhalb Jahre”, erklärt Schindler.

Die depressiven Symptome und die allgemeine psychische Belastung gingen im Verlauf der Behandlung signifikant zurück. Gemessen anhand des Beck-Depressions-Inventars (BDI)* erreichten 61% aller Teilnehmer eine über 50%ige Besserung ihrer Symptomatik. Dabei machte es bemerkenswerterweise offenbar keinen Unterschied, ob die Patienten gleichzeitig Psychopharmaka erhielten oder nicht.

Ein Vergleich der Depressionswerte zum Zeitpunkt der Anmeldung zur Therapie mit denen zu Therapiebeginn (durchschnittlich lagen dazwischen 5 Monate) ergab, dass sich die depressive Symptomatik in dieser Warteperiode nicht bedeutsam veränderte. “Wir kommen zu dem Schluss, dass die Verbesserungen tatsächlich auf die psychotherapeutische Behandlung zurückgehen und nicht oder jedenfalls nicht allein auf Psychopharmaka oder Spontanremissionen.” Schindler macht darauf aufmerksam, dass sich auch bei den Therapieabbrechern markante Verbesserungen eingestellt haben, wenngleich nicht in demselben Maße wie bei den abgeschlossenen Therapien.

Die Ergebnisse der Studie deuten allerdings auch darauf hin, dass die Therapien unter sogenannten naturalistischen Bedingungen wie in der Hochschulambulanz im Vergleich zu den randomisierten kontrollierten Studien, die zu Forschungszwecken angelegt werden, nicht ganz so effektiv sind. In einer weiteren Studie soll nun überprüft werden, inwieweit dies etwa mit den Unterschieden bei den Patientengruppen zusammenhängt.

Quelle: A. Schindler & Wolfgang Hiller: “Therapieeffekte und Responseraten bei unipolar depressiven Patienten einer verhaltenstherapeutischen Hochschulambulanz” in: Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 39(2), 2010, 107, doi: 10.1026/1616-3443/a000019; Ärzte Zeitung Online 05/2010)
*) Test verweist auf den Selbsttest auf Depression auf dieser Website

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11.04.20