Jun 26

In einem Press-Release über eine im April dieses Jahres im „Journal of Clinical Psychiatry“ vom Weill Cornell Medical College in New York veröffentlichte Studie war kürzlich zu lesen, daß Resultate einer post mortem Studie darauf hindeuten, dass “ältere Menschen, die Suizid begehen, oft nicht mit Antidepressiva versorgt sind”. 72 Prozent der von der Studie erfaßten Suizid-Opfer waren Männer, die häufigste Suizid-Methode war ein Sprung aus größerer Höhe (38,4%) und Selbststrangulation (25,1%). Die höchste Suizid-Rate wurde in der Gruppe der über 85jährigen beobachtet (10,7 pro 100.000). Nur eines von vier Suizidopfern hatte zum Zeitpunkt des Todes Antidepressiva im Körper, bei denjenigen im Alter von 85 und darüber waren es sogar noch weniger. Wenn man davon ausgehe, dass viele der Suizidopfer an einer medizinisch behandelbaren Depression litten, deuten diese Ergebnisse auf “Probleme in der Versorgung der ganz Alten mit antidepressiver pharmakologischer Therapie” hin, schreiben die Autoren. Nun, medizinisch behandelbar ist heutzutage ja prinzipiell so gut wie alles, die Frage ist nur, ob bei der überwiegenden Anzahl der an Depressionen leidenden älteren Menschen eine rein medikamentöse Behandlung stets auch der Weisheit bester Schluß ist?

Wie auch die Forscher schlußendlich in ihrer Studie anmerkten, wäre es angesichts der Depressions- und Suizidraten der älteren Generation sicherlich sinnvoll, wenn bei Menschen hohen Alters, welche den Arzt aufsuchen, grundsätzlich auf Depressionen und Suizidalität gescreent würde. Generell ließe sich der Leidensweg zahlreicher PatientInnen sicherlich deutlich abkürzen, wenn schon von Beginn an psychische Mitursachen oder gar Auslöser für körperliche Erkrankungen in die ärztliche Diagnostik miteinbezogen würden. (Quellen: MedScape, ReutersHealth; Apr 09; J Clin Psychiatry; 2009, 70: 312-317). Photo src: ucsf.edu

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Gedanken zu “.. und da hätt’ ich noch eine Pille für Sie!”:

  1. Kommentar von Laura 13:

    Ich denke, dass viele ältere Menschen einfach zu viel alleine sind. Sie sind einsam, fühlen sich nicht mehr gebraucht…Leider ist es eben in der heutigen zeit der Familie oft nicht mehr möglich sich intensiv zu kümmern.
    Allerdings bin ich der Meinung, dass man älteren Menschen, die oft schon zahlreiche Medikamente nehmen, besser mit einer Therapie oder Selbsthilfegruppen oder anderweitigen Kontakten zu Gleichaltrigen helfen würde. So etwas müsste vermehrt ausgebaut werden. Man muss doch immer die Wurzel bekämpfen, die wohl in diesem Fall die Einsamkeit ist.

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01.09.19